Donnerstag, 04. Mai 2017, 23:20 Uhr

Alec Baldwin: Großes Comeback dank Donald Trump

Weniger Rollenangebote, schmutzige Scheidung und Proll-Image: Mitte der 2000er Jahre schien Alec Baldwins Karriere am Tiefpunkt. Doch dann schaffte er ein bemerkenswertes Comeback – und gilt vor allem dank seiner Trump-Satire inzwischen als Darling der liberalen Elite.

Alec Baldwin: Großes Comeback dank Donald Trump
Foto: Ivan Nikolov/WENN.com

„Wollen Sie eine Antwort, in der das Wort ‚Mailbox‘ vorkommt?“, fragt Alec Baldwin sichtlich gereizt. Eigentlich hat ihm die Moderatorin auf der Bühne der Brooklyn Academy of Music in New York gerade eine harmlose Frage zur Kindererziehung gestellt – aber Baldwin weiß, welche Erinnerungen das Thema in vielen Menschen hervorruft.

2007 hinterließ er inmitten eines schmutzigen Scheidungs- und Sorgerechtsstreits mit Kim Basinger der gemeinsamen Tochter Ireland eine Schimpftirade auf der Mailbox und bezeichnete sie dabei als „gemeines, gedankenloses Schwein“. Die Aufnahme wurde öffentlich – und Baldwin von allen Seiten auf das Schärfste kritisiert. Der Tiefpunkt in der Karriere des Schauspielers, beruflich wie privat. Zehn Jahre später kann Baldwin den Skandal immer noch nicht gelassen sehen, aber mit einordnendem Abstand. „Waren Beatty rief mich damals an und sagte mir: ‚Wenn es Aufnahmen davon gäbe, wie ich manchmal mit meinen Kindern gesprochen habe, wäre ich jetzt im Gefängnis.'“ Die Beziehung zu Tochter Ireland, die inzwischen als Model arbeitet und sich mit berühmten Freunden wie Sänger Justin Bieber, Model Gigi Hadid und dem Kardashian-Clan zeigt, sei längst wieder gekittet.

Der 59-Jährige hat in den vergangenen zehn Jahren viel Wiedergutmachung betrieben und dabei ein bemerkenswertes Karriere-Comeback geschafft. Galt er Mitte der 2000er noch als Hollywood-Proll mit schmutzigen Scheidungsschlagzeilen, zahlreichen Film-Flops und immer weniger Rollenangeboten, so hat er es heute wieder ganz nach oben geschafft: Gefeierte Hauptrolle in der Erfolgsserie „30 Rock“ (2006-2012), mehrere andere Film-, Fernseh- und Synchronsprecherjobs und der viel gelobte Interview-Podcast „Here’s the Thing“. Hinzu kommen eine frisch veröffentlichte Autobiografie „Nevertheless“ (Trotzdem) und natürlich seine Rolle als US-Präsident Donald Trump in der Satiresendung „Saturday Night Live“, die den einst geächteten Baldwin inzwischen sogar zum Darling der liberalen Elite katapultiert hat.

„Mehr Menschen schauen sich ‚Saturday Night Live‘ an als wahrscheinlich jeden anderen Film, den ich je gedreht habe“, sagte Baldwin in der Brooklyn Academy of Music. Dabei habe er die Parodie-Rolle ursprünglich gar nicht annehmen wollen. „Es hat mich nicht gereizt, es war das lächerlichste Angebot, das ich je bekommen hatte.“ Dann allerdings sei das Geld von einem anderen Projekt ausgeblieben und er habe sich doch für die Trump-Rolle entschieden.

Alec Baldwin: Großes Comeback dank Donald Trump
Foto: NBC/Supplied by WENN.com

Baldwin stammt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Lehrer, seine Mutter Hausfrau, das Paar bekam sechs Kinder. Baldwins drei jüngere Brüder wurden allesamt ebenfalls Schauspieler. Nach dem Studium in New York schaffte Baldwin mit seiner Rolle in „Jagd auf Roter Oktober“ 1990 den Durchbruch. „Erfolg hat mir damals mehr Angst gemacht als Versagen, daran war ich gewöhnt.“ Jahrelang hatte Baldwin mit einer Alkohol- und Drogensucht gekämpft. Noch heute kann er sich gut an das Datum erinnern, seit dem er keinen Schluck Alkohol mehr getrunken hat: 23. Februar 1985.

Lange Zeit sei er „unglücklich“ gewesen, sagt Baldwin. Doch das Blatt hat sich für ihn gewendet – beruflich wie privat. 2012 heiratete er die Yogalehrerin Hilaria Thomas, das Paar bekam innerhalb von vier Jahren drei Kinder. „Inzwischen ist das ein einziger Cirque de Soleil bei uns zu Hause.“ Und auch die Fans stehen wieder auf seiner Seite. „Seit ich die Trump-Satire mache ist es schon unzählige Male passiert, dass Menschen in New York auf mich zugekommen sind und einfach nur ‚danke‘ gesagt haben“, erzählt Baldwin. „Immer, wenn ich mit meiner Tochter unterwegs war, hat sie sich dann vor diesen Leuten aufgebaut und gesagt: ‚Ich mag dich nicht.‘ Sie ist so eine New Yorkerin.“ (Christina Horsten, dpa)