Sonntag, 28. Mai 2017, 20:15 Uhr

Rocklegenden: Foreigner im Interview

„JukeBox Hero“, „Cold As Ice“, „Urgent“, „Waiting For A Girl Like Me“ – die Classic-Rock-Heroen Foreigner haben unzählige Welthits, auf die sie für ihr 40. Bandjubiläum zurückblicken können. Zu hören sind diese auf ihrem gerade erschienenen Best-Of-Album „40“. Oder auf Deutschlandtour mit ihrem stimmgewaltigen Sänger Kelly Hansen.

Rocklegenden: Foreigner im Interview
Mick Jones und Kelly Hansen. Foto: George Chin/IconicPix/WENN.com

Bandgründer Mick Jones sprach mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers über seine Zeit mit den Beatles, Foreigners größten Hit – und seinen Stiefsohn Mark Ronson.

Mick, was hat dich dazu bewogen, Musiker zu werden?
Die unglaublichen zehn Tage, die ich 1964 mit den Beatles in Paris verbracht habe. Das hat mein Leben für immer verändert. Eine Band auf der Bühne zu sehen, die solch eine Magie kreieren kann, indem sie einfach nur dasteht, ihre Gitarren bearbeitet und diese fantastischen Songs spielt, hat mich komplett umgehauen. Ich war damals 19 und einfach nur ihr größter Fan. Manchmal guckte ich ihnen bei den Konzerten von der Seitenbühne zu und weinte vor Freude und Glück. Später gründete ich Foreigner. Der Rest ist Geschichte.

Erinnerst du dich an den ersten Foreigner-Gig?
Klar, das war an der American University in Washington, D.C. Es war nachmittags, und wir waren alle sehr nervös. Wir hatten erst einige Monate davor unser erstes Album rausgebracht. Viele der Anwesenden hatten noch nie von uns gehört. Es war trotzdem fantastisch, weil wir uns ein Leben lang darauf vorbereitet hatten – so fühlte es sich zumindest an. Das Album wurde langsam erfolgreicher. So eine magische Zeit erlebt man als Band nur einmal.

Warst du unglücklich verliebt, als du deinen größten Hit „I Wanna Know What Love Is“ geschrieben hast?
Im Gegenteil, auch wenn das viele vermuten! Das war 1984 in London. Ich war frisch verheiratet. Letztendlich beinhaltet das Lied alle Arten von Liebe: Ob das spirituelle oder universelle Liebe ist, Nächstenliebe oder romantische Liebe. Über die Jahre ist es ein Song des Friedens geworden und wurde auf entsprechenden Events eingesetzt. Insofern ist er aktueller denn je.

Dein Stiefsohn ist der erfolgreiche Produzent und Musiker Mark Ronson. Hast du ihm das Talent weitergereicht?
Er hat definitiv einige Einflüsse wie z.B. die Beatles von mir übernommen, als er aufwuchs. Er war immer schon interessiert an Musik und dem, was ich machte. Er hatte diese Neugier bezüglich Bands und Künstlern. Er ist einfach gesegnet mit Talent. Außerdem ist er ein guter, anständiger Typ – der Erfolg ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Ich bin sehr stolz, ihn meinen Sohn, bzw. meinen Stiefsohn nennen zu können.

Hast du auch schon mal zu seinem Hit „Uptown Funk“ getanzt?
Na, klar. Einige Male. Das ist der beste Song überhaupt zum Tanzen. Bevorzugt mache ich das im Badezimmer. Ich tanze dann gerne in der Dusche und singe dabei.

Im englischsprachigen Wikipedia gibt es eine Grafik, die zeigt, wie viele Dutzende Wechsel an Bandmitgliedern Foreigner in der 40-jährigen Geschichte durchlaufen haben. Du bist immer noch dabei. Wie ist dir das gelungen?
Ich bin nun mal härter als alle anderen! Nein, im Ernst. Ich hatte eine Vision, als ich die Band gründete, und egal, ob Musiker uns verlassen haben, der Ruhm uns verführt hat oder der Erfolg ausblieb: Ich habe es ertragen. Die Basis stimmte immer, und da gibt es diesen besonderen Spirit, der Foreigner ausmacht. Und natürlich hilft es durch schwierige Zeiten, wenn man als Band einen hervorragenden Backkatalog an Songs hat.

Wann war es die Hölle?
Anfang des Millenniums – da mussten wir uns als Band echt zurückkämpfen. Foreigner hatten ihr Prestige verloren. 2003 verabschiedete sich dann auch noch Lou Gramm, unser Leadsänger, im Streit. Es brauchte einen frischen Start! Die Band, wie wir sie jetzt kennen, gib es seit zwölf Jahren. Das ist länger als die meisten Karrieren anderer Künstler heutzutage dauern.

Kelly Hansen als neuen Sänger gefunden zu haben, muss das wichtigste Puzzle-Stück dabei gewesen sein.
Absolut. Ich hatte so viele Leute zum Vorsingen eingeladen und war der Sache langsam überdrüssig. Kelly schickte mir Aufnahmen, auf denen er zu Karaoke-Versionen von Foreigner-Hits sang. Ich hörte den Anfang von „Waiting For A Girl Like You“ und „Hot Blooded“ und wusste sofort: Das ist der Typ! Die Suche hat ein Ende.

Wenn ihr bei eurem Konzert in München auf Aerosmith trefft, könnte es allerdings zu Verwechslungen zwischen Kelly Hansen und Aerosmith-Sänger Steven Tyler kommen, oder?
Es wird sogar behauptet, dass die zwei eine Person ist! Optisch mag das zutreffen. Aber stimmlich sind die beiden sehr unterschiedlich. Kelly ist außerdem jünger und hat einen eigenen Stil, was seine Performance angeht. Der großartige Steven Tyler ist sogar noch länger Frontmann von Aerosmith wie ich mit Foreigner unterwegs bin.

Es gibt das Gerücht, dass Lou Gramm Foreigner auf der Jubiläumstour begleiten wird. Was ist da dran?
Er wird in Amerika bei der einen oder anderen Show vorbeikommen und ein bisschen mit uns singen. Nur einige Songs, nicht die ganze Show. Auch einige andere Bandmitglieder von früher haben wir zu uns auf die Bühne eingeladen.

Rocklegenden: Foreigner im Interview
Foto: Warner Music

Aber Gramm und du waren doch bitterböse zerstritten. Wann habt ihr die Friedenspfeife geraucht?
Als wir 2013 zusammen in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen wurden. Seitdem reden wir wieder miteinander. Es ist viel entspannter so. Der Tag war für uns beide eine große Sache. Billy Joel hielt die Laudatio. Die Anerkennung als Songwriter bedeutet mir jedenfalls mehr als die Aufnahme in die Rock And Roll Hall of Fame.

Album: Foreigner „40 – 40 Hits From 40 Years“ (Rhino Atlantic/Warner)

Foreigner: 40th-Anniversary-Tour:
28.5. Berlin, Tempodrom
29.5. Dresden, Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde
30.5. Leipzig, Parkbühne Clara Zetkin Park
02.6. Rostock, Hanse-Messe Rostock
03.6. Hamburg, mehr! Theater am Großmarkt
04.6. Ritterhude, Hamme Forum
06.6. Stuttgart, Liederhalle Beethovensaal
07.6. Salem, Schloß Salem