Montag, 10. Juli 2017, 16:50 Uhr

It's raining Men: "Dream Boat" kommt ins Kino

Es regnet Männer! Sie kommen aus 89 Nationen und treiben auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer: Sonne, Meer, nackte Haut, viel Testosteron – und schwul. Der Countdown läuft für sieben Tage Jagd nach Liebe, Glück und ewiger Jugend: das Versprechen des Traumschiffs für Gay-Kerle. Und auf keinem Hetero-Dampfer geht es wohl so wild zu wie hier …

It's raining Men: "Dream Boat" kommt ins Kino
Foto: Real Fiction Filmnverleih/Gebrüder Beetz Produktion

Der Kinofilm begleiten fünf Männer aus fünf Ländern auf einem Kahn der fröhlichen Leute, die ihrem Alltag entfliehen. Sie kommen aus Polen, Palästina, Indien, Frankreich und Österreich. Für einige von ihnen ist es gefährlich, in ihren Heimatländern so zu leben, wie sie sind. Im Dickicht athletischer Körper suchen sie nach der großen Liebe, nach Freiheit und einer erfüllten Zukunft. Wie viele Hoffnungen wird das „Dream Boat“ am Ende erfüllen können? Für viele ist es ein Boot der Träume: Monatelange bereiten sie sich auf die Reise vor. „Dream Boat“ zeigt schwule Männer auf Kreuzfahrt im Mittelmeer – und auf der Reise zu sich selbst. Jeden Abend Party, jeden Abend ein anderes Date, jeden Abend ein neues Abenteuer. Die Kreuzfahrt ist eine einzige Sause. So scheint es. Doch „Dream Boat“ zeigt mehr als sieben Tage auf einem Schiff voller schwuler Männer, die feiernd übers Mittelmeer schippern.

Die Dokumentation bietet einen ehrlichen, keinen voyeuristischen Blick hinter die Kulissen. Sie schaut unter die Oberfläche und zeigt Menschen, die auf der Suche sind.

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„Bringen wir die Jungs auf See“, ruft der Kapitän zu Beginn – und los geht’s auf die Party-Reise. Die meiste Zeit wird tatsächlich gefeiert, was das Zeug hält. Beats wummern durch die Nacht auf offenem Meer, die Outfits sind knapp, die Körper eng umschlungen. Soweit kein großer Unterschied zu allwöchentlichen Clubnächten in Berlin, Köln oder anderswo.

Doch der Film von Tristan Ferland Mileswki („Make Love – Liebe machen kann man lernen“) zeigt mehr: Der Regisseur präsentiert fünf unterschiedliche Protagonisten aus fünf Ländern, lässt sie agieren und ihre Geschichte erzählen.

Da ist zum Beispiel Marek aus Polen (Foto unten), der vor allem auf der Suche nach der großen Liebe ist und nicht allein wegen seines gut trainierten Körpers begehrt und schon gar nicht als Sexobjekt wahrgenommen werden möchte. „Ich will jemanden finden, der mich wegen meiner selbst liebt und mich nicht nur als Ware sieht“, sagt der junge Mann. Nachdenklich suchend wagt er sich durch die Nächte und schämt sich auch seiner Tränen nicht.

It's raining Men: "Dream Boat" kommt ins Kino
Foto: Real Fiction Filmnverleih/Gebrüder Beetz Produktion

Gerade in diesen melancholisch-traurigen Momenten entfaltet der Film eine besondere Kraft. Mitten im wilden Partygeschehen geht es um die großen Fragen des Lebens: Liebe, Hoffnung, Familie, Gesundheit und Zukunft.

Ramzi aus Palästina, der mit seinem Freund auf Reisen ist, erzählt von seiner tiefen Dankbarkeit, nun in Belgien zu wohnen und damit in einem Land, das seine Art zu leben gesetzlich schützt. „Ein Land, in dem ich zur Polizei gehen kann, wenn ich wegen meines Schwulseins diskriminiert werde.“ Dipankar kommt aus Indien und lebt seine Homosexualität erst seit kurzer Zeit. Auf die Kreuzfahrt hat er sich immens gefreut, doch er bekommt es ebenso mit dem mitunter gnadenlosen Schönheitsideal der Community zu tun.

It's raining Men: "Dream Boat" kommt ins Kino
Foto: Real Fiction Filmnverleih/Gebrüder Beetz Produktion

Der Franzose Philippe, 47, sitzt seit rund 20 Jahren im Rollstuhl. Zu seinen Eltern hat er keinen Kontakt mehr, zu Fremden findet er nur schwer Zugang. Umso wichtiger sind die langjährige Beziehung zu seinem Partner und seine schwule Ersatzfamilie. Auf dem „Dream Boat“ genießt er seine Zugehörigkeit und fragt sich dennoch, ob er in diese körperbetonte Welt überhaupt jemals reinpassen wird.

Ernst und ehrlich – das ist die eine Seite. Doch es gibt auch Momente voller Komik und Lebensfreude. So gelingt der Doku mit der richtigen Mischung eine Reise in einen Kosmos, die für jeden der Protagonisten eine ganz eigene Reise vor allem zu sich selbst ist. (Daniel Rademacher, dpa)

It's raining Men: "Dream Boat" kommt ins Kino
Foto: Real Fiction Filmnverleih/Gebrüder Beetz Produktion

Deutscher Kinostart 13. Juli – in diesen Kinos:

Berlin
– Moviemento
– Hackische Höfe
– Eiszeit Union
– Xenon
– Klick Kino

Dresden – Kino im Dach
Essen – Filmstudio
Frankfurt – Mal Seh’n
Hamburg – studio Kino
Köln – Filmpalette
Magdeburg – studio Kino
Mannheim – Cinemaxx Planken
München – Arena
Münster – Cinema
Nürnberg – Casablanca
Stuttgart – EM-Kinos
Tübingen – Arsenal

Ab dem 20. Juli zusätzlich:
Jena – Kino im Markt
Kiel – Kino in der Pumpe
Regensburg – Wintergarten
Saarbrücken – Filmhaus

Ab dem 21. Juli : Aachen – Apollo