Donnerstag, 18. Mai 2017, 17:22 Uhr

ESC-Sieger Salvador Sobral: Scharfe Schweden-Attacke

Der portugiesische ESC-Gewinner Salvador Sobral erregte bei dem Wettbewerb in Kiew bekanntlich nicht nur mit seinem sehr reduzierten, gefühlvollen Song ,Amar pelos dois’ Aufmerksamkeit. Auch seine Siegerrede am Samstagabend (13. Mai) blieb hängen, weil er damit auf eine Art mit dem Eurovision Song Contest „abrechnete“.

ESC-Sieger Salvador Sobral: Scharfe Schweden-Attacke
Foto: Thomas Hanses

Er erklärte nämlich: „Wir leben in einer Welt völlig austauschbarer Musik – Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt.“ Und: „Musik ist nicht Feuerwerk, sondern Gefühl.“ Diese Worte scheinen dem schwedischen ESC-Teilnehmer Robin Bengtsson, der mit seinem Pop-Song ‚I Can’t Go On’ immerhin den fünften Platz machte, so gar nicht gefallen zu haben. Besonders der Begriff „Fast Food“-Musik scheint dem Herren, der bei seinem Auftritt auch als Dressman hätte durchgehen können, bitter aufzustoßen. Daher ließ er Salvador Sobral am Dienstag via Instagram wissen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg, ich mag dein Lied und die Art und Weise, wie du singst, aber die Rede nach dem Gewinn des ESC war eines echten Siegers unwürdig.“

Eine sehr scharfe Kritik aber es geht noch weiter: „,Fast Food’-Popmusik kann am richtigen Ort und zur richtigen Zeit das Beste auf der Welt sein, genauso wie ein so schönes Lied wie deins. Es gibt genug Platz für alle.“ Oha. Da scheint ja jemand stark gekränkt zu sein.

ESC-Sieger Salvador Sobral: Scharfe Schweden-Attacke
Foto: Andres Putting

Kein Wunder, Robin Bengtsson erfüllte mit seinem Beitrag und mit seiner Performance wirklich alles, was man so schön auch als „Bubblegum-Pop“ bezeichnen kann. Der attraktive Herr mit perfektem Styling hatte die Ausstrahlung eines Anzug-Models, konnte aber auch gut und gerne als Versicherungsvertreter oder James-Bond-Darsteller durchgehen. Sein Song ‚I Can’t Go On’ handelte von der Anziehungskraft zwischen Mann und Frau (was auch sonst?!), einem Thema also, das nicht nur nicht neu, sondern auch schon milliardenfach abgedroschen ist.

Texttechnisch wurde es auch nicht gerade sehr tiefgründig rübergebracht, wenn man allein den Chorus betrachtet, der da lautet: „I can’t go on when you look this freakin’ beautiful.“ Stimmlich gesehen – und das könnte den ein oder anderen vielleicht brutal treffen – hatte der gut aussehende Herr dann leider leider (einschließlich einiger „versemmelter“ Töne) auch nicht wirklich viel zu bieten, so dass es allein das Aussehen und die Performance „herausholen“ mussten.

Da zeigte der Schwede dann auch eine perfekt einstudierte Choreographie mit vier Tänzern, die sich mit ihm zusammen synchron auf Laufbändern bewegten. Auf eine solche große Inszenierung verzichtete Salvador Sobral dagegen völlig. Auch aussehenstechnisch kann er nicht unbedingt als Model bezeichnet werden aber darum sollte es doch beim Eurovision SONG Contest auch gar nicht gehen. Warum heißt er denn „Song“-Contest und nicht „Show“-Contest? Weil eben – wie es der portugiesische Gewinner so treffend ausdrückte – der SONG und nicht irgendwelche großen Lichter oder Kleider oder lustige Figuren auf der Bühne eine Rolle spielen sollten.

„Back to the roots“ wäre auch für den ESC angesagt. Die Qualität eines Songs zeigt sich nämlich erst dann, wenn er pur, ohne irgendwelchen „Firlefanz“ dargebracht wird. Alles andere kann jeder und ist nicht wirklich eine Leistung. Für seinen Instagram-Post bekam Robin Bengtsson jedenfalls Zustimmung wie auch Ablehnung. Salvador Sobral hat bisher noch keinen Kommentar dazu abgegeben… (CS)