Samstag, 13. Mai 2017, 18:00 Uhr

Geheimnis dieses Liebesschlosses von Paris noch nicht gelüftet

Aus Sicherheitsgründen ließ die Stadt Paris 2015 alle Liebesschlösser an der berühmten Seine-Brücke Pont des Arts entfernen. Ein Paar hat einige der metallenen Liebesschwüre gerettet – darunter eins, das die Fantasie ganz besonders anregt.

Nur vereinzelt sind heute noch Liebesschlösser an der berühmten Seinebrücke Pont des Arts zu sehen. Noch vor zwei Jahren war das Geländer der Holzbrücke voller Vorhängeschlössern, zigtausende Paare bekundeten so symbolisch ihre Liebe. Nachdem ein Brückengeländer unter der Last einbrach, machte die Stadt kurzen Prozess mit den Schlössern. Doch ein Pariser Paar wollte diese Entscheidung nicht einfach akzeptieren

Phileas und Amina beschlossen, wenigstens ein paar der Liebesschlösser vor dem Abtransport zu bewahren. 800 Stück retteten sie – und suchten online nach den Besitzern. „Wir kamen zufällig an die Aufgabe“, erzählt Phileas. Zwei Chinesen hätten sich vor drei Jahren bei ihnen gemeldet. „Das Paar hatte gehört, dass alle Schlösser an der Pont des Arts entfernt werden sollten“, sagt Amina. Sie und Phileas stellen Schmuck aus alten Schlüsseln her: „Im Internet müssen sie auf unseren Schmuck gestoßen sein und dachten, wir könnten ihnen dabei helfen ihr Schloss zu bewahren.“

Phileas machte sich kurz darauf auf die Suche. „Ihr Schloss unter einer Million anderer zu finden war jedoch unmöglich“, erzählt er. „Ich dachte mir dann aber: Wenn dieses Paar sein Schloss retten möchte, wollen andere das auch.“ Einmal pro Woche ging er zur Brücke und versuchte, Schlösser mit alten Schlüsseln zu öffnen. Seine Funde veröffentlichte er im Internet (siehe auch Video unten).

Darunter entdeckten sie später auch ein Schloss, das ganz besonders die Fantasie anregt. Es ist bronzefarben, herzförmig und trägt die Inschrift: „Michelle & Barack – Love Forever“, in geschwungenen Lettern. Haben etwa auch der frühere US-Präsident und seine Frau in Paris ihre Liebe verewigt? Phileas jedenfalls will glauben, dass es keine Fälschung oder Zufall ist. „Es ist gut möglich, dass die Obamas selbst das Schloss angekettet haben“, meint er. Auf der Rückseite steht „20 years“ und „2009“. „Alles passt! 2009 waren die beiden in Paris. 20 Jahre zuvor, 1989 wurden sie ein Paar.“ Phileas sagt: „Sie sind ein tolles Beispiel für die Kraft der Liebe.“ Obamas Büro äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Frage, ob das berühmte Paar tatsächlich hinter dem Schloss stecken könnte.

Sollten sich falsche Besitzer melden, haben die Schloss-Retter einen Trick, um sie zu entlarven: „Wir verschweigen die Gravur an der Seite des Schlosses absichtlich. So können uns nur die wahren Besitzer sagen, was dort steht“, erzählt Amina.

Seit das Paar seine Rettungs-Mission öffentlich gemacht hat, sind mehr als 200 Suchaufträge von Paaren aus der ganzen Welt bei ihnen eingegangen. „Manche wollen die Schlösser zu ihrer Hochzeit wieder haben. Ein Mann wollte das Schloss nach dem Tod seiner Frau als Andenken“, erzählt Phileas. Die Chancen eines Treffers sind natürlich verschwindend gering. Zumindest ein australisches Paar konnte als Schlossbesitzer identifiziert werden.

„Wir verstehen, dass die vielen Schlösser der Brücke schaden“, sagt Amina. „Aber wir wollen den Paaren, die ihre Liebe mit diesem Symbol verewigt haben, Respekt zeigen.“

Die von ihnen geretteten Schlösser sind nur ein Bruchteil der Masse, die die Stadt 2015 abmontiert hat. Der Rest liegt seitdem in Lagern – einen kleinen Teil versteigert die Stadt an diesem Samstag zugunsten der Flüchtlingshilfe. 150 künstlerisch aufbereitete Schloss-Bündel kommen unter den Hammer, aber auch mehrere ganze Geländer-Elemente voller Vorhängeschlössern. (Nadine Benedix, dpa)