Freitag, 28. April 2017, 22:50 Uhr

San Fermin: Indie-Pop mit großem Orchester - bunt und schillernd

Ambitionierter Pop mit großem Orchester – das kann übel ausgehen. Die US-Band San Fermin umschifft aber meist mit Erfolg die Klippen eines hohlen Klassik-Rocks.

San Fermin: Indie-Pop mit großem Orchester - bunt und schillernd
Ludwig-Leone und seine Mitstreiter malen mit breitem Pinsel. Foto: Downtown

Er will hoch hinaus mit seinem sinfonischen Pop. Irgendwo zwischen dem hymnischen Bombast von Arcade Fire und dem Neoklassik-Minimalismus eines Philip Glass positionieren sich Ellis Ludwig-Leone und sein Projekt San Fermin. Das geht auch schon mal überambitioniert daneben oder klingt zuweilen etwas glatt, aber meist ist das dritte Album „Belong“ (Downtown/Polydor) ein Vergnügen. Denn Ludwig-Leone und sein vielköpfiges Ensemble um die Leadsänger Charlene Kaye und Allen Tate lassen es mit orchestralem Pathos, Streichern und Bläsern, Chorälen, donnernden Drums und Elektronik ordentlich krachen – effektvoll ist diese Musik allemal.

Der aus Massachusetts stammende Bandboss studierte Komposition an der Yale University und war dann Assistent des Multitalents Nico Muhly (Antony And The Johnsons, Joanna Newsom, Grizzly Bear). Das 2013 veröffentlichte San-Fermin-Debüt nannte der Radiosender NPR „one of the year’s most ambitious, evocative, and moving records“. Das zweite Album „Jackrabbit“ (2015) bewies, dass es sich hier nicht um eine Eintagsfliege handelte, es erhielt Lob von „New York Times“ oder „Wall Street Journal“.

Der kraftstrotzende Opener „Open“, das machtvolle, drängende „Better Company“, der schöne Soulsong „Bones“ und der exotische Track „Cairo“ stehen nun für ein gewachsenes Selbstbewusstsein Ludwig-Leones. Gelegentlich setzt er die schieren Klangmassen seines Orchesters noch etwas zu aufdringlich ein („No Promises“, „Dead“), aber deutlich häufiger funktioniert die Mischung.

Insgesamt bleibt „Belong“ zum Glück vielschichtiger, bunt schillernder Indiepop und vermeidet (meist) den Irrweg eines aufgeblasenen Klassik-Rocks. (dpa)

Konzert: 25.5. Berlin, Grüner Salon