Dienstag, 27. Juni 2017, 21:29 Uhr

Filmkritik "Overdrive": Scott Eastwood als Luxuskarren-Dieb

Zwei Brüder klauen Luxusautos und geraten in Südfrankreich in die Bredouille. Das hochtourige Actionspektakel setzt ganz auf Tempo und Hochglanz-Boliden. Scott Eastwood spielt einen coolen Autodieb.

Filmkritik "Overdrive": Scott Eastwood als Luxuskarren-Dieb
Foto: Universum

Glaubt man Umfragen, dann haben Autos bei Jugendlichen als Statussymbol längst ausgedient. Angesichts von Dauerstaus, Feinstaubbelastung und „Dieselgate“ ist der Glanz der einstigen Prestigeobjekte anscheinend verblasst. Ganz anders in Hollywood, wo PS-starke Hochgeschwindigkeitsfilme immer noch Kassenrekorde einfahren. Und dies gilt auch für Deutschland. „Fast & Furious 8“, die neue Ausgabe der schier unendlichen Raser-Saga, schaffte in diesem Frühling gleich am ersten Wochenende hierzulande die Zuschauer-Million. Im Kino macht es sehr vielen Fans anscheinend immer noch Spaß, sich auf der Überholspur zu tummeln.

An dieses Zielpublikum richtet sich auch das rasante, ganz auf Schauwerte abzielende Actionspektakel „Overdrive“ mit dem 31-jährigen Scott Eastwood in der Hauptrolle eines draufgängerischen Autodiebes. In „Fast & Furious 8“ hatte der Sohn von Haudegen Clint Eastwood eine kleine Rolle als „Little Nobody“. Aber der gut aussehende Scott, der auch schon als Model gearbeitet hat, ist in Hollywood längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Er spielte den romantischen Cowboy zum Verlieben in „Kein Ort ohne dich“ und war auch in Oliver Stones Politthriller „Snowden“ mit dabei.

Filmkritik "Overdrive": Scott Eastwood als Luxuskarren-Dieb
Foto: Universum

Jetzt verkörpert Eastwood durchaus überzeugend den Autoliebhaber Andrew, der sich zusammen mit seinem jüngeren Halbbruder Garrett (Freddie Thorp) auf den Diebstahl von millionenschweren Luxuslimousinen spezialisiert hat. In Marseille geraten die beiden in die Bredouille, als sie dem Mafiaboss Morier einen Bugatti abluchsen wollen. Der Coup misslingt, Andrews Freundin Stephanie wird von den Gangstern gefangengehalten. Morier zwingt die Brüder, seinem Erzrivalen Max Klemp (Clemens Schick) einen überaus kostbaren Ferrari zu klauen. Und so geraten die Draufgänger zusammen mit Garretts neuer Flamme Devin zwischen die Fronten.

Filmkritik "Overdrive": Scott Eastwood als Luxuskarren-Dieb
Foto: Universum

Der kolumbianische Regisseur Antonio Negret und sein actionerprobter Produzent Pierre Morel („96 Hours“, „The Transporter“) setzen in „Overdrive“ ganz auf Tempo, hübsche Gesichter und Hochglanz-Limousinen. Da bieten dann die kurvenreichen Küstenstraßen an der Côte d’Azur genau die richtige Kulisse für jede Menge spektakulärer Verfolgungsjagden.

Dazwischen turteln und albern die beiden Jungs mit ihren Freundinnen herum, bevor es wieder in den Kampf gegen die Bösen geht. Clemens Schick („Point Break“, „James Bond 007 – Casino Royale“) verkörpert gefährlich ausgemergelt den deutschstämmigen Oberschurken. Der ist so abgrundtief grausam, dass es manchmal schon wieder unfreiwillig komisch wird.

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Foto: Universum

Wirklich originell und spannend ist dieses hochgerüstete, etwas nostalgisch anmutende PS-Spektakel aber leider nicht geraten. Dafür fahren hier zu viele Stereotype und Klischees mit. Aber für einen heißen Sommerabend bietet „Overdrive“ immer noch sehr passable Unterhaltung. Auch wenn die Sache mit den Autos ja eigentlich passé sein soll. (Johannes von der Gathen, dpa)