Samstag, 26. August 2017, 18:15 Uhr

Filmtipp "Einsteins Nichten": Die Geschichte eines Massakers

Zugegeben, der Filmtitel „Einsteins Nichten“ klingt etwas abturnend. Doch die Geschichte dahinter ist alles andere als das. Am Donnerstag startete der Dokumentarfilm in den deutschen Kinos. Es ist die bewegende Geschichte eines unfassbaren Familienmassakers.

Filmtipp "Einsteins Nichten": Die Geschichte eines Massakers
Foto: Cinefattoria I NFP* I Bayerischer Rundfunk 2016

„Einsteins Nichten – Eine Geschichte von Verlust und Überleben“ ist ein berührender Dokumentarfilm über die tragische Geschichte der Familie Einstein in Italien und zwei starke Schwestern mit einem außergewöhnlichen Schicksal. Ihr charmanter Humor, ihre Stärke und ihr Lebensmut machen den Film zu einem bewegenden Plädoyer für das Leben, Versöhnung und Frieden.

Im August 1944 sucht die Wehrmacht in der Toskana nach Robert Einstein, einem Cousin und engen Freund von Albert Einstein. Die Deutschen ermorden Roberts Frau Nina und seine beiden Töchter Luce und Cici, eine Medizinstudentin und eine Schülerin. Robert Einstein selbst kann sich im Wald verstecken und überlebt das Massaker.

Blutüberströmt liegen Nina, Luce und Cici am Boden – die Mutter noch schützend ihre Kinder in den Armen haltend. Die 14-jährigen Nichten Lori und Paola werden im Nebenraum von einem jungen deutschen Soldaten bewacht und Zeugen der abscheulichen Morde. Der junge deutsche Soldat zittert nach der Hinrichtung am ganzen Körper und bricht in einen Weinkrampf aus. Lori und Paola stehen Todesängste aus. Doch sie kommen mit dem Leben davon, weil sie nicht den Namen Einstein tragen…

Den Angehörigen, Freunden und Angestellten bietet sich ein Bild des Schreckens in der Villa. Robert Einstein beerdigt seine Frau und seine Töchter auf dem Friedhof des Landguts. Ein Jahr später, an seinem Hochzeitstag im August 1945, begeht Robert Selbstmord in der Villa „Il Focardo“.

Filmtipp "Einsteins Nichten": Die Geschichte eines Massakers
Foto: Cinefattoria I NFP* I Bayerischer Rundfunk 2016

Nach über 70 Jahren kehren die einzigen Überlebenden, die heute 90 Jahre alten Zeuginnen dieses schrecklichen Verbrechens zum ersten Mal an den Ort des Geschehens zurück und erzählen ihre bewegende Geschichte. „Ich habe Angst“, sagt die eine und die andere erwidert tapfer, als sie die Toreinfahrt betreten: „Halten wir uns aneinander fest.“ …

Nach ebenso fast 70 Jahren haben die Staatsanwaltschaft von Landau in der Pfalz sowie das LKA in Stuttgart die Ermittlungen wieder aufgenommen, in der spärlichen Hoffnung, die noch lebenden Mörder von damals anzuklagen. Mord verjährt nicht! Man wendet sich dafür sogar an die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“. (siehe Video unten) Die Kriminalbeamten suchen auch den jungen deutschen Soldaten, der Lori und Paola Mazzetti bewacht hat und der keine Bestrafung zu befürchten hätte. Das war vor sechs Jahren. Bisher ohne Erfolg. Daraufhin entstand dieser Film… (Friedemann Fromm/KT)

Filmtipp "Einsteins Nichten": Die Geschichte eines Massakers
Foto: Cinefattoria I NFP* I Bayerischer Rundfunk 2016

ZUR PERSON:
Nach dem Abitur studiert der gebürtige Stuttgarter Friedemann Fromm an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film sowie bei Krzysztof Kieslowski an der Europäischen Filmakademie in Amsterdam. In New York besucht er das Actors Studio und absolviert eine Schauspielausbildung bei John Costopoulos.

Als freier Regisseur und Autor lehrt er nach dem Studium als Dozent für Regie an der Kunsthochschule für Medien in Köln, bis er sich 1994 mit dem viel beachteten bayerischen Tatort KLASSENKAMPF, für den er auch das Drehbuch schreibt, endgültig als Regisseur etabliert. Es folgen weitere Tatort-Produktionen. Jahre später kommt Fromms Spielfilm SCHLARAFFENLAND in die Kinos.

Ein weiterer großer Erfolg gelingt ihm 2009 mit dem Dreiteiler DIE WÖLFE, zu dem er – diesmal gemeinsam mit Bruder Christoph Fromm – das Drehbuch verfasst: Das Doku-Drama um den Alltag einer Berliner Clique von der Nachkriegszeit bis zum Mauerfall wird mit dem Grimme-Preis, dem internationalen Emmy Award und der Goldenen Nymphe honoriert.

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Foto: Cinefattoria I NFP* I Bayerischer Rundfunk 2016

Mit dem ebenfalls für den Grimme-Preis nominierten Fernsehformat WEISSENSEE mit Florian Lukas in einer Hauptrolle inszeniert Friedemann Fromm seit 2010 erneut ein Stück deutsch-deutscheGeschichte. Ab der zweiten Staffel, die 2013 in der ARD ausgestrahlt wird, wirkt er selbst als Drehbuchautor mit.

Für die dritte Staffel WEISSENSEE wird Friedemann Fromm als Autor und Regisseur im März 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.