Sonntag, 06. August 2017, 19:15 Uhr

Superstar Felix Jaehn: Neues Album schon in der Mache

Er kam, sah und siegte. So könnte die Karriere von Felix Jaehn kurz zusammengefasst werden. Seit nun drei Jahren versorgt der 23-jährige DJ und Produzent die Dancefloors dieser Welt mit seinen verträumten bis ausgelassenen Hits. Mit seiner aktuellen Single „Hot2Touch“ steuert er seinen Beitrag zum Soundtrack des leider ziemlich oft verregneten Sommers bei. klatsch-tratsch.de traf Felix Jaehn zum Gespräch.

Superstar Felix Jaehn: Neues Album schon in der Mache
Foto: Jens Koch

Wovon handelt „Hot2Touch“?
Der Song handelt von einem Mädchen, das zu heiß zum Anfassen ist. Also quasi die Steigerung der Frage: Ist sie „eine 10“? – Nein. Sie ist „too hot to touch“. Also noch heißer. (lacht)

Hast du da spontan ein bestimmtes Mädchen im Kopf?
Eben, als wir essen waren, war da eine Kellnerin, die war auf jeden Fall eine „Hot2Touch“.

An dem Song hast du über zwei Jahre herumgebastelt. Warum hat das so lange gedauert?
Also, den Ansatz zur Hook und auch die Bläsersection gab es schon früh, aber die Produktion hat sich immer noch weiterentwickelt. Wir haben auch den Text diverse Male umgeschrieben und ihn von vier verschiedenen Sängern singen lassen. Dann lag der Song auch mal ein paar Monate herum und nichts passierte. Das ist nicht unwichtig, Ideen müssen reifen. In der Zeit habe ich dann natürlich andere Songs veröffentlicht.

Wie viele potenzielle Hits hast du denn noch in deiner Schublade?
Ich habe etwa 50 Demos herumliegen, die noch nicht fertig sind. Man schreibt und probiert immer mal wieder und lässt dann Dinge wieder ruhen. Aktuell habe ich aber fünf oder sechs Songs auf der Prio-Liste, bei denen ich mir vorstellen könnte, dass sie die nächsten Singles werden.

Sind die dann auch für das Album angedacht?
Ja, auf jeden Fall. Das Album ist noch nicht ganz fertig sondern voll in Bewegung und es kommen noch Songs dazu, aber ich arbeite jetzt tatsächlich auch schon an Songs für das darauffolgende Album.

Kannst du schon etwas zum ersten Album sagen?
Ich kann dir sagen, dass es sehr bald kommen wird. Ich denke, ich bin jetzt auch bereit dafür. 2014 ging es ja für mich los, da waren – aus dem Nichts – zwei so große Hits da und dann erwartet irgendwie jeder sofort ein ganzes Album. Davon haben wir auch lange gesprochen, aber ich war künstlerisch noch gar nicht so weit. Ich musste erst einmal für mich sehen, wo es überhaupt hingehen soll. Die bisherigen Singles werden Teil meines ersten Albums sein, ich finde, die dürfen einfach nicht fehlen. Es wird aber auch viele neue Songs geben.

Superstar Felix Jaehn: Neues Album schon in der Mache
Foto: Jens Koch

Du arbeitest ja häufig mit Künstlern wie beispielsweise Alma, Omi oder jetzt auch Alex Aiono, die davor hierzulande noch eher unbekannt sind. Nach welchen Kriterien gehst du bei der Suche nach Sängern vor?
Es ist tatsächlich meist mein persönlicher musikalischer Geschmack. Die Stimme muss mir gefallen und mich berühren. Ich mag interessante Charaktere, Leute, die etwas zu erzählen haben wie beispielsweise Alma. Sie ist ein komplett anderer Typ als Alex Aiono. Sie ist tough, ganz nach dem Motto: „Ihr könnt mich alle mal! Ihr habt mich früher gemobbt und jetzt seht her, wer ich bin“. Sie kommt wirklich mit diesem riesen Selbstbewusstsein um die Ecke. Alex ist eher der Sunnyboy, der immer gut drauf und am Herumtanzen ist. Beide sind aber auf ihre Art und Weise total spannend. Sie sind unglaublich talentiert und haben tolle Stimmen. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass es musikalisch passt. Bei „Hot2Touch“ haben wir ja verschiedene Vocals ausprobiert und als Alex eingesungen hat, da war auf einmal was da. Seine Vocals machen den Song echt rund!

Superstar Felix Jaehn: Neues Album schon in der Mache
Foto: Christian Walter

Du hast in deiner Karriere schon unglaublich viele Auszeichnungen bekommen. Alleine 60-mal Platin. Was macht man mit diesen ganzen Teilen? Stapelt man die zu Hause oder verschenkt man die?
Viele Awards stehen tatsächlich noch auf dem Boden rum. Ich habe kürzlich mein Studio umgebaut und habe mir gesagt, dass ich von jedem Lied maximal eine Platte aufhänge. Von „Ain’t Nobody“ habe ich so viele Awards aus unterschiedlichen Ländern bekommen, ich kann die nicht alle aufhängen. Das wäre ein bisschen too much, denn auf vielen der Platten ist mein Foto und ich will mich irgendwie auch nicht 15-mal selbst angucken. (grinst) Manche bleiben dann einfach in der Ecke stehen und ich gucke die ab und an mal durch und freue mich. Der Double Platin UK Award von „Cheerleader“ hängt bei meiner Oma in der Küche und hat den alten Familienkalender, der da immer hing, ersetzt. (lacht) Meine Großeltern sind beide über 90 und haben da total ihre Freude dran und das macht mich echt glücklich. Sie verfolgen auch immer mit ihrem alten Küchenradio, was ich so mache.

Superstar Felix Jaehn: Neues Album schon in der Mache
Foto: Christian Walter

In welchen Momenten kannst du deine eigene Musik nicht hören?
Zum Beispiel, wenn ich von einer Show komme oder von einer Tour nach Hause fahre. Ich höre dann im Auto aber gar keine Popmusik, sondern habe Klassik im Hintergrund laufen. Dazu kann ich gut entspannen. Aber ich muss auch sagen, dass ich beispielsweise „Ain‘t Nobody“ – den Track lege ich seit drei Jahren in jedem Set auf – noch heute gerne spiele. Ich finde es immer sehr beeindruckend zu sehen, wie die Leute den komplett mitsingen können, total abgehen, sich freuen. Ich verbinde mit meinen Songs viele Erinnerungen und tolle Situationen, die ich durch sie erleben durfte.

Diese Lieder haben dich aber auch davon abgehalten dein BWL-Studium fertigzumachen …
Ja, aber das ist nicht weiter schlimm. (lacht) Ich kann sagen, dass ich an allen Prozessen die gerade im Hintergrund laufen interessiert und in viele involviert bin. Eigentlich mache ich ja gerade die beste Ausbildung überhaupt. Es ist quasi wie eine Case-Study am eigenen Fall und ich lerne mehr, als ich jemals in einer Ausbildung hätte lernen können. Und -wer weiß, was ich in 10 oder 20 Jahren mache. Vielleicht wechsele ich dann die Seiten und unterstütze selbst junge Talente auf ihrem Weg.

Es gibt momentan unglaublich viele junge und talentierten DJs in deinem Genre. Wie muss man sich das vorstellen, wenn ihr backstage bei Festivals aufeinandertrefft?
Es ist vermutlich wie in jedem anderen Job auch – man hat Leute mit denen man besser und andere mit denen man weniger gut klarkommt. Grundsätzlich sind wir aber alle jung, machen Musik, leben unseren Traum und haben zusammen total viel Spaß. Als ich jetzt beispielsweise im Frühjahr auf Bali war, hat Kungs am gleichen Abend auch eine Clubshow gespielt. Ich bin nach meinem Gig noch zu seinem gefahren, da haben wir spontan zusammen aufgelegt und danach noch bis morgens um sechs im Hotelpool gechillt, ein Bierchen getrunken und über Musik geredet. Mit Lost Frequencies habe ich ja mal einen Song gemacht und immer wenn wir uns sehen hängen wir auch zusammen ab. Das ist für mich echt schön, dass ich neben meinen alten Schulfreunden auch einen Kreis von so vielen neuen Freunden habe, die in einer ähnlichen Position sind wie ich sind. Kungs oder Lost Frequencies durchleben gerade das Gleiche wie ich und es ist schön, sich mit ihnen darüber austauschen zu können.