Montag, 12. Juni 2017, 21:02 Uhr

Filmkritik "Wonder Woman": Eine naive Amazone im Weltkrieg

Der mit Spannung erwartete Film „Wonder Woman“ startet am 15. Juni 2017 in den deutschen Kinos. In den USA ist er momentan Platz 1, wird vielerorts bejubelt, unsere geschulte Film-Kritikerin sieht das etwas differenzierter.

Filmkritik "Wonder Woman": Eine naive Amazone im Weltkrieg
Foto: Clay Enos/ TM & © DC Comics

Die offenherzige Diana (Gal Gadot, 32, „Fast ans Furious 6 und 7“) stammt von Themyscira, einer geschützte Insel, auf der ausschließlich Amazonen leben. Wehrhafte Frauen, die ständig trainieren. Diana ist das einzige Kind auf der Insel, gemacht aus Lehm – woraus auch sonst. Von ihrer Tante Antiope (Robin Wright, 51, „Die Braut des Prinzen“, „Das Versprechen“) lernt das Mädchen mit Schwert und Bogen umzugehen. Das Glück der Insel wird eines Tages erschüttert, als der amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine, 36, „Into the Wood“, „Star Trek Beyond“) den Schutzschild der Insel durchbricht.

Die Bruchlandung hat für alle Bewohnerinnen Konsequenzen, denn Steve Trevor wurde verfolgt. Die Verfolgen durchbrechen ebenfalls den Schutzschild und bald darauf sind viele Amazonen tot. Gegen Gewehre habe sie nur begrenzt eine Chance, sich zu wehren.

Außerhalb des paradiesischen Eilands tobt der 1. Weltkrieg. Diana vermutet, dass dahinter das Wirken des Kriegsgottes Ares steckt. Wenn Ares geschlagen wird, dann werden auch alle Menschen ihren Frieden finden. So naiv machen sich Diana und Steve also auf den Weg. In einem Segelboot schippern sie nach London. Für Steve ist es schwer, den Schwarz-Weiß-Vorstellungen von Diana – die immer noch glaubt, aus Lehm gemacht worden zu sein, ein paar hässliche Grautöne zu mischen.

Der Krieg ist voller versteckter Winkelzüge, die in Hinterzimmern von alten Männern ausbaldowert werden. In der grausamen Realität verstecken sich Soldaten in Gräben voreinander, keiner traut sich natürlich, nur den Kopf zu heben, denn das Niemandsland wird von Scharf- und Heckenschützen kontrolliert.

Filmkritik "Wonder Woman": Eine naive Amazone im Weltkrieg
Foto: Clay Enos/ TM & © DC Comics

Keiner traut sich, außer die tapfere Wonder Woman. Diana startet den Angriff gegen die Deutschen, geht aus der Deckung und wendet somit die Kriegswende ein. Das kann man spannend finden oder auch nicht.

„Wonder Woman“ ist der erste große Studio-Superheldenfilm, der von einer Frau (Regie: Patty Jenkins) inszeniert wurde.

Fazit: Giftgaseinsätze, der 1. Weltkrieg und eine verliebte Super-Amazone in knappem Lederstreifenröckchen – das ergibt Bauchschmerzen. Dann lieber eine sauber recherchierte Doku aus der Arte-Mediathek. (AB)

Filmkritik "Wonder Woman": Eine naive Amazone im Weltkrieg
Foto: Clay Enos/ TM & © DC Comics
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Foto: Clay Enos/ TM & © DC Comics