Mittwoch, 09. August 2017, 10:55 Uhr

Taylor Swift vor Gericht: Wars die Rippe oder doch der Hintern?

Taylor Swift steht im Rampenlicht, aber diesmal nicht auf der Bühne oder mit irgendeinem neuen Lover, sondern in einem Gerichtssaal in Colorado. Es geht um Grapsch-Vorwürfe gegen einen Radiomoderator. Swift wird im Zeugenstand erwartet.

Taylor Swift vor Gericht: Wars die Rippe oder doch der Hintern?
Foto: Pacific Coast News/WENN.com

Waren es ihre Rippen oder ihr Po? War es ein versehentliches Berühren oder dreistes Begrapschen? Wem werden die die zwei Männer und sechs Frauen auf der Geschworenenbank im Gerichtssaal von Denver glauben? Der Country-Pop-Sensation und zehnfachen Grammy-Gewinnerin Taylor Swift (27) oder dem früheren Radio-DJ David Mueller, der seinen Hörern beim Sender KYGO als „Jackson“ einheizte.

Der schlagzeilenträchtige Grapsch-Prozess, der am Dienstag (Ortszeit) mit ersten Vorwürfen und Aussagen eröffnet wurde, wirft viele Fragen auf. Fest steht nur: Die „Shake It Off“-Sängerin stellt ihre kurze Begegnung mit Mueller im Juni 2013 völlig anders dar, als der heute 55-jährige Radiomoderator. Swift sagt, Mueller habe ihr – damals 23 Jahre alt – unter den Rock und an den Po gefasst. Mueller hingegen behauptet, er habe unabsichtlich mit einer zur Faust geschlossenen Hand Swift in der Rippen-Gegend berührt.

Gut drei Meter voneinander entfernt saßen Swift und Mueller in dem vollgepackten Gerichtssaal, wie der Sender FOX31 berichtete. Die Sängerin, die Haare zu einem Dutt hochgesteckt, hatte ihre Mutter Andrea an der Seite. Swift habe stoisch gewirkt, doch dann die Stirn gerunzelt und den Kopf geschüttelt, als Muellers Anwalt schilderte, dass kein unsittliches Berühren stattgefunden habe.

Ein wichtiges Beweismittel stand gleich zum Prozessauftakt im Rampenlicht: Ein Foto, das Swift lächelnd zwischen Mueller und dessen damaliger Freundin zeigt. Im Backstage-Bereich einer Konzerthalle hatte der Star mit Fans und VIP-Gästen posiert. Dabei sei das Foto entstanden und dabei sei es passiert, erläuterte Swifts Anwalt in seinem Eröffnungsplädoyer. „Der Typ hat mir gerade an den Hintern gegriffen“, soll sich die Sängerin damals gleich empört haben, sagte ihr Anwalt Douglas Baldridge nach Angaben der Zeitschrift „People“. „Das ist Körperverletzung“, bekräftigte der Jurist.

Mueller wurde nach dem Vorfall aus der Konzerthalle geworfen und verlor zwei Tage später seinen gut bezahlten Job. In seiner 2015 eingereichten Klage gegen Swift und ihr Team behauptet er, deren falsche Anschuldigungen hätten ihn um sein Jahresgehalt von 150 000 Dollar (rund 127 000 Euro) gebracht. Die Sängerin wiederum wirft Mueller in ihrer Gegenklage Missbrauch und Körperverletzung vor.

In dem auf zehn Tage angesetzten Zivil-Prozess soll auch Swift in den Zeugenstand treten. Der Sängerin gehe es um eine symbolische Entschädigung in Höhe von einem Dollar, sagt Swifts Anwalt. Seine Mandantin wolle aber allen Frauen zeigen, dass man sich gegen sexuellen Missbrauch wehren kann. Mueller wiederum verlangt eine Millionenentschädigung. Er habe seinen Traumjob verloren, lamentierte der DJ nach Angaben der „Denver Post“.

Swift-Fans bietet der Prozess eine seltene Chance, den Star abseits der Konzertbühne aus der Nähe zu erleben. Schon um vier Uhr morgens hätten Schaulustige vor dem Gerichtsgebäude Schlange gestanden, berichtete die „Denver Post“. Rund zwei Dutzend Zuschauer sind neben Reportern in dem Gerichtssaal zugelassen. Es sei „bewundernswert“, dass Swift vor Gericht gehe und sich gegen Belästigung wehre, sagte die 18-jährige Claire Beckman der Zeitung. „Ich will mir das anschauen und etwas dabei lernen.“

Swifts Einsatz gegen sexuelle Belästigung und Gewalt ist nicht neu. Im vorigen Jahr unterstützte sie die Sängerin Kesha („Tik Tok“) mit 250 000 Dollar für deren Rechtsstreit gegen einen Produzenten, dem Kesha unter anderem sexuellen Missbrauch vorwirft. Auch andere bekannte Musikerinnen hatten sich mit Kesha solidarisch gezeigt, darunter Kelly Clarkson, Ariana Grande und Lady Gaga. (Barbara Munker, dpa)