Freitag, 21. Juli 2017, 23:04 Uhr

Filmclip "Dalida": Das letzte große Showgirl

Am 10. August kommt mit „Dalida“ ein bemerkenswerter Film in die Kinos, den wir unseren Lesern gerne ans Herz legen wollen. Es ist die wahre und tragische Geschichte des letzten großen europäischen Showgirls. Wir präsentieren hier einen Filmausschnitt.

Leben und Tod von "Dalida": Das letzte große Showgirl
Foto: NFP

1933 wurde sie in Kairo geboren, 1987 nahm sie sich das Leben. Dazwischen lebte Dalida ein echt filmreifes Leben, das ihr erstes Konzert im legendären Olympia in Paris 1953 ebenso umfasste wie die Ehe mit Lucien Morisse, dem Leiter des damals neu gegründeten Privatradiosenders Europe 1, den Beginn der Disco-Ära, ihre spirituelle Entdeckungsreise nach Indien oder den weltweiten Erfolg von „Gigi l’amoroso“ 1974. Dalida war eine unkonventionelle, moderne Frau in konventionellen Zeiten, deren einzigartiges Talent und unvergleichliche Ausstrahlung bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben.

Dann kam der 3. Mai 1987: Aller hartnäckiger Unterstützung ihrer Lieben zum Trotz nimmt sich Dalida schließlich das Leben. Sie hinterlässt eine Nachricht auf ihrem Nachttisch: „Das Leben ist unerträglich geworden. Bitte verzeiht mir.“

Mit der 33-jährigen Sveva Alviti wurde eine herausragende Darstellerin von Dalida gefunden. Regisseurin Lisa Azuelos hat sich 200 Schauspielerinnen angesehen, bis sie sich für die Italienerin entschied. Darüber sagte sie: „Wir begannen in Frankreich, doch dort rollten alle Schauspielerinnen das R viel zu sehr. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir bei uns kaum unterschiedliche Dialekte haben, aber es klang bei allen irgendwie zu künstlich. Deswegen entschlossen wir uns, die Suche auf Italien und den Nahen Osten auszuweiten. Als ich Svevas Video sah, hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Als sie nach Paris kam, waren immer noch 20 Schauspielerinnen im Rennen um die Rolle. Dann sang sie „Je suis malade“ – und mich überkamen die Emotionen. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Sie war als Schauspielerin noch unerfahren und sprach kein Französisch. Aber als sie sagte: ‚Ich bin Dalida‘, wusste ich dass sie Recht hatte.“

Sveva Alviti im Mai in Cannes. Foto: Joe Alvarez
Sveva Alviti im Mai in Cannes. Foto: Joe Alvarez

Die Newcomerin erzählte dazu: „Lustigerweise weigerte ich mich zunächst, für das Casting nach Europa zu fliegen. Mein Agent pochte wieder und wieder darauf, aber ich war mir sicher, dass ich keine Chancen haben würde, weil die Rolle viel zu groß war
für eine Anfängerin wie mich. Davon abgesehen sprach ich kein Französisch und singen und tanzen konnte ich auch nicht. Ich hatte nicht die geringste Ahnung warum sie mich überhaupt zum Vorsprechen sehen wollten. Letztlich überzeugte mein Agent mich davon, zumindest ein Demo-Video von mir mit meinem iPhone aufzunehmen. Erst in der Vorbereitung dafür lernte ich, wer Dalida überhaupt war. Wie alle Italiener kannte ich ihre Songs, doch über sie als Person wusste ich nichts. Ein Interview mit ihr, das ich auf YouTube sah, änderte alles. Sie berührte mich, plötzlich fühlte ich mich ihr sehr nahe. So als würde ich sie auf Anhieb verstehen. Wie könnte ich eine so sensible, warmherzige und starke Frau nicht spielen wollen? Also fing ich an, mich selbst in dieser Rolle zu sehen.“

Leben und Tod von "Dalida": Das letzte große Showgirl
Foto: NFP

Alviti verriet auch wie es ihr gelang als junger Frau gelungen, eine lebensmüde 54-jährige zu spielen: „Unsicherheit und Verletzlichkeit haben nichts mit dem Alter zu tun. Genau wie Dalida bin ich ziemlich intuitiv und in mich selbst zurückgezogen, deswegen habe ich sehr gut verstanden, wie es ihr ging. Einer der besten Aspekte an der Arbeit als Schauspielerin ist die Tatsache, dass man Dinge zum Ausdruck bringen kann, die tief in einem selbst schlummern. Wir alle haben eine dunkle Seite in uns, und ich fand es interessant, meine auszuloten. Die schwierigste Szene war für mich gar nicht Dalidas Selbstmord, sondern ihre Abtreibung. Das Opfer, das sie brachte, als eine Frau, die immer von einem Kind geträumt hat, war geradezu unmenschlich. Aber zum Glück hat Dalida in ihrem Leben nicht nur Leid erlebt. Und die glücklichen Szenen zu drehen hat unglaublich viel Spaß gemacht. Im echten Olympia zu singen und in San Remo – das war unglaublich und unvergesslich. Es gab Momente bei den Dreharbeiten in denen ich nicht mehr genau wusste, ob ich Sveva oder Dalida war. Es war eine schwindelerregende Erfahrung zwischen Freude und Schmerz.“