Donnerstag, 30. März 2017, 17:13 Uhr

Filmkritik "Ghost in the Shell": Scarlett Johansson greift durch

Mit scharfen Waffen hat sie Erfahrung. Auch Superhelden-Kräfte sind für Scarlett Johansson auf der Kinoleinwand nichts Neues. In „Ghost in the Shell“ ist der Hollywoodstar ein Mensch-Maschine-Wunder.

Filmkritik "Ghost in the Shell": Scarlett Johansson greift durch
Foto: Paramount Pictures and DreamWorks Pictures

Nur ihr Gehirn hat den Unfall überlebt. Jetzt ist die junge Frau, genannt Major, die perfekte Kampfmaschine – mit unzerstörbarem Maschinenkörper und scharfsinnigem Verstand. Der mit Superhelden-Kräften bereits vertraute Hollywoodstar Scarlett Johansson („Lucy“, „The First Avenger: Civil War“) spielt die Hauptrolle in der ersten Realverfilmung der legendären japanischen Manga-Story „Ghost in the Shell“.

Verwegen stürzt sich die kurvenreiche, sexy Heldin im Nude-Kostüm als Anführerin ihrer Truppe in den Kampf gegen Terroristen, die unterwegs auf Identitätsklau sind. Es gilt, den Geist in der Hülle – „The Ghost in the Shell“, sprich: die Seele der Menschen – zu retten. Dabei kommt Major einem schmerzhaften Geheimnis aus ihrer Vergangenheit auf die Spur – und ihre Schöpfer geraten in ihr Visier.

Dass die Manga-Heldin von einer mit schwarzer Perücke ausgestatteten Nordamerikanerin gespielt wird, dürfte nicht nur eingefleischte Fans zunächst stutzig machen. Überhaupt spielen asiatische Figuren in der Kinostory eher die Nebenrollen.

Die original Manga-Story von Masamune Shirow aus dem Jahr 1989 wurde auch schon in zahlreichen Anime-Filmen und -serien erzählt, als Videospiel verbreitet und so weltweit bekannt. Künstler und Filmemacher wie die Wachowski-Geschwister mit ihrer „Matrix“-Trilogie ließen sich von der futuristischen Cyberpunk-Ästhetik und der philosophisch-esoterischen Geschichte inspirieren.

Filmkritik "Ghost in the Shell": Scarlett Johansson greift durch
Foto: Paramount Pictures and DreamWorks Pictures

Auch an Werke wie „Blade Runner“ und „Das fünfte Element“ erinnert die Szenerie in der „Ghost in the Shell“-Interpretation von Regisseur Rupert Sanders („Snow White and the Huntsman“). Sehr klar und transparent komponierte Bilder mit grandiosen Schau-Effekten machen den auch in der 3D-Version angebotenen Science-Fiction-Thriller zu großem Action-Kino.

Im Jahr 2029 gibt es zwar immer noch Autos auf den Straßen und streunende Hunde – doch durch das Hochhaus-Gewimmel schweben holografische Werbefiguren, im Restaurant wird man von gruseligen Geisha-Robotern bedient, und die Cyborgs selbst mit ihren zahllosen mechanischen Ersatzteilen im Körper sind tatsächlich nicht mehr von dieser Welt.

Filmkritik "Ghost in the Shell": Scarlett Johansson greift durch
Foto: Paramount Pictures and DreamWorks Pictures

Die Story von „Ghost in the Shell“ bleibt bei der aufwendigen computeranimierten Ausstattung des Films manchmal etwas auf der Strecke. Was macht die Identität eines Menschen aus? Vor lauter actiongeladener Dramaturgie lernt der Zuschauer Majors in der Shell verborgenen Charakter nicht so richtig kennen. Dabei ist Major natürlich auch selbst auf der Suche nach ihrem menschlichen Kern.

Die actionerprobte Johansson füllt ihre Cyborg-Rolle routiniert und mit großem Körpereinsatz aus. An ihrer Seite sind unter anderem Takeshi Kitano („Battle Royale“), Juliette Binoche („Die feine Gesellschaft“), Michael Pitt („Boardwalk Empire“) und Pilou Asbaek („Ben Hur“) zu sehen. Das Finale ist dann wahrhaft apokalyptisch – da werden inklusive mörderischer Roboter-Spinne alle Register der Computeranimation gezogen, was in einem beeindruckend düsteren und technisch hochgerüsteten Kampf zwischen Gut und Böse gipfelt. (Elke Vogel, dpa)

Ghost in the Shell, USA 2017, 106 Min., FSK noch o.A., von Rupert Sanders, mit Scarlett Johansson, Juliette Binoche, Takeshi Kitano