Dienstag, 09. Mai 2017, 21:20 Uhr

Filmkritik "Überflieger": Krähen-Mafia, vernetzte Tauben und ein Spatz

Mafiöse Krähen, vernetzte Tauben – und ein Spatz, der glaubt, er wäre ein Storch: Die Welt der Vögel kann ganz schön schräg sein! Der Kindertrickfilm „Überflieger“ feiert einen kleinen Helden mit großen Überzeugungen.

Filmkritik "Überflieger": Krähen-Mafia, vernetzte Tauben und ein Spatz
Foto: Wilbunch

Je kleiner der Held, desto größer die Welt: Dieses klassische Kinderfilmrezept schmeckt nach Abenteuern. Das gilt auch für den sommerlichen Trickfilm „Überflieger: Kleine Vögel – großes Geklapper“. Darin ist der kleine Spatz Richard (gesprochen von Kinderdarsteller Tilman Döbler) von Geburt an zu Großem bestimmt. Schließlich wächst der Waisenvogel bei einer Storchenfamilie auf – und glaubt natürlich, dass er dazu gehört!

Gemeinsam mit seinem „Storchenbruder“ Max erkundet Richard den Wald. Doch dann kommt der Herbst. Und seine Familie zieht zum Überwintern gen Süden – ohne ihn! Schließlich kann ein Spatz unmöglich die weite Strecke nach Afrika überwinden.

Richard aber will das Gegenteil beweisen. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden, der Zwergeule Olga (Stimme von Nicolette Krebitz) und dem Wellensittich Kiki (Christian Gaul), begibt er sich auf eine Reise, die viele Überraschungen parat hält. Auch deshalb, weil Olga, die wunderliche Beschützerin des Helden, davon überzeugt ist, dass sie sich stets in Begleitung ihres Freundes Oleg befindet. Den aber gibt es nur in ihrer Fantasie. Kiki träumt derweil davon, an einem Gesangswettbewerb teilzunehmen und Disko-Popstar zu werden. So gerät das Trio immer wieder auf Abwege.

Mit Bus, Bahn und Fähre gelangen Richard, Olga und Kiki über San Remo bis nach Tanger und in die Wüste. Und das, obwohl sie in Italien an ein paar Mafiosi-Krähen geraten! Doch sie finden auch viel Hilfe, etwa durch eine Reihe von „Internet-Tauben“, die ihnen wichtige Hinweise geben, weil sie auf Oberleitungen sitzen und deshalb im Netz surfen können.

Filmkritik "Überflieger": Krähen-Mafia, vernetzte Tauben und ein Spatz
Foto: Wilbunch

Diese Online-Vögel zwitschern sich durch die sozialen Medien und geben dabei für Apps oder Computer typische Geräusche von sich – ob Späße wie dieser eher etwas gewollt und albern oder wirklich witzig auf (kleine) Zuschauer wirken – daran dürften sich die Geister vermutlich scheiden.

Insgesamt aber zeigt der Film „Überflieger“, der bei der diesjährigen Berlinale seine Premiere gefeiert hat, trotz einiger klischeehafter Ideen eine zauberhaft animierte Trickfigurenwelt. Besonders liebenswert gelingt dem Team um das Regie-Duo Toby Genkel und Reza Memari neben dem kleinen Spatzen Richard auch die Figur der Zwergeule Olga, die als Gegenpart zu dem kleinen Helden viel zu groß für ihre Art geraten ist und es deshalb ebenso schwer hat, sich in der Welt zurecht zu finden.

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Foto: Wilbunch

Gemeinsam aber schaffen es die Freunde. Vor allem deshalb ist „Überflieger“ ein schöner Film für kleine wie große Zuschauer geworden: Denn die verrückten Vögel lernen, dass nichts wichtiger ist, als in der Familie und im Freundeskreis zusammenzuhalten. (Franziska Bossy, dpa)

Überflieger: Kleine Vögel – großes Geklapper, Deutschland/Belgien/Luxemburg/Norwegen 2016, 84 Min., FSK ab 0, von Toby Genkel und Reza Memari, mit den Stimmen von Tilman Döbler und Nicolette Krebitz

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Foto: Wilbunch