Mittwoch, 05. Juli 2017, 22:17 Uhr

Filmkritik "Das Pubertier": Jan Josef Liefers grandios überfordert

Publikumsliebling Jan-Josef Liefers einmal anders: In seinem neuen Film „Das Pubertier“ agiert der Tatort-Rechtsmediziner-Schnösel als heillos überforderter Vater.

Filmkritik "Das Pubertier": Jan Josef Liefers grandios überfordert
Foto: Constantin Film Verleih

Spätestens in der Pubertät verlieren alle Eltern an Einfluss auf ihre Kinder und nicht nur das. Das Ansehen der Eltern sinkt in einen deutlichen Minusgradbereich und spätenstens mit 14 findet jeder Teenie seine Eltern peinlich. In einfach allem. Die eigenen Eltern meist so ziemlich das Dümmste, was auf diesem Planeten so umherläuft. Eltern checken nicht, was eigentlich so läuft auf der Welt im Allgemeinen, und wie schwer es mit ihnen auszuhalten ist, im Besonderen.

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So ein Nicht-Checker ist Hannes Wenger (Jan Josef Liefers), der verwundert im Zimmer seines Pubertiers Carla (Harriet Herbig-Matten) steht. Eben noch Ponyinteressen und nun Netzstrümpfe und bauchfrei zur Schule gehen wollen. Eine Zumutung. Auf beiden Seiten. Der ganz normale Wahnsinn ist quasi über Nacht passiert, aber ganz so ganz unerwartet trifft es weder den Journalisten-Vater noch die etwas entspanntere Mutter Sara (Heike Makatsch). Beide hatten ihre Chance, das Unheil kommen zu sehen, und zwar bei einem befreundeten Paar.

Filmkritik "Das Pubertier": Jan Josef Liefers grandios überfordert
Foto: Constantin Film Verleih

Kriegsreporter Holger (herrlich schräg: Detlev Buck!) und seine in Hass verbundene Miriam (noch herrlicher, noch überspannter die wunderbare Kabarettistin Monika Gruber) haben den Kriegsschauplatz Afghanistan in die heimischen vier Wände verlegt. Ihr Pubertier ist männlich, im Stimmbruch und daher gerade etwas gehandicapt im Schreien – was es natürlich fortwährend tut. Voller Hass und voller Pickel.

Die Drei spielen zwar noch Familie, aber Vater Holger erträgt den Stress nur noch mit Hilfe von Gras. Ein Generationskonflikt-Kammerspiel, wie es schöner nicht sein könnte. Der Zankapfel, der den Vater von Null auf Hundert in 3 Nanosekunden bringt, ist eine stehengelassene Cola-Dose. Es folgt eine Kriegserklärung, die der Vater mit dem Schlachtruf „Erziehung ist Kommunikation!“ sofort antritt.

Filmkritik "Das Pubertier": Jan Josef Liefers grandios überfordert
Foto: Constantin Film Verleih

Nun sind die Wengers an der Reihe mit ihrem Pubertier zu kommunzieren. Jan Josef Liefers als Vater macht seine Sache gut; er ist besorgt, entsetzt und lässt keine Gelegenheit aus, sich einzumischen. Chaotisch-liebevoll bis wild-klamaukig zum Fremdschämen ist alles dabei. Apropos Fremdschämen: Mit dabei in der Haußmann-Darsteller-Familie ist wieder Justus von Dohnanyi als unangehmer Vater und später auch tanzender Partygast. Er verkörpert so einen Typ, der die Darstellung von körperbetonter Jugendlichkeit mit dem Tragen einer alptraumhaft-engen Radlerhose verwechselt und sich auch sonst wieder zielsicher neben der Spur befindet.

Filmkritik "Das Pubertier": Jan Josef Liefers grandios überfordert
Foto: Constantin Film Verleih

Fazit: „In der Erziehung gibt es kein richtig oder falsch – es gibt nur falsch.“ Dieses Kalenderspruch wird dem Film von Leander Haußmann vorangestellt und recht hat er. In der Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Jan Weiler geht es um die Verzweiflung über Pickel, Stimmbruch und um viele Wutausbrüche aller Beteiligten. Außerdem gibt es jede Menge Wirbel rund um die 14. Geburtstags-Pyjama-Smartphone-Party des „Pubertiers“ Carlas und Praxistipps, wie man es überlebt. (KW)