Sonntag, 07. Mai 2017, 19:53 Uhr

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview

Am 13. Mai ist es soweit: Die in London und Berlin lebende Sängerin Levina (eigentlich: Isabella „Levina“ Lueen) wird für Deutschland beim ESC antreten. Heute gab es die ersten Proben für ihren Barfuß-Auftritt in Kiew (siehe Fotos). Auf der Haben-Seite stehen ihre Mega-Stimme, positive Ausstrahlung und Endlos-Beine. Doch viele behaupten, dass es das Lied „Perfect Life“ (stammt aus der Feder von Lindy Robbins, die u.a. für Olly Murs und Jason Derulo geschrieben hat) sehr schwer haben wird.

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview
Foto: EBU/Andreas Putting

Wird Deutschland zum dritten Mal in Folge auf dem letzten Platz landen? Oder reicht es doch für das Siegertreppchen? Im Interview mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers erzählt die 26-Jährige mit rauchiger Sprechstimme von Karriere-Rückschlägen, Hoffnungen und dem Einfluss von Politik auf den diesjährigen Eurovision Song Contest.

Levina, mit deinen langen Beinen hättest du auch bei Germany’s Next Topmodel mitmachen können!
Ich habe tatsächlich in London gemodelt: für Fotoshootings, aber auch auf dem Catwalk der Fashionweek.

Aber das hast du aufgegeben?
Mir wurde es irgendwann zu viel, denn ich hatte ja auch noch meine Musik und mein Studium. Modeln ist auch relativ anstrengend für den Körper. Ich musste mir die Frage stellen, ob ich mich nun voll und ganz aufs Modeln konzentrieren will. Ich habe mich dann eindeutig für die Musik entschieden. Das Shooting für mein Albumcover hat aber echt Spaß gemacht. Insofern kann ich gerade beides ein wenig verbinden.

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Foto: EBU/Andreas Putting

Willst du beim ESC mit deinen langen Beinen punkten?
Ich werde schon etwas tragen, wo man sieht, dass ich relativ lange Beine habe. Wir werden eine tolle Bühnenshow haben. Simpel, aber cool und außergewöhnlich, so dass der Auftritt den Leuten in Erinnerung bleiben wird. Richtig extravagant oder gar kitschig soll es aber nicht werden. Ich werde mir auch keine Tänzer auf die Bühne holen.

Und wenn’s trotz tollem Auftritt doch nicht reicht?
Nun ja, ich kann nicht alles kontrollieren. Mir ist deshalb am Wichtigsten, dass ich einen Super-Auftritt hinlege und am Ende mit mir zufrieden bin, so dass ich mir die Performance noch in ein paar Jahren gerne auf YouTube anschaue. Denn ich bin auch sehr selbstkritisch.

Was hast du dir vorgenommen?
Im vorderen Drittel zu landen wäre schon schön!

Bist du der Typ für Lampenfieber?
Zum Glück nicht. Erst ein paar Minuten vor dem Auftritt werde ich nervös. Aber sobald ich dann auf der Bühne bin, kurz die Augen schließe, in mich gehe und mich konzentriere, kann ich das dann auch wirklich genießen. Aber wenn ich an die vielen Millionen Zuschauern vor den Fernsehgeräten denke, geht mir schon ein bisschen die Düse. Aber das verdränge ich jetzt mal.

Wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen sagtest, dass du Musikerin werden willst?
Sie standen immer hinter mir. Da habe ich wirklich Glück gehabt. Meine Mutter hatte allerdings ein bisschen Sorge, ob das alles auch so klappt. Ich denke, das ist ganz normal bei Eltern. Aber jetzt sind sie gerade ziemlich happy.

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview
Foto: EBU/Andreas Putting

Hast du auch immer an dich geglaubt?
Ich habe zumindest immer gedacht: Ich bin doch ganz gut, ich müsste das doch irgendwie hinkriegen mit der Musik. Denn wenn man nicht an sich glaubt, wird das auch nichts. Es ist nicht einfach, der eigenen Musik Gehör zu verschaffen und von ihr zu leben. Es gab immer wieder Leute, die mich gefragt haben: „Gut, du machst Musik – aber was machst du denn wirklich beruflich? Du brauchst doch was Sicheres!“ Aber für mich gab es nie einen Plan B. Deshalb trage ich auch ein „Plan A“ in Schreibschrift als Tattoo auf meinem Unterarm.

Warst du vorher schon mal kurz vorm Durchbruch?
Ich habe einiges erlebt mit meiner ehemaligen Band Miss Terry Blue in London. Es lief alles super, wir hatten einen „Battle Of The Bands“-Wettbewerb gewonnen und nahmen dann mit dem tollen Produzenten Matt Lawrence auf; der hat schon mit Adele und Mumford & Sons zusammengearbeitet und einen Grammy gewonnen. Doch als die Veröffentlichung der Platte anstand, hatte sich unser Management verkalkuliert. Am Ende ist die ganze Band auseinandergebröckelt; der Schlagzeuger ist zurück nach Italien gegangen und der Gitarrist nach Russland. Solche Rückschläge gibt es öfter. Dann muss man sich wieder neu aufraffen.

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview
Foto: EBU/Andreas Putting

Hat der Adele-Produzent dich trotzdem ermutigt?
Absolut. Gesanglich war ich damals noch eher wie Amy Winehouse unterwegs. Er war begeistert und sagte mir, ich solle mich nicht unterkriegen lassen. Wenn man das von Jemandem hört, der schon mit solch coolen Leuten zusammengearbeitet hat, ist das natürlich eine tolle Bestätigung.

Du warst in diesem Jahr beim Echo. Magst du Musikpreisverleihungen?
Ja, total. Ich war mit meinem Vater auch schon mal bei den Brit Awards. Ich hatte Tickets gewonnen bei einer englischen Radioshow. 2014 studierte ich noch Geografie. Ich habe meine Bachelor-Arbeit extra zwei Tage früher abgegeben, um entspannt mit ihm zu den Brit Awards gehen zu können. Und da haben mein Vater und ich den Pakt geschlossen, dass wir das nächste Mal zu den Brit Awards gehen, wenn ich unten an den Nominierten-Tischen sitze. Ich muss jetzt also ordentlich Gas gehen.

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview
Foto: EBU/Andreas Putting

Die Aufnahmen zu deinem Debüt „Unexpected“ mussten relativ schnell über die Bühne gehen. Hättest du dir dafür gerne mehr Zeit genommen?
Nein, ich finde es cool, so wie es ist. Es wurde nicht zu lange überlegt und gewartet, sondern einfach mal gemacht. Das ist etwas, was mir in der Vergangenheit oft gefehlt hat. Ich habe ewig an meiner EP gearbeitet, fand kein Ende, weil niemand da war, der gesagt hat, dass es nun auch mal gut ist. Und mein Plan ist ja eh, nach „Unexpected“ noch ein zweites Album aufzunehmen. Da kann ich mir dann mehr Zeit nehmen und einiges umsetzen, was wir diesmal noch nicht geschafft haben.

Im Text von „Perfect Life“ geht es darum, mutig zu sein und allen Hürden zum Trotz seine Träume zu leben. Trifft das auf dich zu?
Absolut. Ich hatte in Bezug auf die Musik wirklich viele Momente, wo ich Rückschläge einstecken musste. Aber das gehört dazu auf dem Weg zum „Perfect Life“. Dann motiviert man sich wieder, bis es irgendwann besser läuft. Ich bin sowieso ein sehr positiver Mensch. Das musste ich auch sein, um durch Phasen zu kommen, in denen es mir nicht gut ging. Denn die Zweifel und die Frage „Warum mache ich das alles?“ hat es natürlich auch immer mal wieder gegeben.

Bei den britischen Buchmachern ist „Perfect Life“ nicht so weit oben.
Mag sein. Aber was ich gut finde an dem Song ist, dass er anders ist. Denn es sind in diesem Jahr viele Balladen dabei. Ich denke, dass „Perfect Life“ da schon ein bisschen raussticht.

Plagiatsvorwürfe, das Lied würde wie „Titanium“ von David Guetta und Sia klingen, hat es auch gegeben.
Ich sehe nur in den ersten fünf Sekunden Ähnlichkeiten. Ansonsten ist es für mich ein völlig eigenständiger Song.

Wir leben in politischen Zeiten. Glaubst du, dass das in diesem Jahr beim ESC eine Rolle spielen wird?
Mit einem politischen Song ins Rennen zu gehen, ist natürlich gut. Wenn ich Zuhause in London selbst Songs schreibe, sind die auch manchmal unterschwellig politisch. Man hört dem Text das nicht sofort an, aber sie von Politik inspiriert. Gerade auch von den Entwicklungen, die derzeit auf der Welt passieren; dass der nationale Gedanke in Europa und Amerika wieder hochkommt. Das finde ich auch wichtig. Aber genauso wichtig finde ich, dass beim ESC positive Songs dabei sind. Es wäre doch ein Trauerspiel, würden die Länder in Kiew zusammenkommen und nur traurige Lieder über die politische Situation darbieten. Es braucht gerade in diesen Zeiten auch Lieder, die Stimmung machen und uns zusammen feiern lassen. Auf die Art kann man auch ein Zeichen setzen.

Levina probt hier für den ESC: Das aktuelle Interview
Foto: EBU/Andreas Putting

Machst du dir Sorgen, was nach dem ESC-Finale sein wird?
Nicht wirklich. Denn egal, was in Kiew passiert: Ich will danach nicht fallen gelassen werden. Ich will mich unbedingt durchsetzen!

Was sind deine Lieblings-ESC-Auftritte?
Die Performance von Stefan Raab mit „Wadde hadde dudde da?“ fand ich super lustig. Ich habe mir das kürzlich noch mal angeguckt, und es hat mich so zum Lachen gebracht – im positiven Sinne. Das war ein richtig gutes Stimmungslied. Die anderen Länder müssen allerdings gedacht haben: Was macht der da? Lena Meyer-Landrut muss ich nennen, weil ich ihren Auftritt damals mit Freunden in einem Londoner Pub geguckt und mit meinem Tipp auf sie 50 Euro gewonnen habe. „Satellite“ lief nach ihrem ESC-Sieg auch in London rauf und runter. An Conchita Wursts Auftritt hat mir gefallen, wie simpel sie da stand in ihrem Kleid und wie toll sie dann „Rise Like A Phoenix“ gesungen hat. Von den älteren Auftritten gefällt mir ABBA mit „Waterloo“. Die Bühne und die Klamotten – einfach herrlich.