Montag, 10. April 2017, 22:40 Uhr

Filmkritik "Zu guter Letzt" mit Shirley MacLaine: Kleine Marotten, große Effekte

Was ist wirklich wichtig im Leben? Und ist es irgendwann zu spät, etwas zu ändern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Komödie „Zu guter Letzt“. Shirley MacLaine schlüpft dazu in die Rolle einer biestigen alten Dame – die doch noch ein besserer Mensch werden will.

Filmkritik "Zu guter Letzt" mit Shirley MacLaine: Kleine Marotten, große Effekte
Foto: Tobis

Liebende Mutter, treu sorgende Ehefrau, gute Freundin: Solche Beschreibungen finden sich in vielen Nachrufen. Die einst erfolgreiche Geschäftsfrau Harriet Lauler (Shirley MacLaine) will kurz vor ihrem Ableben nichts dem Zufall überlassen – und gibt eben solch einen Nachruf schon zu Lebzeiten Auftrag. Doch da gibt es ein Problem: Sie ist genau das Gegenteil.

Zum Problem wird das in der Komödie „Zu guter Letzt“ allerdings vor allem für die junge Autorin Anne (Amanda Seyfried), die den Nachruf verfassen soll. Da Harriet Lauler eine wichtige Anzeigenkundin für den Verlag ist, kann Anne den Auftrag von ihrem Chef nicht einfach ablehnen. Zwar hat ihr die herrische alte Dame eine Liste mit Ansprechpartnern gegeben – doch die haben nichts Gutes zu erzählen.

Der Ehemann: seit Jahren von Lauler geschieden. Die Tochter: kein Kontakt. Die Freunde: nicht vorhanden. Die Kollegen haben sie vor Jahren eigenhändig rausgeworfen. Was also tun? Mit dem denkbar knappen Nachruf von Anne gibt sich die perfektionistische Lauler freilich nicht zufrieden. Sie beschließt, ihr Leben zu ändern – um auf den letzten Drücker doch noch einen guten Nachruf zu bekommen.

Auf ihrer To-do-Liste: Das Leben von jemandem ändern, sich sozial engagieren, ein gutes Familienleben und eine „Wild Card“, wie sie es nennt. Eine Sache, die sie zu etwas Besonderem macht. Das Ergebnis: Sie nimmt ein schwer erziehbares Mädchen unter ihre Fittiche, wird DJane bei einem Sender für Indie-Musik, trifft nach Jahren ihre Tochter (eine jüngere Version ihrer selbst) wieder – und liegt zeitweise auch ihrem Ehemann wieder in den Armen.

Filmkritik "Zu guter Letzt" mit Shirley MacLaine: Kleine Marotten, große Effekte
Foto: Tobis

Dabei wird sie von Journalistin Anne begleitet, die dabei beginnt, auch ihr eigenes Leben zu hinterfragen. Will sie wirklich Nachrufe schreiben – oder traut sie sich einfach nicht, ihre Essays zu veröffentlichen? Will sie wirklich Single bleiben – oder hat sie nur Angst, wieder verlassen zu werden? Gegen Ende sagt sie zu der alten Dame: „Ihr Leben ist viel interessanter als meins.“ Die wiederum sorgt dafür, dass sich auch das bald ändert.

Shirley MacLaine ist die ideale Besetzung für die Rolle der kratzbürstigen, reichen Rentnerin, die im Grunde das Herz am rechten Fleck hat. Und auch Amanda Seyfried („Mamma Mia!“) nimmt man die junge, melancholische Autorin durchaus ab. Letztlich regt der Film zum Nachdenken an: Was macht ein erfülltes Leben aus? Und wie lange kann man warten, um seine Träume zu verwirklichen? Deutlich wird das, als Harriet Lauler als DJane eine ihrer Musiksen (Antonia Lange, dpa)

Zu guter Letzt, USA 2017, 108 Min., FSK o.A., von Mark Pellington, mit Shirley MacLaine, Amanda Seyfried, Anne Heche

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