Montag, 14. August 2017, 21:50 Uhr

Filmkritik "Table 19": Wenig zu lachen hinten am Verlierertisch

Liebe, Gags und Soul-Musik: Hochzeitsfilme funktionieren immer gleich. „Table 19“ ist anders, denn die Komödie erzählt von den Gästen am Verlierertisch. Mit Anna Kendrick und Lisa Kudrow.

Filmkritik "Table 19": Wenig zu lachen hinten am Verlierertisch
Foto: 20th Century Fox

Bei jeder Hochzeit gibt es solche Gäste: nett, aber sie stehen einem eben nicht mehr nah. Eigentlich sind diese Menschen aus dem Leben des Paares verschwunden, aber aus Pflichtgefühl bekommen sie doch eine Einladung. In „Table 19 – Liebe ist fehl am Platz“ sitzen all diese Gäste am selben Tisch. Da ist zum Beispiel die Verflossene des Bruders der Braut (wie so oft unterfordert: Anna Kendrick, „Pitch Perfect“), die einstige Babysitterin (June Squibb, „Nebraska“) und der im Gefängnis sitzende Neffe der Familie (Stephen Merchant, kreativer Kopf hinter dem „Stromberg“-Original „The Office) auf Freigang.

Kurz nach ihrem Kennenlernen sitzen diese Menschen ohne Illusionen herum: „Ich kann von hier aus das Klo riechen, das zeigt doch, wie gut wir das Paar kennen“, sagt ein weiterer Gast von ihnen, ein Geschäftsfreund der Familie (Craig Robinson, Daryl aus „The Office“), enttäuscht verheiratet mit einer schnippischen Frau, die hier von Lisa Kudrow (Phoebe aus „Friends“) gespielt wird.

Filmkritik "Table 19": Wenig zu lachen hinten am Verlierertisch
Foto: 20th Century Fox

Die Besetzung ist also erfahren in ähnlichen Filmen des Genres. Und auch die Autorenbrüder Mark und Jay Duplass sind bekannt dafür, aus einfachen Ideen, kleine und smarte Independent-Filme zu schreiben. Gute Beispiele sind das intime Alte-Liebe-rostet-nicht-Drama „Blue Jay“ oder „The Puffy Chair“, ein Roadmovie über einen jungen Mann, der quer durch die USA fährt, um seinem Vater einen Sessel zu liefern.

Auch „Table 19“ fühlt sich zu Beginn nach einer solchen netten Spielerei an. Gnädige 82 Minuten Nettolaufzeit ohne Vorspann und Credits sorgen zudem dafür, dass der Film flott voranschnurrt und „Table 19“ in den besten Momenten an ein Buch des Briten Nick Hornby erinnert.

Filmkritik "Table 19": Wenig zu lachen hinten am Verlierertisch
Foto: 20th Century Fox

Nach einer Weile entscheidet sich aber die schrullige Truppe, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie verlassen die Feier und erzählen einander aus ihren Leben. Schon vorher klingen manche Gags wie aus einer kaum zusammenhängenden Sketch-Revue und ab der Mitte sinkt die Dichte an guten Lachern noch einmal spürbar – spätestens da entgleitet dem Film auch die Handlung vollends.

Dafür passiert etwas anderes, denn trotz aller Probleme mit den Charakteren vom Reißbrett und kaum zündenden Witzen, sind diese Verlierer nicht ohne Charme. Je länger der Film voranschreitet, desto mehr wachsen sie einem ans Herz. Am Ende ist es eben doch eine Idee, die zieht: Endlich einmal stehen die Figuren im Zentrum, die sonst in Hochzeitskomödien nur Staffage sind. (Christian Fahrenbach, dpa)