Montag, 08. Mai 2017, 21:44 Uhr

Filmkritik "Das Ende ist erst der Anfang": Göttlicher Neo-Western

Zwei kleine Gangster erleben ihr blaues Wunder in diesem lakonischen Neo-Western mit göttlichem Einschlag. Ein stark gespieltes Drama mit originellen Charakteren.

Filmkritik "Das Ende ist erst der Anfang": Göttlicher Neo-Western
Foto: NFP

Tiefgrau ist der Himmel, wie leer gefegt die karge Landschaft. Eine Gegend zum Verzweifeln. Mittendrin zwei dubiose Typen in einem Pick-Up. Gilou (Bouli Lanners) und Cochise (Albert Dupontel) sollen für ihren Auftraggeber ein Handy mit sensiblen Inhalten finden. Die beiden düsteren Männer treffen auf verschlossen-aggressive Hinterwäldler, lernen ein junges, schutzloses Pärchen kennen, und zweifeln bald an ihrem Auftrag. Ein Mann, der sich Jesus nennt, kreuzt ihre Wege.

Dann erkrankt Gilou schwer, und Cochise verliebt sich in die einsame Clara (Suzanne Clément). Und dies ist erst der Anfang einer fast surreal anmutenden Geschichte, die sich um die großen Fragen von Liebe, Schuld und Vergebung dreht.

Dem belgischen Regisseur Bouli Lanners („Eldorado“) ist das Kunststück gelungen, einen spirituellen Neo-Western zu drehen, der mit einer ganzen Galerie skurrilen Gestalten aufwarten kann. Aber diese Figuren wirken nicht lächerlich, sondern sehr menschlich in ihrem Verlangen nach Sinn und Erlösung.

Da findet der ängstliche kleine Gangster Gilou, gespielt vom Regisseur, nach einer existenziellen Erfahrung einen neuen Lebenssinn. Einmal fragt er einen alten, gebrechlichen Pensionsbesitzer (Michael Lonsdale), warum dieser sich so viel Mühe mit seinen Pflanzen mache und bekommt die Antwort: „Weil das Leben mehr ist als einfach zu atmen“.

Filmkritik "Das Ende ist erst der Anfang": Göttlicher Neo-Western
Foto: NFP

Nach diesem Mehrwert, der für alle Kreaturen gilt, forscht dieses lakonische Drama auf bewundernswert intensive und dennoch unterhaltsame Art und Weise. Da hält dann Max von Sydow als gebrechlicher Priester eine anrührenden Grabrede auf einen längst mumifizierten Leichnam, und Jesus überredet einen Flüchtenden, die Pistole abzulegen.

Es gibt immer einen Grund für das Leben und gegen den Tod. Dies ist die gute Botschaft dieses mutigen Films. Da lichtet sich dann sogar das graue Firmament ein wenig und lässt etwas Licht erahnen. (Johannes von der Gathen, dpa)

Filmkritik "Das Ende ist erst der Anfang": Göttlicher Neo-Western
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Das Ende ist erst der Anfang, Belgien 2016, 93 Min., FSK o.A., von Bouli Lanners, mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Philippe Rebbot