Freitag, 08. September 2017, 15:06 Uhr

Rapper Cro: Die Maske wird nicht fallen

Für Rapper Cro ging es in den vergangenen Jahren ständig bergauf. Irgendwann wurde es dem Rapper zuviel. Auf seinem neuen Album findet er zu sich selbst. Der Rapper mit der Pandamaske, meldet sich mit seinem neuen Album „Tru“ und einer neuen Maske zurück. Der Musiker aus der Nähe von Stuttgart wirkt reifer und experimenteller.

Rapper Cro: Die Maske wird nicht fallen
Foto: Saeed Kakavand

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur, zu dem er übrigens ohne seine berühmte Maske kommt, redet er über die Nachteile des Ruhms und über die Zukunft der Panda-Maske

Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrer Mutter getextet?
Da muss ich nachgucken. Wir haben einen WhatsApp-Gruppenchat für die Familie, da ist täglich Action. Aber persönlich geschrieben habe ich ihr das letzte Mal, als ich in Barcelona am Strand lag.

Sie sprechen in „2kx“ sehr emotional darüber, wie Sie während der letzten Jahre die Familie vernachlässigt haben. Wie sehr hat Sie das in den letzten Jahren beschäftigt?
Ich denke oft darüber nach, dass sie immer da sind, haben sich nicht einmal beschwert, und ich bin eigentlich nie da – zum Beispiel zu Taufen, Geburtstagen oder Hochzeiten. Sobald das Album draußen ist, wird sich das aber wieder ändern. Familie ist unglaublich wichtig. Wenn alles wegbricht, ist es das Einzige, auf das man sich stützen kann.

Sie wohnen neuerdings mit vielen aus Ihrem Team in einem Haus in Stuttgart zusammen.
Genau. Wir arbeiten da die Dinge ab, machen aber auch Grillpartys. Früher musste ich zu Besprechungen ständig aus der Pampa nach Stuttgart fahren und wurde geblitzt. Ich wollte aber eine gemeinsame Basis, wo alle arbeiten und schlafen können. Der Kühlschrank ist voll, es gibt super viele Instrumente und es weht ein unglaublich guter Spirit.

Die Songs auf dem neuen Album wirken ernsthafter und experimenteller. Das war ja sicher kein Zufall, oder?
Nein. Ich habe mich in meiner Klangästhetik nicht verändert, habe mich aber musikalisch weiterentwickelt und arbeite mit Gitarren, Bässen, Klavieren, Schlagzeugen, neuen Mikrofonen und tausenden von Synthesizern. Ich habe mir super viel Wissen angeeignet, was sich krass anfühlt.

Rapper Cro: Die Maske wird nicht fallen
Foto: Saeed Kakavand

Auch die Texte wirken tiefer…
Ich bin früher von einem Termin zum anderen gerannt. Unterschrift hier, Text schreiben da, kurz angehört, raus damit, weiter. Rekorde, Rekorde, Rekorde. Jetzt hab‘ ich mich gefragt: Was kannst du erzählen? Wie kannst du die Leute abholen? Welche Bilder kannst du malen?

Wie haben Sie den Rummel um Ihre Person in den vier Jahren davor denn erlebt?
Es war wie so ein „Forrest-Gump“-Lauf. Noch ein Rekord, immer Action, immer weiter. Ein Tag besser als der andere. Bis ich irgendwann angehalten habe, wie „Forrest Gump“, und nach Hause gegangen bin.

Gab es einen speziellen Grund anzuhalten?
Es war im Sommer nach der „Unplugged“-Tour, als ich mir Fragen stellte, wie: Wo bin ich? Was hab‘ ich? Wo will ich hin? Was ist echt, was ist Fake? Cro, Carlo, die Maske. Darum auch diese Themen. Ich habe immer überlegt, was das große Thema für das Album sein könnte. Bis ich gemerkt habe, dass ich alleine Thema genug bin.

Die Hoffnung einiger Fans, dass Sie die Panda-Maske fallen lassen, müssen Sie enttäuschen…
Ja, die Theorie stimmt nicht. Sonst hätte ich mein Gesicht am Ende des Videos ja gezeigt. Die Maske wird sogar noch ein größeres Gewicht haben. Der Song ist eine Metapher fürs Fehlermachen. Am Ende stirbt das alte, fehlermachende Ich und das neue läuft weiter.

Rapper Cro: Die Maske wird nicht fallen

Aber es würde schon irgendwie zu dem nachdenklicheren Sound auf dem Album passen, wenn die Maske fallen würde, oder?
Schon, aber ich finde nicht, dass irgendetwas fehlt, weil ich mein Gesicht nicht zeige. Ganz im Gegenteil. Wenn es nur um die Musik gehen soll, dann darf es eigentlich gar kein Gesicht oder keine Maske mehr geben. Nur die Musik.

ZUR PERSON: Mit dem Song „Easy“ landete der Rapper Cro 2011 seinen ersten Erfolg und begeisterte mit der Mischung aus Rap- und Popmusik („Raop“) viele Kritiker und Fans. Seine Alben „Raop“ (2012), „Melodie“ (2014) und „MTV Unplugged“ (2016) landeten auf Platz eins der deutschen Charts. Die Maske trägt der Rapper bei allen öffentlichen Auftritten, um unerkannt zu bleiben.
Interview: Thomas Bremser, dpa