Freitag, 04. August 2017, 18:59 Uhr

Das war das Milkshake-Festival 2017

Am letzten Wochenende ging das mittlerweile sechste Milkshake Festival in Amsterdam an den Start. Traditionell eine Woche vor dem dortigen Christopher Street Day steigt in der niederländischen Hafenstadt das kultige Festival, das sich zu einem der größten LGBT-Events Europas gemausert hat.

Das war das Milkshake-Festival 2017
Foto: Wei Wang

Ganz nach dem Motto “For boys who love girls who love girls who love boys who love boys…” oder auch kurz “For all who love” feierten mehr als 30.000 Leute die Musik, die Liebe und sich selbst. Die Milkshake-Macher haben aber noch Großes vor: So wurde das Festival vor wenigen Wochen auch das erste Mal in Brasilien veranstaltet.

Vorstellen muss man sich das Milkshake Festival wie einen  – oder praktischer erklärt – ein Mix aus Rock am Ring, Karneval der Kulturen und CSD. Dieser Mix kommt an: Seit letztem Jahr wurde die Sause von einem auf zwei Tage verlängert und nun wird das ganze Wochenende auf insgesamt 17 Bühnen und Tanzarealen gefeiert. Da die Stages von unterschiedlichen Eventreihen und Musiklabels gehostet werden präsentierte sich das Festival an beiden Tagen musikalisch sehr vielseitig. So gab es quirlig bunten Elektro-Pop von Acts wie den Village People („YMCA“) oder Drag-DJane Jodie Harsh. Wer es mehr urban mochte konnte sich bei der Vieze Poezendek-Stage auf Auftritte vom queeren Rapper Jay Boogie (Bild à In grauem Kleid) aus New York oder Cookachoo-Frontfrau Anne Faye freuen, die mit unterhaltsamen MC-Fähigkeiten und sexy Tanzeeinlagen beeindruckte.

Nachdem in den letzten Jahren immer mehr deutsche Festivalbesucher das Milkshake stürmten, durften in diesem Jahr gleich zwei Eventreihen aus deutschen Landen je eine Bühne kuratieren. Am Sonntag wurden gleich zwei deutsche Städte und Teile ihres jeweiligen Nachtlebens gefeiert. So gab die Sexy Party Einblicke in die Kölner Electro/Circuit Musik-Szene und die Pakhaus Berlin-Bühne – wie der Name schon erahnen lässt – in das Technotreiben der Hauptstadt. Neben DJ-Größen wie Miss Kittin heizten auf dieser Bühne aktuelle Clubüberflieger wie Deepneue oder auch JD Samson den Freunden elektronischer Tanzmusik ein. Anders wie in Berlin, war hier und auch auf dem restlichen Festival pünktlich um 23 Uhr Schluss.

Auch wenn der Samstag von strömendem Regen überschattet wurde, ließen sich die Festivalbesucher nicht die Stimmung vermiesen: „Das Milkshake ist für mich festivaltechnisch das Highlight des Jahres. Da können mir ein paar Regentropfen nichts anhaben“ sagt Kim aus Amsterdam. „Außerdem sieht der Regenponcho doch ganz süß an mir aus, oder?“.

Das war das Milkshake-Festival 2017
Foto: Wei Wang

Auch in diesem Jahr beeindruckte das Festival wieder durch sein unglaublich aufwendiges Styling, das mit seiner Detailverliebtheit bestach. So konnten die Besucher auch abseits der Bühnen in eine wundervolle Welt abtauchen. Festivalgänger konnten beispielsweise ihre Geburt nochmals nachspielen und aus einer Kunstinstallation, die einer großen Vagina nachempfunden war, herausrutschen. #SoMuchFun

Das diesjährige Milkshake zeigte sich aber auch politisch: Neben der allgemeinen Forderungen für mehr Respekt gegenüber Homosexuellen hielten Teilnehmer der Voguing-Stage Banner mit der Aufschrift „Trans People are not a Burden“ in den Händen. Dies galt als Statement auf den aktuellsten Schlag von Donald Trump gegenüber Transpersonen beim US-Militär. Auch die Forderung der Legalisierung von PreP-Medikamenten zur Prävention vor HIV wurden beim Festival gefordert.

Das war das Milkshake-Festival 2017
Foto: Wei Wang

Auch die Macher sind mit dem Milkshake Festival in diesem Jahr mehr als zufrieden. Das Geheimnis dieses einmaligen Events sind die Leute weiß Veranstalter Sinan Seyhan: „Wir hatten in diesem Jahr Besucher aus 61 verschiedenen Ländern. Wir schauen auf ein sehr erfolgreiches Milkshake in diesem Jahr zurück und freuen uns schon riesig auf das Nächste“. (DA)