Mittwoch, 16. August 2017, 21:46 Uhr

Filmkritik "The Promise": Liebesdrama und Völkermord-Grauen

Vor einem düsteren zeitgeschichtlichen Hintergrund erzählt der politisch korrekte Historienfilm „The Promise“ – ein pathetisches Drama, das den Zuschauer eher ratlos zurücklässt. Wie passen Herzschmerz und Völkermord zusammen?

Filmkritik "The Promise": Liebesdrama und Völkermord-Grauen
Foto: Capelight

Ein 90-Millionen-Dollar-Budget, zwei männliche Hollywoodstars und eine bildhübsche Französin in einer tragischen Dreiecksbeziehung: Dieses Liebesdrama hat eigentlich alle Voraussetzungen für ein großes Melodram im Stil von „Lawrence von Arabien“ oder „Der englische Patient“.

Aber trotzdem hinterlässt „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ von Regisseur Terry George („Hotel Ruanda“) einen zwiespältigen Eindruck, weil das Massaker an den Armeniern zu Beginn des Ersten Weltkrieges zentraler Bestandteil des Drehbuchs ist. Und es doch einfach nicht zu den Bildern von Liebe und Herzschmerz inmitten der Farbenpracht des mondänen Konstantinopel passen will.

Worum geht es? Der junge armenische Medizinstudent Michael Boghosian (Oscar Isaac) kommt 1914 aus seinem idyllischen, friedlichen Dorf in die brodelnde, multikulturelle Metropole Konstantinopel. Dort lernt er den charmant-ruppigen, amerikanischen Reporter Chris Myers (Christian Bale) und dessen bezaubernde Geliebte Ana (Charlotte Le Bon) kennen, die ebenfalls armenische Wurzeln hat. Michael und Ana fühlen sich zueinander hingezogen, eine leidenschaftliche Affäre nimmt ihren Lauf.

Währenddessen kommt es zu ersten Ausschreitungen gegen Armenier, bald befinden sich Michael und Ana auf der Flucht. Die Geliebten werden später getrennt, während der unliebsame Journalist Chris von den türkischen Behörden inhaftiert und mundtot gemacht wird. Es kommt zum dramatischen Showdown auf dem Berg Musa Dagh, wo Tausende armenischer Kämpfer heldenhaften Widerstand leisten.

Filmkritik "The Promise": Liebesdrama und Völkermord-Grauen
Foto: Capelight

Da ist dann auch der nicht ganz kitschfreie Gipfel des Pathos in „The Promise“ erreicht. Zuvor haben wir heiße Liebesnächte erlebt, dann kommen Scharmützel wie in einem „Indiana-Jones“-Film, schließlich Verfolgung und Tod. Es ist schade: Der irische Regisseur Terry George hat 2004 mit „Hotel Ruanda“ einen grandiosen, aufrüttelnden Film über den Völkermord in Ruanda gedreht. Aber damals war die Geschichte des Hotelbesitzers (gespielt von Don Cheadle), der Tausende verfolgte Tutsi gerettet hat, authentisch.

Im Falle von „The Promise“ erzählt George, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, eine fiktive Herzschmerz-Love-Story vor dem Hintergrund historischer Gräueltaten. Das passt nicht zusammen, ja man kann dies sogar geschmackslos finden. In den großen Melodramen der Filmgeschichte von „Casablanca“ bis zu „Der englische Patient“ sind Krieg und Vernichtung immer nur ein fernes Hintergrundrauschen, anders wäre der Fokus auf die großen Gefühle gar nicht möglich oder schlicht unglaubwürdig.

Filmkritik "The Promise": Liebesdrama und Völkermord-Grauen
Foto: Capelight

Dabei geben die hochkarätigen Schauspieler alles, um den Charakteren Leben und Leidenschaft einzuhauchen. Zum Ende hin gibt es sogar noch einen Kurzauftritt von Jean Reno. Aber die geballte Kraft des historischen Grauens ist stärker. Und so lässt dieses opulente Historiendrama die Zuschauer ziemlich ratlos zurück. (Johannes von der Gathen, dpa)