Montag, 24. Juli 2017, 19:25 Uhr

Bud Spencer: Ein Roadmovie der besonderen Art startet im Kino

Carlo Pedersoli alias „Bud Spencer“ war der Überzeugung, jeden Beruf ausgeübt zu haben außer Jockey und Balletttänzer. Er war Schriftsteller, elffacher italienischer Schwimmchampion, zweifacher Olympiateilnehmer, Wasserballeuropameister, Sänger, Komponist, Pilot, Flugunternehmer, Modedesigner, Fabrikant, Drehbuchautor, Produzent und nicht zuletzt Erfinder einer Art Einwegzahnbürste.

Bud Spencer: Ein Roadmovie der besonderen Art startet im Kino
Foto: WENN.com

Er beherrschte sechs Sprachen. Seinen Weltruhm jedoch verdankt Carlo Pedersoli knallharten Backpfeifen und schlagfertigen Sprüchen – als Schauspieler unter dem Pseudonym Bud Spencer. An der Seite von Terence Hill wurde ein Bösewicht nach dem anderen zur Schnecke gemacht, niemand ließ die Fäuste so fliegen wie Bud Spencer. Ihre Westernkomödien avancierten zu Kulthits und begeisterten ein Millionenpublikum. Zwei seiner Fans wollen nicht nur Anekdoten sammeln, sie machen sich auf die Reise zu ihrem ewigen Idol.

„Sie nannten ihn Spencer“ ist ein berührendes Roadmovie über zwei Jungs wie Pech und Schwefel auf der Suche nach dem Menschen hinter der Kultfigur. Regisseur Karl-Martin Pold schuf ein faszinierendes Porträt eines Schwergewichts der Filmgeschichte, der die Herzen des Publikums im Sturm eroberte und weitaus mehr zu bieten hatte als die legendäre senkrechte Faust auf den Kopf des Schurken.

Der Dampfhammer war sein Markenzeichen: Ein Schlag auf den Kopf seiner Gegner genügte und schon war der Fall für Bud Spencer erledigt. Eine Doku spürt der Begeisterung für den Star der Haudrauf-Filme nach – mittendrin zwei eingefleischte Fans. Er war der Dicke mit den flinken Fäusten und für viele ein Held der Kindheit. Der 2016 gestorbene italienische Schauspieler Bud Spencer wurde an der Seite seines kongenialen Filmpartners Terence Hill weltberühmt und hatte sein Leben lang eine besondere Beziehung zu Deutschland.

Ein Jahr nach seinem Tod kommt nun eine sehr augenzwinkernde Doku über den gebürtigen Neapolitaner in die Kinos. „Sie nannten ihn Spencer“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte zweier eingefleischter Fans aus Deutschland, die sich kaum etwas Schöneres vorstellen können, als einmal ihr Idol höchstpersönlich zu treffen. Noch zu Lebzeiten Spencers, der 1929 als Carlo Pedersoli geboren wurde, machen sich die beiden auf den Weg quer durch Europa.

Foto: Neue Visionen GmbH
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Die Roadmovie-Doku, die etliche Weggefährten, Synchronsprecher, Filmleute und nicht zuletzt Terence Hill (78) zu Wort kommen lässt, zeigt dabei weit mehr als die besondere Leidenschaft zweier Fans, die auf ihrer Reise nach Italien selbst ein bisschen so aussehen wie das Kult-Duo von einst.

Über Jahrzehnte feierte das ungleiche Paar Spencer/Hill vor der Kamera internationale Erfolge und prägte das Genre des Italo-Westerns: Ohrfeigen ersetzten Revolverschüsse, richtig brutal und blutig wurde es nie. Vor dem Ruhm als Schauspieler hatte der junge Pedersoli schon eine beachtliche Schwimmkarriere hinter sich. Sogar bei Olympischen Spielen trat er an.

Foto: Neue Visionen GmbH
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„Bud Spencer ist ein langjähriger, sehr guter Freund, ohne dass ich ihn je getroffen hätte“, sagt Jorgo, einer der beiden Protagonisten zu Beginn des Films, mit dem Regisseur Karl-Martin Pold weit vor dem Tod des Italieners begonnen hatte. Jorgo, Bürokaufmann aus Berlin und von Geburt an blind, kam als kleiner Junge das erste mal mit Bud Spencers Filmen in Berührung. „Das war „Sie nannten ihn Mücke“ damals.“ Der junge Jorgo nahm die Filme abends auf Musikkassette auf, damit er sie am nächsten Tag nachhören konnte.

Auch der zweite Protagonist und Spencer-Fan Marcus hat eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen: Nach einem schweren Ski-Unfall seien es gerade die Haudrauf-Filme mit Spencer gewesen, die ihn wieder zum Lachen gebracht hätten. Heute sieht er sich als eine Art Kulturbeauftragter für das Spencer-Hill-Universum.

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Ihre Leidenschaft führt die beiden schließlich zusammen auf einen gemeinsam Trip von Berlin über Paris bis nach Rom. Mit viel Augenzwinkern, so manchem nicht immer zündenden Spruch und stellenweise auch zu viel Klamauk, aber jeder Menge Begeisterung schickt der Film die Zuschauer mit dem Duo auf eine kuriose Reise zu dem großen Idol – Überraschungen inklusive. (Daniel Rademacher, dpa)