Sonntag, 30. Juli 2017, 20:03 Uhr

Alice Cooper über Johnny Depp und Groupie Miss Piggy

Am Donnerstag startet das legendäre Wacken Open Air. Diesmal am Sonnabend als Headliner mit dabei: Alice Cooper, der King of Shock Rock! Cooper (eigentlich Vincent Damon Furnier) stellt dort sein neues Horror-Werk „Paranormal“ vor, auf dem sich u.a. Roger Glover (Deep Purple), Billy Gibbons (ZZ Top) und Larry Mullen Jr. (U2) die Ehre geben.

Alice Cooper über Johnny Depp und Groupie Miss Piggy
Foto: Mats Andersson/WENN.com

Beim Interview in Berlin mit klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers nimmt Cooper sie zwar in den Würgegriff, ist aber ansonsten sehr freundlich als er von einer Begegnung mit Miss Piggy, seiner Freundschaft zu Johnny Depp und Golfturnieren mit Donald Trump erzählt.

Alice, zuletzt warst du mit der Band Hollywood Vampires unterwegs, die du u.a. mit Johnny Depp und Joe Perry von Aerosmith betreibst. Was hat dir das gegeben?
Energie! Ich hatte so viel Spaß mit ihnen. Wir sind drei Alphamännchen, die es gewohnt sind, ihr eigenes Ding zu machen. Und obwohl wir so viel miteinander abhingen, gab es nie einen Konflikt. Johnny war großartig, Joe war großartig, alles war cool.

Als ihr 2016 eure einzige Deutschland-Show beim Hessentag in Herborn gespielt habt, prasselten gerade die ganzen Anschuldigungen von Johnnys Ex-Frau Amber Heard auf ihn ein. War das eine schlimme Zeit?
Nein, denn wir drei passen aufeinander auf. 99 Prozent der Vorwürfe waren eh Bullshit. Johnny sagte nur: „Ich bin so froh, gerade auf Tour zu sein, dann muss ich mich damit nicht auseinandersetzen.“ Johnny ist der süßeste Typ der Welt und wie mein kleiner Bruder. Auf ihn lass ich nichts kommen. Und seit er von Amber getrennt ist, hat er sich nur zum Positiven verändert.

Inwiefern?
Er ist nicht mehr so introvertiert. Er will Menschen treffen, geht raus auf die Straße, gibt den Leuten Autogramme. So was hat er früher nicht gemacht. Auch wenn ich Amber mochte, aber Johnny ist sehr viel spaßiger drauf ohne sie. Er kommt pünktlich zum Konzert, ist immer bereit zu spielen. Das war nicht immer so. Er ist eh ein toller Gitarrist. So langsam kapieren die Leute, dass Johnny Depp ein Rockstar ist, der zufällig Schauspieler geworden ist.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Das war vor sechs Jahren am Set von „Dark Shadows“ – in dem Film spielte ich eine Nebenrolle. Es war Liebe auf den ersten Blick! Wir sind noch am selben Abend in einer Bar versackt. Damals trank er noch jede Menge. Aber seither hat er dem Alkohol abgeschworen. Mir war gleich klar: Johnny ist ein Ehren-Vampir!

Was verbindet euch beide?
Johnny hat unsere Generation von Musikern studiert: nicht nur Alice Cooper, sondern auch David Bowie, Kiss und all die theatralischen Acts. Er hat schon vor den Hollywood Vampires öfter mal bei Aerosmith, Marilyn Manson oder mir mitgespielt. Er ist in Musikerkreisen wirklich akzeptiert als guter Gitarrenspieler. So, wie er es schon vor seiner Schauspielkarriere bei seiner Band in Kentucky war.

Alice Cooper über Johnny Depp und Groupie Miss Piggy
Foto: Mats Andersson/WENN.com

Du hast ja auch so deine Erfahrungen im Schauspiel gesammelt. Was hat eigentlich mehr Spaß gemacht: Den Adoptivvater von Freddy Krueger zu spielen oder das Duett mit Miss Piggy in der „Muppet Show“ zu singen?
Piggy war verknallt in mich. Sie war ein Groupie und ist über mich hergefallen. Ich hatte ihre kleinen Hufabdrucke auf dem ganzen Körper. Obendrein war Kermit noch eifersüchtig auf mich. Freddy und ich waren indes ein Dreamteam. Das Schwierigste war, keinen Lachanfall zu kriegen, als er mir das Rasiermesser in mein Auge drücken wollte. Das geht mir generell so, wenn ich Horror präsentieren soll: Ich habe immer zu viel Spaß dabei und muss loslachen.

Seit den 1970ern begeisterst du mit deinen Horror-Bühnenshows, bei denen schon ein elektrischer Stuhl, die Guillotine, Zwangsjacken, ein vier Meter hoher Frankenstein, Kunstblut und sogar deine Ehefrau als Krankenschwester zum Einsatz kamen. Leider gibt es heute kaum noch Bands, die so was machen.
Stimmt, die Frauen haben das übernommen! Lady Gaga, Katy Perry, Rihanna – die Mädels touren heute mit großen Produktionen. Ich habe mir eine Show von der ersten Gaga-Arenentour angesehen. Ich habe sie danach getroffen. Als sie mir ein Bild für meine Enkel signierte, sagte sie: „Danke, Alice, dass ich deine Show stehlen darf.“

Wie kommt es eigentlich, dass du mit jedem so gut klarkommst? Selbst von der Alice Cooper Band, die auf deinem neuen Album „Paranormal“ bei zwei Stücken wieder mit dabei ist, hast du dich Ende 1974 in Freundschaft abgeseilt.
Ich brauche keine Feinde. Ich versuche, jeden Menschen genau gleich zu behandeln. Ich behandle den Mitarbeiter, der nach der Show bei uns sauber macht, genauso wie den Gitarristen meiner Band. Wenn er Geburtstag hat, während wir auf Tour sind, gibt es dieselbe fette Party als wenn ich Geburtstag habe. Und ich sage meiner Band immer: „Wenn ihr auf der Bühne seid, holt das Ego raus und seid die Größten. Wenn ihr runter seid, will ich, dass ihr bescheiden bleibt.“ Deshalb scheint Backstage bei uns immer die Sonne.

Was machen eigentlich deine Kinder?
Mein Sohn hat eine Heavy-Metal-Band à la Linkin Park – aber mit christlichen Texten. Meine Tochter macht Improvisions-Comedy und ist Sängerin in der Rockband Beasto Blanco. Und meine jüngste Tochter ist Make-up-Artist. Mein Job hat auf meine Kinder abgefärbt. Wir sind eine ziemlich durchgeknallte Familie.

Führst du ein normales Privatleben?
Absolut. Weil ich den exzessiven Charakter Alice Cooper von dem Menschen Vincent Furnier getrennt habe, bin ich im Gegensatz zu meinen besten Kumpels Jim Morrison, Jimi Hendrix und Chris Cornell heute noch am Leben! Ich habe drei Kinder und zwei Enkel – und gehe voll in der Aufgabe des Opas auf. Ich bin seit 41 Jahren mit meiner Frau verheiratet. Der Schockrocker ist privat rundum glücklich und geht jeden Sonntag in die Kirche.

Alice Cooper in unserem Interview: „Miss Piggy war ein Groupie!“
Foto: WENN.com

Doch so regelmäßig?
Ja, denn als ich 1982 mit dem Alkohol brach, fand ich, dass in meinem spirituellen Leben etwas fehlte. Und das war meine Beziehung zu Gott. Also ging ich wie früher als Sohn gläubiger Christen zurück in die Kirche und verband mich wieder mit ihm. Ich gehe mittwochs zur Bibel-Stunde, aber ich spiele trotzdem Alice Cooper. Da gibt es nichts in der christlichen Religion, die verbietet, Schauspieler und Künstler zu sein. Alice Cooper war auch nie satanisch, sondern ist alles immer mit Humor angegangen. Selbst der Pastor in meiner Kirche hat deshalb kein Problem damit, mich nach Gästelistenplätzen für meine Konzerte zu fragen.

Denkst du trotzdem manchmal ans Aufhören?
Niemals! Nicht mal im Ansatz. 70 ist das neue 40! Und so lange Mick Jagger weitermacht, mache ich auch weiter. Er ist der Prototyp. Ich werde erst aufhören, wenn mich mein Körper dazu zwingt. Oder wenn keiner mehr kommt. Aber das war noch nie der Fall. Denn Horror-Rock war noch nie aus der Mode – selbst als die Discowelle kam, haben wir nicht aufgehört, unseren Hard Rock zu spielen. Ich wünschte, dass junge Bands dazu inspiriert werden, auch Hard Rock zu machen.

Du bist passionierter Golfer, so wie US-Präsident Donald Trump.
Oh ja! Das ist die einzige Sache, wo ich völlig mit ihm übereinstimme! Wenn ich Zuhause in Arizona aufwache, gehe ich als erstes zum Golfspielen. Sechs Tage die Woche. Trumps Golfplätze sind übrigens echt gut. Wir waren auch schon mal beide bei einem Golfturnier von Michael Douglas eingeladen. Damals war er noch Geschäftsmann, ich kam gut mit ihm klar.

Sympathisierst du mit ihm?
Trump braucht dringend jemanden, der sich um seine Außenpolitik kümmert, so viel ist sicher. Aber es heißt immer, er sei der schlimmste Präsident, den die USA jemals hatte. Aber das haben sie auch über Bush oder Obama gesagt. Er ist sicherlich der speziellste Kandidat. Er redet und twittert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Auf gewisse Art ist das sehr erfrischend.

Album: Alice Cooper „Paranormal“ (earMUSIC/Edel)

Tourdaten:
02.08. Dresden, Freilichtbühne Großer Garten Junge Garde
05.08. Wacken Open Air
18.11. Krefeld, Königspalast
20.11. Aurich, Arena
21.11. Frankfurt, Jahrhunderthalle
23.11. Berlin, Tempodrom
24.11. Neumarkt i.d. Oberpfalz, Große Jurahalle
25.11. Ludwigsburg, Arena
27.11. Wien, Stadthalle