Dienstag, 04. April 2017, 15:53 Uhr

Filmkritik "Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf"

In Schlumpfhausen ist die Welt unverändert, seit mehr als 50 Jahren. Schlaubi ist fürs Denken zuständig, Hefty ist stark, Papa Schlumpf ist für die Moral da. Und Schlumpfine ist einfach nur schön. Kann das gut gehen?

Filmkritik "Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf"
Foto: SonyPictures

Die Schlümpfe sind nicht kleinzukriegen. Ab 1958 gab es die Comics des Belgiers Peye, dann die Zeichentrickserie und später die Kinofilme. Nun kommt erneut ein Abenteuer mit den weißbemützten blauen Figuren ins Kino. In „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ wagen sich Schlumpfine und ihre Freunde in den verbotenen Wald, um nach einer geheimnisvollen Siedlung zu suchen.

Gefährlich, gefährlich, denn der böse Zauberer Gargamel und sein Kater Azrael sind ihnen dicht auf den Fersen. Optisch ist die animierte Neuauflage, natürlich in 3D – nett gemacht. Die Geschichte ist jedoch über weite Strecken klamaukig und vermittelt teilweise sogar ein antiquiertes Frauenbild.

Bei der Animation wollten die Filmemacher rund um Regisseur Kelly Asbury zu den Wurzeln der Werke des belgischen Zeichners Pierre Culliford alias Peyo zurück. „Wir haben uns die frühen Comicbücher angesehen und das Werk von Peyo studiert“, sagt Asbury. „Peyos Werk vermittelt eine Beschwingtheit und eine Leichtigkeit des Seins.“

Visuell ist der Film in der Tat gelungen. Fantasievoll wurde die Schlumpfwelt am Computer animiert, putzige Schlumpfhäuser, lustige Schlümpfe und eine zauberhafte Wunderwelt im verbotenen Wald.

Filmkritik "Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf"

Alles schön, wäre da nicht Schlumpfine, in der deutschen Fassung gesprochen von Nora Tschirner. Sie ist nicht mehr als die Ausgeburt von Gargamels finsteren Schlumpf-Vernichtungsfantasien. Der Zauberer (Christoph Maria Herbst) hat die hübsche, blond gelockte Schönheit geschaffen, damit sie den blauen Ego-Männchen den Kopf verdreht und sie in sein Schloss lockt. Dort will er aus ihnen eine magische Schlumpfsuppe brauen. Im Kern ist Schlumpfine deshalb ein ziemlich böses Mädchen, geformt aus einem Lehmklumpen. Das süße Lächeln, der schmachtende Augenaufschlag: Alles nur gespielt. Oder doch nicht?

Filmkritik "Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf"
Foto: SonyPictures

Irgendetwas muss falsch gelaufen sein, denn Schlumpfine hat, wie wir wissen, ein Herz für ihre Schlümpfe. Und sie hat keine Ahnung, welche bösen Kräfte in ihr schlummern, wäre da nicht dieses nagende Gefühl, dass etwas nicht stimmt mit ihr. Emanzipation in Schlumpfhausen? Höchste Zeit. Schlumpfine will nicht länger die Süße sein, für die alle schwärmen und die selbstverliebt in den Spiegel starrt. Sie ist unzufrieden und will endlich auch eine Aufgabe haben, Typ unzufriedene Hausfrau. Eine Revolution im Pilzdorf. Unzufrieden schüttelt der greise Papa Schlumpf (Heiner Lauterbach) den Kopf, als das Weibchen eigene Wege geht und so unvernünftig ist, sich und andere in Gefahr zu bringen.

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Foto: SonyPictures

Auch wenn Schlumpfine am Ende eine große Tat vollbringt: Als gefeierte Heldin darf sie nicht heimkehren. Ohne die Liebe ihrer starken und schlauen Schlumpfkumpels ist so eine Frau eben doch nicht mehr als ein formloser Klumpen Lehm. (Cordula Dieckmann, dpa)

Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf, USA 2017, 90 Min., FSK ab 0, von Kelly Asbury, mit den Stimmen von Nora Tschirner, Christoph Maria Herbst, Heiner Lauterbach