Dienstag, 01. August 2017, 19:54 Uhr

Filmkritik "Das Gesetz der Familie": Drama mit Gleeson und Fassbender

Zwei großartige Schauspieler, ein großes Drama: In „Das Gesetz der Familie“ spielen Brendan Gleeson und Michael Fassbender Vater und Sohn, deren enges Verhältnis Risse bekommt. Es ist die Geschichte einer Familie und eines Aufbegehrens.

Filmkritik "Das Gesetz der Familie": Drama mit Gleeson und Fassbender
Foto: Kochmedia

Die sind doch alle komplett durchgedreht. Wer rast schon mit seinem Schrottauto quer übers Feld und jagt einen Hasen? Nun, Chad Cutler (Michael Fassbender) hat jedenfalls mächtig Spaß daran – und seinem sechsjährigen Sohn überlässt er das Lenkrad. Ein verrückter Kerl. Eine verrückte Familie. Am Rande der Gesellschaft und jenseits aller bürgerlichen Regeln lebt Cutler wie ein moderner Outlaw mit einer Handvoll Außenseiter in einer Wagenburg aus heruntergekommenen Vans. Mit dem romantischen Hippie-Ideal eines freien, ungebundenen und selbstbestimmten Lebens aber hat das nur wenig zu tun.

Denn das hier ist nicht Robin Hood mit seiner Bande im Sherwood Forest, das hier sind ein paar durchaus gefährliche Sonderlinge. Chef dieses schrägen Haufens ist Chads Vater Colby Cutler (Brendan Gleeson), der im Jogginganzug (mal mit gelben und mal mit roten Streifen) auf seinem zerschlissenen Sessel thront und unbarmherzig über sein kleines Reich herrscht – „Apocalypse Now“ in Gloucestershire, wo sich die Cutlers niedergelassen haben.

Colby ist ähnlich durchgeknallt wie Oberst Kurtz, den Marlon Brando einst in „Apocalypse Now“ verkörperte. Und wenn dieser Mann, der seine Weltanschauung religiös unterfüttert hat, behauptet, die Erde sei flach, dann ist das nicht wirklich ein Scherz. Über die Evolutionstheorie weiß er auch Bescheid: „Ich stamme von keinem Affenarsch ab“, sagt der Mann, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. „Das Gesetz der Familie“ – das ist er, der Pate.

Jenseits aller bürgerlichen Normen hat der Cutler-Clan mit normaler Arbeit nichts am Hut. Die Bande finanziert sich durch Einbrüche. Und aus dieser archaisch anmutenden rauen Rebellen-Welt heraus erwächst ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt, bei dem weiß Gott noch nicht ausgemacht ist, wer seinen Kopf schließlich durchsetzt. Womöglich gibt es am Ende auch nur Verlierer.

Filmkritik "Das Gesetz der Familie": Drama mit Gleeson und Fassbender
Foto: Kochmedia

Dieses Leben in einer Parallelwelt ist nichts mehr für Chad Cutler, der Frau und Kindern ein Stück Normalität bieten möchte. Doch dafür muss er endlich auf eigenen Füßen stehen. Bisher hat er sein Dasein nie in Frage gestellt, jetzt aber beginnt er seine Existenz grundlegend kritischer zu betrachten.. Wird er sich von seinem Vater lösen können?

Es ist eine trostlose und zerschlissene Welt, in der die Farben ganz ausgewaschen erscheinen und in der nur selten die Sonne scheint – eine Morgenröte verheißt sie nicht. Aber auf eine reine Sozialstudie mit einem Familiendrama im Zentrum hatte Regisseur Adam Smith in seinem Spielfilmdebüt offenbar keine Lust.

Der Mann, der sich seine ersten Sporen unter anderem mit Videoclips, beispielsweise für das Musikduo The Chemical Brothers verdiente, rhythmisiert sein düsteres Drama mit einem Haufen erstklassiger Verfolgungsjagden. Die machen aus „Das Gesetz der Familie“ ein atemloses Werk zwischen einer präzise gezeichneten Milieustudie und einem Actionfilm, das von zwei großen Charakterdarstellern getragen wird. (Wolfgang Marx, dpa)