Donnerstag, 04. Mai 2017, 20:47 Uhr

"Sense8" startet wieder: Max Riemelt im Interview

Max Riemelt (33) gehört zur deutschen Schauspiel-Elite. Der noch in der DDR geborene Max hat inzwischen sogar den Sprung nach Hollywood geschafft. Am 5. Mai läuft die zweite Staffel der Netflix-Serie „Sense8“ an, in der er eine der Hauptrollen spielt. klatsch-tratsch.de hat ihn getroffen und plauderte über seine Arbeit mit dem Streaming-Giganten, kommende Projekte und darüber, ob er wirklich so ein nachdenklicher, verschlossener Typ ist, wie sein Image oft suggeriert.

"Sense8" startet wieder: Max Riemelt im Interview
Foto: Jens Koch/Nrtflix

Demnächst kommt die zweite Staffel von „Sense8“ raus. Wie wird es mit deinem Seriencharakter „Wolfgang Bogdanow“ weitergehen?
In der zweiten Staffel geht es sehr spannend mit Wolfgang weiter. Er lernt immer mehr die Nutzen und Vorteile seiner neuen Kraft für seine Zwecke zu verwenden und macht damit nicht nur Gutes. Gleichzeitig wächst er auch mit den anderen sieben, mit dessen Gedanken er ja nun mental verbunden ist, zusammen. Mr. Whispers und seine Leute sind ja immer noch auf der Jagd nach ihnen.

Netflix hat den Ruf ein Visionär zu sein. Sie brechen mit ihren Serien mit gängigen Regeln, Grenzen und Tabus. Merkt man diesen Anspruch auch als Schauspieler am Set?
Es war großartig mit Netflix zu arbeiten. Und ja, den Anspruch nach Innovation spürt man auch als Schauspieler am Set. Natürlich ist es nicht so, dass wir beliebig improvisieren und damit spontan Änderungen in der Handlung bewegen konnten. Dazu sind die zahlreichen Verstrickungen bei „Sense8“ auch viel zu komplex, aber es ist eine andere Art des Arbeitens. Manche Szenen habe ich zum Beispiel mehrfach gedreht und jedes Mal sollte ich der Szene eine andere Stimmung geben, weil sich die Produzenten offen halten wollen, in welche Richtung sie das Skript vielleicht noch weiterentwickeln wollen.

Deine Rolle Wolfgang ist ja nicht gerade ein guter Typ, den man sofort ins Herz schließt. Er ist ein Gangster und versteckt seine Verletzlichkeit hinter Härte. Aber als Schauspieler muss man seine Rolle ja verteidigen, in welchen Zügen kannst du dich mit ihm identifizieren?
Ja, das stimmt, Wolfgang ist ein schwieriger Charakter, der viele Fehler macht und oft nicht nett zu den Menschen ist. Und auch wenn wir nicht viel gemeinsam haben, gibt es doch Aspekte von seinem Wesen, die ich gut leiden konnte und in denen ich mich wiedererkannt habe. So ist Wolfgang zum Beispiel bereit, Menschen eine zweite Chance zu geben und sich Situationen und Verhaltensweisen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Ich bin auch so, ich versuche in der Regel zu verstehen, dass Mitmenschen vielleicht etwas anderes gemeint haben, als sie gesagt haben.

Dieses Ideal entspricht ja auch sehr deinem Image als nachdenklich, intellektuell und verschlossen. Oder transportieren die Medien hier ein ganz falsches Bild von dir?
Ach so, das ist also mein Image? Nachdenklich und verschlossen? Das ist lustig, aber es kann schon sein, dass die Menschen in meiner Umgebung mich so wahrnehmen. Es ist einfach so, dass ich oft erst lange nachdenke, bevor ich spreche. Ich treffe nicht gerne absolute Aussagen, auf denen ich dann bestehe. Ich will auch niemanden auf den Schlips treten. Deswegen ich denke ich erst nach, das kann auch etwas dauern und spreche erst dann.

"Sense8" startet wieder: Max Riemelt im Interview
Foto: Jens Koch/Netflix

Okay, diese Lust nach Perspektivwechseln zieht sich auch wie ein roter Faden durch deine Rollenauswahl. Es gibt nämlich keinen. Du spielst immer ganz unterschiedliche Typen, die für komplett verschiedene „Männerbilder“ stehen.
Das könnte man so deuten. Aber so ist das ja auch im echten Leben. Ich bin nicht nur ein „Mann“, also wäre das meine einzige, unveränderliche Charakterfacette. Ich bin eine Diversität von Eigenschaften, die unterschiedlich stark auftreten, je nachdem wer mir gegenübersitzt. Und genauso wenig wie ich mich im Leben auf nur einen Typen festlege, will ich das in meinen Rollen. Der rote Faden ist von daher tatsächlich Veränderung und Perspektivwechsel.

Du hast bereits im ersten Teil des Schwulen-Dramas „Freier Fall“ mitgespielt. Der zweite Teil soll nun durch Spenden, also Crowd-Funding, finanziert werden. Wie ist der Stand der Dinge?
Der Film ist immer noch in der Finanzierungsphase. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese wichtige Geschichte weitererzählen könnten und wie gesagt, wäre ich bei einem zweiten Teil auch wieder mit dabei. Ich habe meine Bereitschaft signalisiert und die Menschen dazu aufgerufen uns zu unterstützen. Mehr kann ich gerade nicht tun.

"Sense8" startet wieder: Max Riemelt im Interview
Foto: Jens Koch/Netflix