Donnerstag, 10. August 2017, 20:42 Uhr

Lars Eidinger: Umstrittene "Mathilde" kommt in russische Kinos

In Russland ist der Umgang mit der eigenen Geschichte nicht immer ganz einfach. Ein Film, der eine amouröse Beziehung Nikolaus‘ II. mit einer Tänzerin zum Thema macht, wird von Kirche und Monarchisten heftig kritisiert.

Lars Eidinger: Umstrittene "Matilde" kommt in russische Kinos
Foto: Kinostar

Nikolaus ist der zukünftige Erbe des russischen Throns. Mathilde eine weltbekannte Ballerina. Ihre flüchtige Affäre steigert sich zu einer stürmischen Romanze, die bei Hofe missbilligt wird. Ihr unbeschwertes Glück hätte ewig andauern können, wenn nicht der vorzeitige Tod von Nikolaus’ Vater seine Krönung und die Heirat mit Alix von Hessen aus Gründen der Staatsräson notwendig gemacht hätten. Seine Zukunft liegt in der Verantwortung für sein Volk, dessen Zar und Beschützer er ist. Die stürmische Leidenschaft von Nikolaus und Mathilde hätte die russische Geschichte verändern können. Ihre Liebe wurde zur Legende. Soviel zur Geschichte des Films.

Ungeachtet orthodoxer Proteste hat das russische Kulturministerium den Historienfilm mit dem deutschen Theater- und Kinostar Lars Eidinger zur Aufführung freigegeben. Eidinger spielt in dem Werk von Alexej Utschitel den künftigen Zare, der die polnische Tänzerin Matilda Kschessinskaja liebt. Nach mehreren Verzögerungen soll „Matilda“ am 26. Oktober in die russischen Kinos kommen.

Der Film sei ab 16 Jahren freigegeben, sagte Wjatscheslaw Telnow, Leiter der Filmabteilung im Ministerium. Rechtlich sei an dem Werk nichts auszusetzen. „Jeder Bürger hat die Wahl, den Film zu sehen oder nicht“, sagte er am Donnerstag in Moskau vor Journalisten.

Lars Eidinger: Umstrittene "Matilde" kommt in russische Kinos
Foto: Kinostar

Regisseur Utschitel sieht sich seit Monaten wütenden Protesten von Monarchisten wie konservativen Orthodoxen ausgesetzt. Die russische Kirche hat den 1918 ermordeten Zaren heiliggesprochen. Im Juli versammelten sich Tausende Gläubige zu einem nächtlichen Gebet gegen „Matilda“. Die Abgeordnete Natalja Poklonskaja von der Krim, die als besonders zarentreu gilt, hat dem Filmemacher mehrfach die Staatsanwaltschaft zu Überprüfungen ins Haus geschickt.

Die Aufführungslinzenz gelte für ganz Russland, sagte Telnow. Es sei nicht möglich, einzelne Regionen auszunehmen; die örtlichen Verwaltungen könnten aber über Vorführungen entscheiden. Die muslimisch geprägten Teilrepubliken Tschetschenien und Dagestan im Nordkaukasus hatten gefordert, den Film bei ihnen zu verbieten. (dpa/KT)

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