Mittwoch, 28. Juni 2017, 21:15 Uhr

Filmkritik "Girls' Night Out": Derber Klamauk mit Scarlett Johansson

In „Hangover“ machten es Männer vor, in „Girls‘ Night Out“ schlagen nun fünf Freundinnen auf einem Junggesellinnenabschied über die Stränge. Ein toter Stripper hält Stars wie Scarlett Johansson und Kate McKinnon auf Trab.

Filmkritik "Girls' Night Out": Derber Klamauk mit Scarlett Johansson
Foto: SonyPictures

Die wohl undankbarste Rolle in der Freundinnen-Komödie „Girls‘ Night Out“ hat der australische Schauspieler Ryan Cooper. Nur für wenige Filmminuten darf das sexy Ex-Model seinen gestählten Körper lebend zeigen – als männlicher Stripper bei einen Junggesellinnenabschied. Dann passiert ein dummer Unfall. Die stürmische Alice und eine scharfe Kante am Kamin in der Strandvilla in Miami werden ihm zum Verhängnis. (Cineasten erinnern sich an das selbe Procedere – allerdings mit einer Stripperin in „Very Bad Things“ von 1998 – siehe unseren Trailer ganz unten!)

Wie können fünf nicht mehr nüchterne Freundinnen die Leiche los werden? Mit dem Jetski im Meer versenken? Auf einer Liebesschaukel in einer Sexkammer verstecken? Oder im Kleinwagencabrio verstauen? Den Rest des Films ist Cooper – spärlich bekleidet und leblos – den Frauen ausgeliefert.

„Girls‘ Night Out“ ist kein harmloser Mädelsspaß, mehr eine weibliche Variante der deftigen „Hangover“-Trilogie. Stürzten sich in der enorm erfolgreichen Comedy-Reihe Bräutigam und Kumpel vor einer geplanten Hochzeit in einen wilden Vollrausch, so erleben nun alte College-Freundinnen auf einem Wochenendtrip nach Miami irrwitzige Action, die oft unter der Gürtellinie endet.

Scarlett Johansson spielt die Karriere-Politikerin Jess, die bald heiraten will. Alice (Jillian Bell) ist eine pummelige Lehrerin, die gerne über die Stränge schlägt. Dazu kommen die in Scheidung lebende Blair (Zoë Kravitz), die linke Aktivistin Frankie (Ilana Glazer) und Pippa (Kate McKinnon), eine Studienfreundin aus Australien.

Filmkritik "Girls' Night Out": Derber Klamauk mit Scarlett Johansson
Foto: SonyPictures

Sie koksen, saufen und hauen auf den Putz – unter der Regie einer Frau. Es ist das Spielfilmdebüt der amerikanischen Produzentin und Autorin Lucia Aniello, die mit „Broad City“ eine TV-Sitcom über zwei Freundinnen in New York mit Humor und Tiefgang lieferte. In „Girls‘ Night Out“ sackt das Niveau nun allerdings auf dumme Peniswitze und seichte Klischees ab.

Nur der starken Darstellerriege ist es zu verdanken, dass die flachen Späße und das überzogene Skript nicht völlig aus dem Ruder laufen. Nach „Ghostbusters“ zeigt die US-Komikerin Kate McKinnon erneut, was sie drauf hat. Jillian Bell („22 Jump Street“) ist großartig als penetrante Freundin, die ständig um Anerkennung ringt. Auch Scarlett Johansson ist nach ihren toughen Heldenauftritten in „Ghost in the Shell“ und „Lucy“ reif für eine Komödie.

Filmkritik "Girls' Night Out": Derber Klamauk mit Scarlett Johansson
Foto: SonyPictures

Einen kleinen, aber heißen Auftritt haben Demi Moore und Ty Burrell als lüsternes Swinger-Paar. Blair muss sich für einen flotten Dreier am Strand opfern, um die neugierigen Nachbarn von dem leblosen Stripper abzulenken.

„Das wird das beste Wochenende unseres Lebens“, prophezeit Alice auf dem Trip nach Miami. „Oh Gott, ich hab ’nen Typen getötet“, lamentiert sie wenig später, als der Stripper in einer knallroten Blutlache liegt. „Wir müssen ihn loswerden“, befiehlt Jess, aber erstmal stärkt sich die Clique mit Koks und Pizza.

Diesen schrägen Momenten sieht man an, dass die Schauspielerinnen beim Dreh mächtig Spaß hatten. In „Girls‘ Night Out“ stecken durchaus ein paar Wahrheiten über den Wert und die Zerbrechlichkeit von Freundschaften. Doch am Ende ist es derber Klamauk, den der englische Filmtitel „Rough Night“ treffender beschreibt. Eine ganz schön harte (Kino-)Nacht. (Barbara Munker, dpa)