Dienstag, 05. September 2017, 22:20 Uhr

Prinzessin Dianas Trauerprozession: Wie war das damals?

Die Trauerfeier für Prinzessin Diana vor 20 Jahren ist eines der größten Medienereignisse der Geschichte. Zwei Milliarden Menschen verfolgen es weltweit. Das Ereignis verändert das Verhältnis von Volk und Königshaus bis heute.

Prinzessin Dianas Trauerprozession: Wie war das damals?
Vor 20 Jahren starb Prinzessin Diana. Foto: John Stillwell

Langsam bewegt sich der Sarg von Prinzessin Diana die Londoner Prachtstraße „The Mall“ hinunter, gezogen von sechs schwarzen Pferden auf einem Kanonengespann. Gegen die Regeln des Protokolls ist er in die königliche Flagge gehüllt. Die stille Prozession am 6. September 1997, knapp eine Woche nach dem Unfalltod der „Königin der Herzen“, ist kein Staatsakt, doch sie könnte kaum feierlicher sein.

Die britische Regierung unter Tony Blair und das Königshaus sehen sich zu der Zeremonie genötigt. Die öffentliche Anteilnahme ist überwältigend. Diana war mit ihrem Partner Dodi Al Fayed auf der Flucht vor Paparazzi in Paris bei einem Autounfall gestorben. Zwei Milliarden Menschen weltweit verfolgen den Leichenzug und die Trauerfeier in Westminster Abbey am Fernseher. „Es ist das spiegelverkehrte Bild früherer Begräbnisse, als die Zeremonie die Menschen anzog“, sagt Live-Kommentator David Dimbleby im BBC-Fernsehen. „Dieses Mal hat das Volk faktisch die Kontrolle übernommen“.

Dianas Söhne, die Prinzen William und Harry, Ex-Ehemann Prinz Charles, Prinzgemahl Philip und Dianas Bruder, Charles Spencer, geben ihr das letzte Geleit. Die Prozession führt durch das Herz der britischen Hauptstadt. Mehr als eine Million Menschen stehen am Straßenrand, viele weinen, manche schreien. Harry ist gerade einmal zwölf Jahre alt. Wie sein 15-jähriger Bruder William hat er den Kopf gesenkt – sie gehen stumm hinter dem Sarg her.

Der Trauerfeier geht eine knappe Woche der nationalen Erschütterung voraus. Vor den Palästen in der Hauptstadt türmen sich Berge von Blumen und Kondolenzschreiben. Immer stärker wird der Ruf nach einem öffentlichen Auftritt der Queen. Die hat sich in ihrer Sommerresidenz Balmoral in Schottland verschanzt – sie will die Kinder von dem öffentlichen Trubel abschirmen. Öffentlich Gefühle zu zeigen, ist bei den Royals verpönt. Doch die Stimmung wird immer aggressiver. „Hat das Haus Windsor ein Herz?“ „Wo ist unsere Königin, wo ist unsere Flagge?“ titeln die Boulevardzeitungen.

Prinzessin Dianas Trauerprozession: Wie war das damals?
Prinz William (l-r), Dianas Bruder Graf Spencer, Prinz Harry und Prinz Charles bei der Trauerfeier in der Londoner Westminster Abtei. Foto: epa

Schließlich gibt die Queen nach. Am Vorabend der Trauerfeier würdigt sie Diana in einer Ansprache, die live übertragen wird. Eine längst überfällige Geste, die möglicherweise die Monarchie rettete, glauben manche. Der Union Jack weht auf halbmast über dem Buckingham-Palast.

Zur Trauerfeier geladen sind nicht Staatsoberhäupter, Regierungschefs und Europas Adel, sondern Vertreter von Hilfsorganisationen, Künstler und Stars. Elton John lässt seinen erfolgreichsten Song für Diana umschreiben. „Candle in the Wind“ wird zur Hymne der Trauernden. Noch 20 Jahre später hält der gesungene Nachruf den Rekord des meistverkauften Musikstücks Großbritanniens.

Stärker noch berührt die Menschen die Trauerrede von Dianas Bruder Charles Spencer. Ihm gelingt es, in Worte zu fassen, warum Diana so viele Menschen bewegte. „Sie war die Essenz von Mitgefühl, Pflichtbewusstsein, Stil, Schönheit.“ Er erinnert an ihre liebevolle Hingabe für Aidskranke, Obdachlose und Opfer von Landminen – und die allzu sichtbaren Schwächen, wie ihre verzweifelte Suche nach Anerkennung.

Prinzessin Dianas Trauerprozession: Wie war das damals?
Die Welt trauerte um Prinzessin Diana. Foto: PA

Nicht zu überhören ist die Kritik am Königshaus. Diana habe nach der Scheidung von Prinz Charles bewiesen, dass „sie keinen königlichen Titel brauchte, um ihre spezielle Art von Zauber zu entfalten“, sagt ihr Bruder. Er gelobt, ihre „Blutsverwandten“ würden dafür sorgen, dass William und Harry das Leben außerhalb der Palastmauern kennenlernen – eine weitere Spitze gegen die Royals und gegen die Steifheit des Hoflebens, unter der Diana während ihrer unglücklichen Ehe mit Prinz Charles so gelitten hatte. Dass sie damit an die Öffentlichkeit gegangen war, hatten ihr die Queen und Prinz Philip nie verziehen.

Mit seiner Rede löst Charles Spencer stürmischen Beifall aus, nicht nur bei den Trauergästen in Westminster Abbey, sondern auch bei Hunderttausenden, die den Gottesdienst an Leinwänden im Hyde-Park und Regent’s-Park mitverfolgen.

Zwanzig Jahre nach Dianas Tod hat sich die Queen den Respekt ihres Volks zurückerobert. Gefühle zu zeigen ist längst nicht mehr tabu, das Königshaus möglicherweise beliebter denn je. Dazu tragen maßgeblich William und Harry bei. Die beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Vorbild ihrer Mutter im Einsatz für die Leidenden und Ausgestoßenen zu folgen. (Christoph Meyer, dpa)