Mittwoch, 09. August 2017, 9:18 Uhr

Vanessa Mai: Albumkritik "Regenbogen"

Mit 25 Jahren hat Schlagersängerin Vanessa Mai schon viel erreicht: Ihr letztes Album wurde 2016 mit Platin ausgezeichnet, ein Echo krönte den Erfolg. Jetzt bringt sie ihr neues Album raus – und gibt sich elektronisch-poppig.

Vanessa Mai: Albumkritik "Regenbogen"
Foto: Sandra Ludewig

Schlager gepaart mit einer ordentlichen Portion Sexappeal. Dass diese Kombination gute Chancen auf Erfolg verspricht, weiß auch Sängerin Vanessa Mai. Mit Smokey Eyes und Sixpack präsentierte sie sich ihren Fans in den vergangenen Wochen auf ihrem Instagram-Profil sexier denn je. Von dem unschuldigen Schlager-Sternchen mit Wallemähne und Zahnpastalächeln scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Stattdessen zeigt sie im Musikvideo zu ihrer neuen Single „Nie wieder“ viel Haut und beweist mit roten Haaren und lila Lippenstift Mut zu Farbe.

Und der Imagewandel ist kein Zufall. Die Sängerin veröffentlicht am Freitag (11. August) ihr drittes Studioalbum „Regenbogen“. Obwohl Mai, die als Sängerin der Schlagerband „Wolkenfrei“ bekannt wurde, schon zwei Alben als Solo-Künstlerin produziert hat, sei dieses Mal alles anders gewesen: „Ich habe überhaupt nicht mehr nachgedacht. (…) Ich habe einfach das gemacht, was ich gefühlt habe“, erzählt Mai im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Zum ersten Mal habe sie an den meisten Songs mitgearbeitet. Den letzten Titel auf dem Album, die Liebesballade „Ich kann heute Nacht nicht schlafen“, habe sie sogar selbst geschrieben: „Ich habe das Gefühl, das sind wirklich Vanessa Mai-Songs. (…) Das sind Songs, die nicht mehr so austauschbar sind und die zu keinem anderen passen.“

Die Unterstützung von erfahrenen Erfolgsproduzenten durfte natürlich trotzdem nicht fehlen. Wieder an ihrer Seite: Musik-Urgestein Dieter Bohlen. Der hatte auch schon das mit Platin ausgezeichnete Vorgänger-Album „Für Dich“ produziert. Aber auch der deutsche Produzent Lukas Hilbert, der in Los Angeles lebt und dort mit Künstlern wie Chris Brown und Kesha zusammenarbeitet, hat das Album laut Mai stark beeinflusst.

Vanessa Mai: Albumkritik "Regenbogen"
Foto: Sandra Ludewig

Das Ergebnis: Elektronisch-poppige Liebeslieder mit eingängigen Dance-Beats. Wer den Song „Schönster Moment“ hört, denkt kaum noch an eine Discofox-Party im 4/4-Takt. Und genau das scheint Vanessa Mai zu gefallen: „Vom Sound her fühlt sich alles richtig an. (…) Gerade diese Songs sind ein Schritt in die Richtung, wo ich mich auch in Zukunft sehe.“

Der Startschuss für eine internationale Karriere? „Ich fühle mich sehr wohl in der deutschen Sprache und habe Spaß daran, den deutschen Schlager zu dem zu machen, wie ich ihn sehe“, erzählt Mai im Interview. Eine internationale Karriere würde sie zwar nicht ausschließen, aber auch nicht erzwingen wollen. Sie plane nun mal eben nicht gerne.

Das sei im Privatleben auch nicht anders. Vor einigen Wochen heiratete sie ihren langjährigen Freund und Manager Andreas Ferber in einer kleinen Zeremonie auf Mallorca: „Der größte Horror wäre für mich gewesen, die Hochzeit ein Jahr zu planen, die Servietten auszusuchen und die Tischkarten zu schreiben. Deswegen war dieses Kurzfristige voll mein Ding.“

An ihrem Erfolg hingegen hat die Künstlerin jahrelang hart gearbeitet. Einem breiten Publikum wurde die Schlagersängerin erst als Jurorin an der Seite von Dieter Bohlen in der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ und durch ihre Teilnahme an der RTL-Show „Let’s Dance“ bekannt, bei der sie sich bis ins Finale tanzte.

Vanessa Mai: Albumkritik "Regenbogen"
Foto: Sandra Ludewig

Wurde sie zu Beginn ihrer Karriere noch ständig mit Helene Fischer verglichen, ist der Name Vanessa Mai in der deutschen Schlagerlandschaft inzwischen etabliert. „Ich habe das Gefühl, die Leute haben anerkannt und erkannt, dass ich eine andere Generation bin und die Dinge eben anders mache.“ Geehrt fühle sie sich durch den Vergleich trotzdem. „Über zehn, zwanzig Jahre erfolgreich zu sein, ist schon eine Ansage.“ Und das sei etwas, das sie sich für ihre Zukunft auch wünsche. (Christina Sabrowsky, dpa)