Dienstag, 22. August 2017, 21:05 Uhr

Filmkritik "Annabelle 2": Die Horror-Puppe kehrt zurück

Knapp drei Jahre ist es her, dass die dämonische Puppe „Annabelle“ weltweit die Kinocharts eroberte. Jetzt ist sie zurück. Das neue Werk setzt dabei auf Altbewährtes – und macht trotzdem vieles richtig.

Filmkritik "Annabelle 2": Die Horror-Puppe kehrt zurück
Foto: Warner Bros.

Aufgerichtet sitzt die Stoffpuppe in der versiegelten Glasvitrine, unter ihr steht in blutroten Buchstaben: „Auf keinen Fall öffnen!“. Die Puppe „Annabelle“ sitzt heute als Exponat im „Occult Museum“ im US-Bundesstaat Connecticut – und ist spätestens seit dem gleichnamigen Film Horror-Liebhabern weltweit ein Begriff. Regisseur und „Saw“-Schöpfer James Wan (40) hatte sich mehrfach von den paranormalen Geschichten inspirieren lassen und mit den „The Conjuring“-Filmen sowie „Annabelle“ große Erfolg verbuchen können.

Jetzt kehrt die unheimliche Puppe in „Annabelle 2“ auf die Kinoleinwand zurück. Der Film ist keine Fortsetzung im klassischen Sinne, sondern ein Prequel, erzählt also eine Vorgeschichte. Die soll die Ursprünge der mysteriösen Puppe und ihrer dämonischen Besessenheit näher beleuchten.

In dem Werk nehmen der Puppenmacher Samuel Mullins und seine Frau Jahre nach dem Tod ihrer Tochter sechs Waisenkinder und deren Betreuerin, eine junge Nonne, bei sich zu Hause auf. Das Haus, das auf den ersten Blick so charmant und einladend wirkt, entpuppt sich jedoch bald als gefährliche Falle. Denn die Mullins leben nicht alleine in dem Haus. Eine dunkle Präsenz scheint sich von der Puppe „Annabelle“, dem Lieblingsspielzeug der verstorbenen Tochter der Mullins, immer weiter auszubreiten und wie ein Schatten über die zahllosen Zimmer und Gänge zu legen. Bald schon wird klar, dass die Mädchen in dem Haus keine Gäste sind – sondern Gefangene.

Der von James Wan in den Regisseurstuhl berufene David F. Sandberg setzt zumindest bei der Inszenierung des Films auf Altbewährtes. Verschlossene Türen, verbotene Räume, ein abgeschiedenes Haus in der Ödnis: All das klingt zunächst einmal nicht nach einem neuartigen Gruselerlebnis, das sich von vergleichbaren Filmen des Genres abhebt.

Filmkritik "Annabelle 2": Die Horror-Puppe kehrt zurück
Foto: Warner Bros.

Glücklicherweise macht Sandberg jedoch das, was ihn überhaupt erst in die Riege der Hollywood-Regisseure katapultiert hat: „Licht aus“. Mit seinem YouTube-Kurzfilm „Lights Out“ war ihm 2013 eine virale Sensation gelungen. Der Film wurde Millionen Male angesehen und zeigte eindrucksvoll, wie Einsatz und Absenz von Licht aufwendige Computer-Effekte in den Schatten stellen können. Und auch in „Annabelle 2“ beweist Sandberg wieder einmal das Potenzial, das in vollkommener Schwärze liegt. Kaum ein Filmmonster kann an das heranreichen, was die eigene Vorstellungskraft der Zuschauer in Sandbergs pechschwarze Gänge und dunkle Ecken hineinzuprojizieren vermag.

Mit besonders weiten Kamerawinkeln und breiten Bildern wird dem Bösen zudem auch perspektivisch großflächiger Raum zur Entfaltung eingeräumt. Untermalt wird das Ganze dann von Musik, bei der sich der Regisseur stark von Stanley Kubricks Soundtrack zu „The Shining“ inspirieren ließ: nostalgischer Akustikhorror.

Filmkritik "Annabelle 2": Die Horror-Puppe kehrt zurück
Foto: Warner Bros.

Ein weiterer klarer Pluspunkt des Films ist, dass ausnahmslos alle Schauspieler in ihren Rollen überzeugen. Vor allem die Chemie zwischen den beiden Kinderdarsteller Talitha Bateman und Lulu Wilson verschafft dem Film zusätzliche Glaubwürdigkeit.

All das trägt dazu bei, dass der Film deutlich gruseliger daherkommt als sein Vorgänger. Und es lässt hoffen, dass die bereits abgedrehte Fortsetzung atmosphärisch auf vergleichbar hohem Niveau angesiedelt sein wird. Die steht nämlich bereits in den Startlöchern: „The Nun“ soll im Juli 2018 Premiere feiern. (Fabian Wegener, dpa)