Montag, 17. April 2017, 18:50 Uhr

TV-Kritik Tatort "Sturm": Packend und schockierend

Selten hat ein noch nicht gesendeter „Tatort“-Krimi für so viel Hin und Her gesorgt wie der Film „Sturm“. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurde er aus dem Programm genommen, jetzt ist er aber Ostermontag zu sehen.

TV-Kritik Tatort "Sturm": Packend und schockierend
Foto: WDR/Frank Dicks

Tote, Verletzte und eine explodierende Autobombe: Am Neujahrstag wollte die ARD den Zuschauern den schockierenden Dortmund-Tatort „Sturm“ nicht antun. Zu nah war das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt vom 19. Dezember am Sendetermin gelegen. Am heutigen Ostermontag (20.15 Uhr) sendet das Erste nun den Krimi um gewalttätige Islamisten. Das Erste hält dagegen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend an der Ausstrahlung fest. „Es bleibt bei dem Sendetermin am Ostermontag“, sagte der Fernsehspielchef des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Gebhard Henke. „Der ‚Tatort‘ kann aufgrund seiner zeitaktuellen inhaltlichen Ausrichtung der Realität nicht ständig ausweichen.“

„Mit der Verschiebung um nunmehr dreieinhalb Monate auf den 17. April wollte Das Erste vor allem Rücksicht auf die Opfer, ihre Angehörigen, Betroffenen und das Empfinden der Zuschauer nehmen“, sagte ARD-Sprecher Lars Jacob im Rückblick. Die Szenen am Ende der Folge hätten Erinnerungen an den Terroranschlag wecken können. 2015 hatte die ARD wegen der Terroranschläge in Paris bereits einen Til-Schweiger-„Tatort“ verschoben.

Die ARD traut nach dem zeitlichen Abstand zu Berlin den Zuschauern inzwischen nicht nur die schreckliche Szene am Ende des Films zu. Eine Autobombe verwandelt den Einsatzort in eine Art blutige Kriegslandschaft. Verletzte taumeln unter Schock orientierungslos umher. Der ganze Dortmund-„Tatort“ ist von Gewalt beherrscht und nichts für schwache Nerven. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, ob er einen Krimi von solch harter Sorte sehen will.

„Sturm“ taucht ins Milieu der Geldbeschaffung für den Dschihad ein. Zumindest sieht es anfänglich danach aus. Mitten in der Nacht werden in der Innenstadt zwei Streifenpolizisten gezielt durch die Windschutzscheibe erschossen. Unweit der kaltblütigen Morde entdeckt Hauptkommissar Faber (Jörg Hartmann) Licht in einer Bank – und einen Mann am Computer. Aufmachen will er nicht.

TV-Kritik Tatort "Sturm": Packend und schockierend
Foto: WDR/Frank Dicks

Faber schlägt die Scheibe ein. Der Mann ist Konvertit, trägt einen Sprengstoffgürtel und lenkt gerade Millionen auf Konten in arabische Länder um. Mohammed Hövermann zeigt Faber den Zünder. Der kreuzbrav aussehende Mann ist seit Jahren einer der führenden Angestellten der Bank und mit einer Syrerin verheiratet.

Fabers Kollegen finden heraus, dass der Banker unter Zwang handelt. Junge Islamisten haben seine schwangere Frau und seine Tochter in ihrer Gewalt. Ein LKA-Computerexperte stoppt die Überweisungen und fliegt damit auf. Hövermann droht die Nerven zu verlieren.

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Foto: WDR/Frank Dicks

Fabers Kollege Kossik (Stefan Konarske) startet einen Alleingang, um die Tochter aus den Händen der Entführer zu befreien. Auf einem stillgelegten Campingplatz kommt es zum Showdown zwischen Kossik und den Entführern. Der Oberkommissar, der das Dortmunder Team verlässt, findet einen krimiwürdigen Abgang. Der 37-Jährige hat privat seinen Lebensmittelpunkt nach Paris verlegt und kann nicht mehr mitmischen. Damit findet auch der Film-Dauerzwist zwischen ihm und psychotischen Faber ein Ende. (Wolfgang Dahlmann, dpa)