Sonntag, 25. Juni 2017, 10:31 Uhr

TV-Promis Pro & Contra (27): Andrea Kiewel

Neues aus unserer losen Serie über TV-Persönlichkeiten. Andrea Kiewel wird heute um 11.05 Uhr im altehrwürdigen ZDF-„Fernsehgarten“ Spiel, Sport und Gesang präsentieren. Das Format verkörpert einen der letzten bunten Kindergeburtstage im deutschen Fernsehen.

TV-Promis Pro & Contra (27): Andrea Kiewel
Etwas overstyled: Andrea Kiewel. Foto: ZDF/Sascha Baumann

Andrea Kiewel wird 1965 in Ost-Berlin geboren. Früh zeigt sie ihre Stärken im Sport, schwimmt als Kind ihren Altersgenossinnen davon. Aus der Kinder- und Jugendsportschule Werner Seelenbinder stammend, wird sie in den 1980er Jahren Teil der Jugend-Schwimm-Nationalmannschaft der DDR. Beeindruckend: Im Einzel erreicht sie 1982 den sechsten Platz der DDR-Meisterschaften über 50 Meter Freistil – das beste Ergebnis ihrer Karriere. Nach dem Abitur studiert sie Sport und Deutsch. Ab 1988 arbeitet sie als Lehrerin, parallel dazu als Rettungssschwimmerin auf Usedom.

In den letzten Zügen des DDR-Fernsehens beginnt die Medienkarriere von „Kiwi“, wie Andrea Kiewel von Kollegen und Fans genannt wird. Nach ihrer Station bei „Fernsehen aus Berlin“ wechselt sie 1993 zum Sat.1-Frühstücksfernsehen, wo ihr der Durchbruch gelingt. Im Jahre 2000 findet sie das Format, welches ihr die nächsten Jahre ebnen wird: den „Fernsehgarten“. Sie verliebt sich in ihre neue Aufgabe, beteuert immer wieder, dass die Kombination „sie“ und „die Sendung“ ein Glücksfall sei, den es zu schätzen und zu behüten gelte.

TV-Promis Pro & Contra (27): Andrea Kiewel
Foto. ZDF/Sascha Baumann

Weitere Stationen sind etwa die Talkshow „Riverboat“ im MDR, die ZDF-Sendung „Sound der 80er“ oder die RTL-Show „Einspruch – Die Show der Rechtsirrtümer“. Pikant erscheint letztgenanntes Engagement vor dem Hintergrund ihrer Schleichwerbung-Affäre („Weight Watchers“), die im Dezember 2007 an die Öffentlichkeit kommt. Damals bestreitet sie in der Talkshow von Johannes B. Kerner, dass es zwischen ihr und dem Diät-Unternehmen eine einschlägige Vereinbarung gebe. Nachdem sie die Moderation des „Fernsehgartens“ zunächst abgeben muss, erfolgt ihr Comeback im Jahre 2009.

Andrea Kiewel wird von Kritikern vorgeworfen, ihre gute Laune sei gespielt, ihre Augen lachten in scheinbar witzigen Momenten nicht mit. Tatsächlich ist sie mit ihren Reaktionen öfter mal „drüber“. Die Frage ist aber: Kann man in der Unterhaltungsbranche inszenierte gute Laune vorwerfen? Wie auch ein Schauspieler, der im Komödienfach reüssiert, sind auch Moderatoren gefragt, „auf Knopfdruck“ den Entertainmentnutzen eines Formates zu maximieren. Und das schafft sie. Der „Fernsehgarten“ und Andrea Kiewel – das ist eine Verbindung wie Thomas Gottschalk und „Wetten, dass ..?“, wie Günther Jauch und „Wer Wird Millionär“, wie Stefan Raab und „TV Total“. So ist zu erwarten, dass sie noch Jahre die Geschicke am Mainzer Lerchenberg leiten wird.

Unsere Wertung:

Charme: 7 von 10 Punkten
Witz: 7 von 10 Punkten
Einzigartigkeit: 7 von 10 Punkten

Fazit: Andrea Kiewel ist für den „Fernsehgarten“ eine brillante Besetzung. Sie versteht es, zwischen flambiertem Steak, „WISO“-Ratgebertipps und Fußballkunststücken zu lavieren und die für den sonntäglichen Mittag nötige gute Laune zu liefern. Die Frage lautet allerdings: Will sie wirklich in diesem Format alt werden?