Mittwoch, 19. April 2017, 9:02 Uhr

"Wetten, dass...?": Der legendäre Buntstift-Betrüger ist tot

So war das mit der Buntstift-Wette: Wie schmeckt die Farbe eines Buntstiftes? Bernd Fritz wusste es auch nicht, ließ es aber alle Welt bei „Wetten, dass..?“ glauben – und sorgte damit 1988 für einen handfesten Skandal.

Der Buntstifte-Skandal bei „Wetten, dass..?“ war sein größter Coup – jetzt ist der Journalist Bernd Fritz gestorben. Das berichteten das „Titanic Magazin“ aus Frankfurt/Main und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) am Dienstag. Für beide Blätter hatte er geschrieben. Demnach starb er am Ostersonntag im Alter von 71 Jahren. Fritz war 1987 bis 1990 „Titanic“-Chefredakteur. Das Blatt schrieb auf seiner Webseite: „Wir trauern um einen geschätzten Kollegen, akribischen Autor und eine besondere Persönlichkeit. Bernd Fritz wurde 71 Jahre alt.“

Mit dieser Zeit verbindet sich auch seine bekannteste Aktion: 1988 schmuggelte er sich unter dem falschen Namen Thomas Rautenberg in die ZDF-Show „Wetten, dass..?“ ein. Er veralberte das Millionenpublikum und Gastgeber Thomas Gottschalk mit der ungewöhnlichen Begabung des Stifte-Erschmeckens. Alles Täuschung, wie sich später herausstellte.

Scheinbar auf Anhieb konnte der Wett-Kandidat, der sich als Grafiker vorstellte, mit einer dunklen Brille vor den Augen die Farben von sieben Buntstiften am Geschmack unterscheiden. Feinste Nuancen schien der Kandidat zu erkennen. Als der staunende Gottschalk ihn nach seiner Methode fragte, entgegnete der Kandidat plötzlich: „Ich hab‘ keine Ahnung, woran man das erkennen könnte. (…) Ich kann es nicht. Ich heiße auch gar nicht Rautenberg. (…) Ich heiße Bernd Fritz und bin ein unbescholtener ‚Titanic‘-Redakteur.“

Den Trick verriet er in der nächsten Ausgabe des Satire-Magazins: Er hatte einfach die Brille manipuliert. Fritz war von 2006 an auch Mitherausgeber von „Titanic“. Über den Betrug sagte er später im Interview mit dem ‚Spiegel‘: „Der echte Thomas Rautenberg hatte die Idee. Er war Grafiker. In seiner Agentur war es eine gängige Technik, an Buntstiften zu lecken, um damit Aquarelleffekte zu erzielen. Seine Kollegen und er haben aus einer Bierlaune heraus beschlossen, ‚Wetten, dass..?‘ anzubieten, sie könnten Buntstifte am Geschmack erkennen. Die waren allerdings ziemlich geplättet, dass die ‚Wetten, dass..?‘-Redaktion tatsächlich Interesse an der Wette zeigte. Rautenberg wollte das aber nicht selbst durchziehen. Weil er ‚Titanic‘-Leser war, hat er bei uns angerufen und gefragt, ob das nicht was für uns wäre. Und nur durch Zufall war ich da gerade am Telefon.“

Er habe „damit gerechnet, dass die Fachleute fragen, ob es überhaupt möglich ist, Buntstifte am Geschmack zu erkennen. Oder dass sie Faber-Castell anrufen.“ Dann hätte ein Fachmann wohl gesagt: „‚Man schmeckt nur das Leinöl, das dem Tonmehl beigemischt wird, und das ist bei allen Farben gleich. Aber die Redaktion prüfte das offensichtlich nicht weiter. Da realisierten wir, dass das große ZDF im Detail eigentlich armselig, unprofessionell und unbedarft war.'“ Nun, das kennt man ja auch fast 30 Jahre später bei der ZDF-Show zur Goldenen Kamera, als Joko und Klaas die TV-Nation mit einem falschen Ryan Gosling narrte.. (dp/KT)