Freitag, 28. April 2017, 23:44 Uhr

Deutscher Filmpreis: "Toni Erdmann" großer Gewinner

Triumph für Maren Ade und ihren „Toni Erdmann„. Nach der Enttäuschung beim Oscar ist die Tragikomödie jetzt der Abräumer bei der Lola. Die Filmpreis-Gala ist ein Abend der Frauen und politischen Appelle.

Deutscher Filmpreis: "Toni Erdmann" großer Gewinner
Die Verleihung des Deutschen Filmpreises beginnt mit einer sehr politischen Rede von Iris Berben. Foto: Jörg Carstensen

Die Regisseurin Maren Ade ist mit der Tragikomödie „Toni Erdmann“ die große Gewinnerin beim Deutschen Filmpreis. Der Film bekam am Freitagabend in Berlin sechs Lolas, neben dem Hauptpreis auch die Trophäen für Regie, Drehbuch und Schnitt. Sandra Hüller und Peter Simonischek wurden zudem für ihre Rollen in dem Vater-Tochter-Drama zu den besten Hauptdarstellern gekürt.

In der Königsklasse „Bester Spielfilm“ setzten sich die Regisseurinnen durch: Die Silber-Lola erhielt das Abtreibungsdrama „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached, Bronze holte „Wild“ von Nicolette Krebitz. Der Favorit des Abends, „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus, ging trotz acht Nominierungen leer aus.

Deutscher Filmpreis: "Toni Erdmann" großer Gewinner
Lolas für Maren Ade (l) und Sandra Hüller. Foto: Jörg Carstensen

„Toni Erdmann“ war bereits im Rennen um den Auslands-Oscar dabei und hat den Europäischen Filmpreis gewonnen. Der Film gilt als Beispiel dafür, dass deutsches Autorenkino international erfolgreich sein kann. Weitere Preise gab es für Fritzi Haberlandt („Nebel im August“) und Georg Friedrich („Wild“) in der Kategorie „Beste Nebenrolle“. Bester Kinderfilm wurde „Auf Augenhöhe“ über einen Junge mit einem kleinwüchsigen Vater.

Der US-Regisseur Michael Moore („Bowling for Columbine“) wurde bei der Vorstellung der Dokumentationen per Video zugeschaltet. Er bedankte sich im Namen der Amerikaner bei den Deutschen für Donald Trump – eine ironische Anspielung auf die deutschen Wurzeln der Familie des US-Präsidenten. „Wir brauchen die Wahrheit“, sagte Moore und warb damit für die Kraft von Dokumentarfilmen. Im Doku-Gewinner „Cahier Africain“ geht es um das Schicksal misshandelter Frauen in der Zentralafrikanischen Republik.

Deutscher Filmpreis: "Toni Erdmann" großer Gewinner
Til Schweiger hielt die Laudatio, Simon Verhoeven bekam den Preis. Foto: Britta Pedersen

Die Deutsche Filmakademie wählt die Gewinner der Lolas, die als wichtigste Auszeichnung für das deutsche Kino gelten. Von Til Schweiger bis Senta Berger war fast die komplette deutschsprachige Filmprominenz bei der Show im Palais am Funkturm dabei. Durch die Gala führte die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, eine Gesangseinlage kam von Katja Riemann.

Simon Verhoeven bekam die undotierte Lola für den besucherstärksten deutschen Film. Die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ sahen mehr als 3,6 Millionen Zuschauer im Kino. Auch ein weiterer Preis stand schon vorab fest: Schnittmeisterin Monika Schindler wurde für ihr Lebenswerk geehrt. (Elke Vogel, dpa)

Deutscher Filmpreis: "Toni Erdmann" großer Gewinner
Ruby O. Fee trägt das – mit Abstand – durchsichtigste Kleid des Abends. Foto: Jens Kalaene

Die Gewinner:

Spielfilm Gold: „Toni Erdmann“
Spielfilm (Silber): „24 Wochen“
Spielfilm (Bronze): „Wild“

Regie: Maren Ade („Toni Erdmann“)
Drehbuch: Maren Ade („Toni Erdmann“)

Weibliche Hauptrolle: Sandra Hüller („Toni Erdmann“)
Männliche Hauptrolle: Peter Simonischek („Toni Erdmann“)

Weibliche Nebenrolle: Fritzi Haberlandt („Nebel im August“)
Männliche Nebenrolle: Georg Friedrich („Wild“)

Kamera: Reinhold Vorschneider („Wild“)
Schnitt: Heike Parplies („Toni Erdmann“)
Szenenbild: Tim Pannen („Paula“)

Kostümbild: Frauke Firl („Paula“)
Maskenbild: Kathi Kullack („Das kalte Herz“)

Filmmusik: Oli Biehler („Das kalte Herz“)
Tongestaltung: Rainer Heesch, Martin Steyer, Christoph Schilling, Lars Ginzel („Wild“)

Dokumentarfilm: „Cahier Africain“
Kinderfilm: „Auf Augenhöhe“

Ehrenpreis: Monika Schindler
Besucherstärkster Film: („Willkommen bei den Hartmanns“)

Technische Innovation: Arri