Sonntag, 18. Juni 2017, 18:30 Uhr

Texas: Sharleen Spiteri über Berühmtsein bei Youtube und alte Gerüchte

Texas sind Kult. Ihre Songs „Summer Son“, „Inner Smile“ oder auch „I Don’t Want A Lover“ sind unvergessen. Erst letzte Woche traten sie gemeinsam mit Annie Lennox vor Barack Obama auf. Seit fast drei Jahrzehnten treiben Sharleen Spiteri und ihre Jungs in der Musikwelt ihr Unwesen. Müdigkeitserscheinungen? Auf keinen Fall. Mit „Jump On Board“ wollen sie es noch einmal wissen und die Welt ein Stückchen besser machen. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit Texas zum Talk getroffen.

Texas: Sharleen Spiteri über Berühmtsein bei Youtube und alte Gerüchte
Foto: Rocky/WENN.com

Ihr habt mit „Jump on Board“ ein neues Album am Start …
Genau, wir wollten ein positives Album machen, das den Hörer mitreißt und mit einem guten Gefühl zurücklässt. Man soll die Musik hören und das echte Leben für einen kurzen Moment vergessen. Klar, am Ende des Tages machst du als Musiker ein Album für sich selbst und kreierst diese Musik, die du magst, die in dir das Gefühl erweckt, dass du spüren möchtest.

Das klingt ein bisschen so, als würdet ihr mit euer Musik etwas gegen die aktuelle Depression in der Welt unternehmen wollen …
Das kann man wirklich so sagen. Momentan steckt die Welt in einer harten Zeit, in der es viel Hass gibt. Die Politik ist momentan eine Katastrophe und das weltweit. Es gibt so viele Brandherde derzeit, da möchte man sich echt fragen, wie das sein kann, dass wir Menschen uns gegenseitig so behandeln und wo in vielen Fällen das Fünkchen Menschlichkeit bleibt, das uns eigentlich zusammenhalten sollte. Wenn man die Nachrichten anmacht, dann jagt ja eine furchtbare Nachricht die nächste. Unser Album soll diese düstere Situation erleuchten.

Mit „Tell that Girl“ habt ihr jetzt die zweite Single aus dem Album ausgekoppelt. Worum geht’s da?
Ich verrate nie wovon Singles handeln. Das hat damit zu tun, dass wenn ich jetzt würde der und der Song handelt von meiner Freundin X oder meinem Lover. Das hilft einem dann auch nicht weiter und man denkt sich nur: „Ich habe keine Ahnung wer deine Freundin und wer dein Lover ist“. Das Gute an Musik ist, dass sie bei jedem etwas anderes weckt oder sie jeder mit etwas anderem verbindet. Dadurch kann sie Grenzen überwinden und Menschen zusammenführen.

Vor zwei Jahren hattet ihr mit Texas‘ 25-jähriges Bandbestehen und habt dem zu Ehren eure größten Hits nochmal neu aufgenommen, habt euch da quasi selbst gecovert. Das muss für euch ja echt ein krasser Unterschied gewesen sein.
Ja, eigentlich wollten wir gar nichts machen, aber alle meinten: „Ihr müsst“. Wir hatten aber auch keine Lust einfach stumpf ein Best-of-Album rauszubringen, auf dem nur das Cover anders ist. Wir haben uns dann dazu entschlossen unsere Songs neu aufzunehmen und aus einer heutigen Perspektive zu beleuchten. Immerhin ist das ja wirklich eine tolle Sache, dass wir nach der ganzen Zeit noch zusammen Musik machen können. Wir haben dann alle Songs so aufgenommen, als wäre es ein Album und nicht Songs aus unterschiedlichen Jahren. Das kam gut an. Wir hatten eine ausverkaufte Welttour. Diese Positivität hat uns dazu inspiriert ein neues Album zu machen.

Texas: Sharleen Spiteri über Berühmtsein bei Youtube und alte Gerüchte
Sharleen mit Dennis. Foto: klatsch-tratsch.de

Fühlt man sich nach so einer langen Zeit im Musik-Biz nicht umso mehr unter Druck gesetzt, wenn man ein neues Album macht?
Nein, eigentlich gar nicht. Selbst die Plattenfirmen lassen einen komplett in Ruhe. Mittlerweile ist man als Künstler auch gar nicht mehr so abhängig von Labels, die einem reinquatschen. Um ehrlich zu sein hatten wir das Album fertig und unsere Plattenfirma hat es so gekauft. Die wollten es so haben, wie es ist. Wenn man als Band schon so lange im Business ist und so viele Platten verkauft hat, dann wird man eigentlich auch in Ruhe gelassen und das gibt einem den Freiraum dich zu entfalten.

Einer, eurer größten Hits war „Inner Smiley“. Im Video dazu bist du als Elvis verkleidet. Online kann man lesen, dass viele es feiern – aber nicht verstehen warum du da als Elvis unterwegs bist.
Ja, das war quasi eine Schnapsidee. Wir waren mit dem Team im Pub einen trinken und da kam diese Idee zustande. Ich wollte einfach etwas Neues machen. Etwas, dass die Leute überrascht und da meinte mein Kumpel: „Shan, du solltest Elvis sein“. Ich war zwar sehr betrunken aber die Idee zum Video war geboren. Lustig war, dass Frauen es geliebt haben aber Hetero-Männer haben es gehasst.

Ernsthaft?
Ja, viele Männer fanden, dass ich zu sehr nach Mann darin aussah. Aber die Frauen haben es gefeiert. Ganz nach dem Motto „OMG, du hast von allen den Kopf gefickt!“ Mich hat aber diese Ablehnung von den britischen Männern schon etwas überrascht. Ich dachte mir:“ Ich bin allgemein nicht dieses hübsche Püppchen, sondern eher eine androgyne Frau. Aber diese homophoben Kommentare könnt ihr euch sonst wohin stecken. Wo ist denn euer Problem?!“

Du bist durch deinen Look häufiger zu einer der sexiesten Frauen gewählt worden. Vor allem von Frauen …
Das ist tatsächlich ein Kompliment. Ich denke aber auch, dass es sagt, dass ich von Frauen als besonders tough wahrgenommen werde. Mich freut es, da ich das nicht auf dem Konventionellen Weg mache oder versuche etwas darzustellen, das ich nicht bin. Für mich persönlich sind eher Dinge sexy wie beispielsweise Augen oder innere Stärke. Ganz häufig Dinge, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Vorstellung ist eine große Sache und mit der spiele ich gerne.

Du hast die Vorstellung von vielen Leuten schon immer sehr beflügelt. Es gab ja immer die Gerüchte, dass du in Wahrheit lesbisch bist …
Ja, diese Gerüchte und dieses rätseln gibt es schon seit Beginn meiner Karriere. Es hat mich zwar nie wirklich genervt, aber es sagt viel über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Ich hatte immer kurze Haare, habe mich eher wie ein Junge gekleidet und mein Privatleben habe ich den Leuten auch nicht so unter die Nase gerieben. Ich fand das schreiend komisch und denke mir, dass das mehr über für Leute, als über mich aussagt.

Hast du das Gefühl, dass es durch Social Media, Handykameras und ähnlichem schwerer geworden ist als Künstler sein Privatleben tatsächlich privat zu halten?
Nein, ich denke es ist sogar einfacher geworden. Wenn man eine kleine Rampensau ist und gerne mit seinem Leben prahlt und gerne Bilder von seinem Essen macht, dann kann man das schon machen. Es ist heute unglaublich einfach berühmt sein und das tatsächlich für jeden Scheiss. Wofür bist du denn berühmt? Für Millionen von Followern? Dafür bist du berühmt? Ich persönlich habe gar nicht das Verlangen berühmt zu sein. Was ich aber sagen kann ist, dass, wenn ich Mal gestorben bin, meine Platten und Songs für immer da sein werden. Aber deine YouTube-Klicks? … Da möchte ich dann immer fragen: Was kannst du mir zeigen, dass du für die Ewigkeit geschaffen hast, außer dem Chaos? Das muss ich denen schon lassen- und der Kreation einer Generation, die sich anders betrachtet. Tendenziell eher negativer als positiver. Ist das wirklich das Erbe, dass man der Welt hinterlassen möchte?

Ihr seid mit Texas seit 27 Jahren am Start. Was ist so dein Lieblingsbandmoment?
Ich finde es vor allem toll, dass wir noch hier sind. Wenige Bands bleiben solange zusammen. Es gibt eine Menge tolle Bandmomente. Tolle Kneipennächte mit Leuten wie Wim Wenders oder den Jungs von The Clash. Ich war schon immer ein großer Fan von denen, aber dass ich behaupten kann, dass ich alle aus der Band – sogar der Originalbesetzung – kenne, hätte ich nie für möglich gehalten. Es ist echt ein Segen, das machen zu können, was ich liebe.

Texas: Sharleen Spiteri über Berühmtsein bei Youtube und alte Gerüchte
Foto: Warner Music

Was macht ihr eigentlich mit den ganzen Fangeschenken? Habt ihr eine Wohnung, in der ihr das alles stapelt oder wie muss man sich das vorstellen?
Wie bekommen eigentlich gar nicht so viel geschenkt. Häufig selbst gebastelte Notizblöcke und die benutzen wir auch. Meine Tochter ist ein grosser K-Pop-Fan und besessen davon. In zwei Wochen gehen wir zusammen auf ein Konzert und die nervt mich schon jetzt damit (lacht). Diese Bands werden mit Geschenken überhäuft. Das kann mit uns gar nicht vergleichen. Oder auch Boybands, die bekommen Geschenke. Wir bekommen keine. (lacht)

Aber irgendwas Beklopptes habt ihr doch sicher Mal bekommen …
Ja, Heroin. Da hat wirklich Mal jemand eine Packung echtes Heroin geschickt mit einer Karte auf der stand „Ihr seid mein Heroin und das ist für euch“. Das war wirklich sehr seltsam.