Montag, 05. Juni 2017, 19:06 Uhr

Bill Cosby: Strafprozess hat begonnen

Rund zwei Wochen wird der Prozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby dauern. Aussagen selbst will der einstige Star-Comedian nicht.

Bill Cosby:  Strafprozess hat begonnen
Cosby auf dem Weg zum Gericht. Foto: Matt Rourke

Nach Dutzenden Vorwürfen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegen Bill Cosby hat in Norristown im US-Staat Pennsylvania heute der erste Strafprozess gegen den Schauspieler und Entertainer begonnen. Cosby erschien  im dunklen Anzug mit Gehstock und ging lächelnd langsamen Schrittes zum Eingang des Gerichtsgebäudes. Dabei hakte er sich bei einem Assistenten sowie Keisha Knight Pulliam unter, seiner fiktiven Tochter Rudy aus der TV-Sitcom „Die Bill Cosby Show“, die in den 1980er und 90er Jahren Millionen Fans in den USA und auch in Deutschland verfolgten.

In dem zwei bis drei Wochen dauernden Verfahren geht es um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer ehemaligen Universitätsangestellten. Die Geschworenen-Jury besteht aus sieben Männern und fünf Frauen. Bei einer Verurteilung drohen dem 79-Jährigen mehrere Jahre Gefängnis. Cosby selbst hatte angekündigt, nicht auszusagen. Insgesamt werfen ihm mindestens 60 Frauen sexuellen Missbrauch vor, diese Vorwürfe sind aber nicht Gegenstand des laufenden Verfahrens.

„Vertrauen, Verrat und die Unfähigkeit, zuzustimmen – darum geht es in diesem Fall“, sagte Staatsanwältin Kristen Feden in ihrem Eröffnungsplädoyer. „Dieser Fall handelt von einem Mann, der seine Macht, seinen Ruhm und seine zuvor geübten Methoden benutzte, um eine junge Frau in einen handlungsunfähigen Zustand zu versetzen, damit er sich sexuell vergnügen kann.“ Cosby, der eigener Aussage zufolge blind ist, saß zwischen seinen Verteidigern und hörte aufmerksam zu. Richter Steven O’Neill hatte die Jury zuvor belehrt und verdeutlicht, dass Cosby als unschuldig gelte, bis das Gegenteil bewiesen sei.

Zweifel an Cosbys Unschuld und seinen Übergriffen auf Constand gibt es aus Sicht der Staatsanwaltschaft kaum. „Es gibt keinen Zweifel, dass er ihr eine Pille gab. Es gibt keinen Zweifel, dass er mit ihr sexuellen Kontakt vornahm, nachdem sie diese Pille einnahm“, sagt Staatsanwältin Kristen Feden. Sie zeichnet das Bild eines mächtigen TV-Stars, der seinen Einfluss und seine Berühmtheit an der Temple Universität ausnutzte, um sich an Frauen zu vergreifen. „An der Temple war Bill Cosby eine Legende“, sagt Feden. Und auch Constand habe zu ihm aufgeschaut, dem mehr als 30 Jahre älteren, erfahrenen Mann. „Sie glaubte an eine ehrliche Freundschaft, eine ehrliche Vorbildfigur, aber sie irrte sich.“

Bis ins kleinste Detail dürften Feden und ihr Kollege Kevin Steele im Lauf der nächsten zwei bis drei Wochen ausführen, was sich an jenem Abend im Januar 2004 in Bill Cosbys Haus abgespielt haben soll. „Nachdem Andrea diese Tabletten nahm, wurde ihr schwindelig und übel. Er half ihr zur Couch, legte sie hin. Während sie das Bewusstsein verlor und wiedererlange, wurde sie Zeuge, wie ihr Körper für seine sexuelle Befriedigung benutzt wurde.“

Cosbys Verteidiger Brian McMonagle versucht nach diesem emotionalen Eröffnungsplädoyer, die Jury kumpelhaft auf seine Seite zu ziehen. „Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber…“, beginnt er sein Plädoyer. Wen sie in Bill Cosby sehen würden? „Möglicherweise sehen Sie einen brillanten Comedian, der uns zu Zeiten in unserem Leben lächeln ließ, als es vielleicht schwierig war, zu lächeln. Jemand, der das Größte erreicht hat und jemand, der eine nicht auszuhaltende persönliche Tragödie erlitten hat.“ McMonagle erinnert daran, dass viele von Constands Aussagen bei der Polizei widersprüchlich gewesen seien, dass sie Details ausgelassen und später ergänzt habe.(dpa)