Sonntag, 23. Juli 2017, 17:28 Uhr

Max Richard Leßmann: Der "Max Raabe des Indierocks"!

Er heißt Max Richard Leßmann – man könnte den 25-jährigen Sänger und Songwriter aus Berlin aber auch als “Max Raabe des Indierocks” bezeichnen. Denn wie Raabe steht Leßmann auf die pfiffigen Texte der 20er-Jahre-Vocalgruppe Comedian Harmonists, die ihn auch für sein Solodebüt beeinflusst hat. Und da legen wir uns fest: Mit “Liebe in Zeiten der Follower” ist Leßmann die Sommerplatte des Jahres gelungen!

Max Richard Leßmann: Der "Max Raabe des Indierocks"!
Foto: Ingo Petramer

Romantisches Liedgut reiht sich an feucht-fröhliche Trinklieder – so schmeckt dann auch der verregnete Sommer. Klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers hat mit Max Richard Leßmann geplaudert.

Max, wohl nicht zuletzt aufgrund deines Vornamens wirst du gern mal mit Max Raabe verglichen, obwohl deine Musik viel moderner klingt.
Mir gefällt auch, was Max Raabe macht. Aber ich wollte von Anfang an kein Retro machen und mir auch keinen Frack anziehen. Ich wollte zeitgenössische Songs mit eigenen Texten schreiben, die im Hier und Jetzt spielen.

Mit der Husumer Band Vierkanttretlager hast du dich zuvor noch im Indierock ausgetobt.
In der Schulzeit war ich sehr zornig. Ich musste meinen Zorn und meine Verzweiflung irgendwie loswerden. Also kam dann erst mal die Band. Romantisch sind die Texte von Vierkanttretlager aber auch – nur auf eine ganz andere, etwas morbidere Art und Weise.

Diesmal hast du mit Sebastian Madsen von der Band Madsen zusammengearbeitet. Wie seid ihr vorgegangen?
Ich habe die Texte geschrieben, Sebastian die Musik. Die Texte waren schon fertig, und Sebastian hat dann relativ schnell passende Melodien dazu gefunden. Diese Musik kommt aus tiefstem Herzen, weil Sebastian und ich beide so eine große Liebe dafür haben: Ich für die 1920er und 1930er, bei Sebastian sind es dann eher die 1950er und 1960er Jahre.

Fiel es dir leicht, diesmal anders zu texten?
Die Texte gehen mir mittlerweile locker von der Hand; ich mache das ja auch schon relativ lange. Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Gedichte und Texte zu schreiben. Dann kam die Band. Ich habe mit Casper Songs geschrieben, für HipHop-Künstler, Punkbands und sogar für Mary Roos. Und all das mündet nun in dieser Platte.

Max Richard Leßmann: Der "Max Raabe des Indierocks"!
Foto: Maximilian Pittner

Der Romantiker ist also nicht nur gespielt?
Nee, ich meine das schon ernst! Romantik hat für mich immer eine große Rolle gespielt. Aber Romantik bedeutet für mich nicht nur eine Zweisamkeit in Liebesdingen, sondern auch das Schöne im Leben zu suchen und zu finden. Dafür muss nicht alles glattbügelt sein.

Das Video zur ersten Single „Spuren auf dem Mond“ habt ihr seinerzeit unter dem Licht des Supermondes 2016 aufgenommen. Romantischer geht’s ja gar nicht, oder?
Das war eine sehr krasse Idee von meinem Freund Jonas Vahl, mit dem ich die Videos drehe. Als er mir sagte, man könnte das machen, hat allein die Formulierung an sich schon so viel bei mir ausgelöst. Ich dachte nur noch: „Ok, wir machen das Video also tatsächlich mit Mondschein.“ Wir haben zwei Nächte in Portugal gedreht. Wenn wir an der Küste vorbeigefahren sind, auf dem Weg zum Drehort am Strand, war der Mond so nah und hing riesig groß über dem Meer. Man sieht im Video sogar eine Sternschnuppe – die ist echt. Das war ein unglaublich magischer Moment!

Was ist denn das Romantischste, was du getan hast?
Ich habe ein komplettes Album über eine einzige Frau geschrieben. Das ist schon ziemlich romantisch, oder?

Wer ist denn die Glückliche?
Wir waren fast fünf Jahre zusammen, und es war eine sehr wichtige Beziehung für mich, weil diese Frau mich sehr inspiriert hat. Ich habe viel geschrieben für sie. Ich glaube, dass man an den Liedern vieles ablesen kann. Ich war immer schon jemand, der mit Worten ausdrückt, was er fühlt. Ich bin nicht so der Teelicht- oder Rosenblatt-Romantiker. Diese Sachen, die man vielleicht gemeinhin als romantisch betrachtet, finde ich meist gar nicht so romantisch, weil es so abgenutzt ist.

Rosen mitbringen – und das vielleicht noch am Valentinstag?
Das muss man fühlen, wenn man es macht! Meine Mutter ist Floristin. Für mich bedeuten Blumen wirklich etwas.

Max Richard Leßmann: Der "Max Raabe des Indierocks"!
Foto: Ingo Petramer

Deine Lieblingsblume?
Ich mag Tulpen. Am liebsten die Papageien-Tulpen, die am Rand so ein bisschen kraus sind. Wenn ich jemandem Blumen mitbringe, dann bedeutet das etwas. Wenn jemand sich aber mehr darüber freut, wenn ich ihm Motoröl mitbringe, besonders schönes Motoröl, dann kann das auch wahnsinnig romantisch sein. Weil der Beschenkte das Motoröl vielleicht schon lange gesucht hat und nicht wusste, wo man es kriegt.

Nun heißt dein Album ja „Liebe in Zeiten der Follower“. Schon mal jemandem auf Facebook hinterherspioniert?
Ich glaube, das ist relativ normal. Wenn man heutzutage einen Namen hört, zieht man sich auf Instagram und Facebook erst einmal alles rein…

Inwiefern ist die Liebe durch soziale Netzwerke heute anders?
Selbstdarstellung spielt auf jeden Fall eine große Rolle, weil man relativ schnell einen Eindruck gewinnt von einem Menschen. Den gewinnt man nicht mal durch ein Gespräch, sondern lediglich durch das Profil der Person. Da ist viel Oberflächlichkeit. Man guckt, was hört derjenige für Musik… Aber am Ende des Tages sind diese Dinge viel weniger aussagekräftig, als man manchmal denkt und die Person vielleicht ganz anders als angenommen.

Und das ist schlecht?
Die Liebe ist durch solche Sachen wie Tinder mehr denn je zur Ware geworden. Die Leute handeln mit sich selbst. Es ist aber auch eine Entwürdigung seiner selbst, finde ich, wenn man sich dort so anpreist und ausstellt – nach dem Motto: „Guck mal hier, was ich alles zu bieten habe.“ Ich möchte das eigentlich gar nicht bewerten. Ich selbst glaube nur nicht an Parship und Tinder und hatte auch noch kein Tinder-Date und will das auch gar nicht.

Sondern?
Ich finde, es gibt nichts Schöneres als den Moment, sich mit jemandem zu unterhalten, den man gerade getroffen hat, und zu merken, dass da irgendwas ist. Also jetzt nicht unbedingt nur sexuell, sondern auch was eine Freundschaft angeht – die oft zitierte Wellenlänge, man funkt auf derselben Frequenz. Das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, und das kann kein Tinder-Date.

Album: Max Richard Leßmann „Liebe in Zeiten der Follower“ (Caroline Records/Universal)

Tourdaten:

25.11. Köln, Studio 672
27.11. München, Milla Live-Club
28.11. Berlin, Musik & Frieden
30.11. Hamburg, Nochtspeicher