Sonntag, 10. September 2017, 19:50 Uhr

Cro im Interview: "Ich bin viel zu nett"

Cro hat eine neue Maske: Weiß, ohne schwarze Panda-Augen. Und überhaupt hat sich bei dem Panda-Rapper einiges verändert, wie der 27-Jährige Musiker im aktuellen Interview zu seinem neuen Album „tru.“ verrät.

Cro im Interview: "Ich bin viel zu nett"
Foto: Saeed Kakavand

„Cro ist tot – lang lebe Cro“ hieß es vor kurzem auf deiner Homepage, im Video zu deiner Single „Baum“ bist du im Anschnitt nun sogar ohne Maske zu sehen. Was ist da los? Ein Neuanfang ohne Maske?
Dass man im Video mein Kinn sieht, ist das höchste aller Gefühle. Die Maske abzusetzen bringt ja nix, außer, dass die Leute einen auf der Straße erkennen. Kein Interesse! Also die Maske bleibt. Sie ist jetzt aber weiß. Insofern ist es schon wie ein Neuanfang. Dieses Album ist next level. Ich wollte etwas Neues machen. Auch ich habe mich verändert, auch ich bin älter geworden.

Musikalisch ist die Platte vielseitiger. Wie kam es zu dem neuen Sound?
Ich habe schon im Januar die beste Anschaffung diesen Jahres gemacht: einen Juno 106. Das ist ein alter Synthesizer. Der rauscht, wenn man ihn anmacht und wenn man loslegt, klingt er so Daft-Punk-mäßig. Daran habe ich viel rumgespielt und auch sonst habe ich experimentiert, rumgeklimpert, geklappert – und alles so fehlerhaft gelassen, wie es war, damit es Charakter und Charme hat. So hat sich nach und nach ein Bild entwickelt. Ich finde diese Platte ist mega eckig und doch irgendwie weich. Wie eine geile flüssige Gummimasse, die bounct.

In dem Song „Unendlichkeit“ geht es darum, was von dir bleibt, wenn du mal nicht mehr hier bist. Ist es dir wichtig, ein Vermächtnis zu hinterlassen?
Nicht auf Teufel kommt raus, aber ich bin auf jeden Fall einer, der mehr als einen Grabstein hinterlässt. Reichen würde ja schon, wenn die Kinder sagen „Papa ist cool, der hat mir das und das gezeigt“. Aber ich glaube, da geht noch mehr. Irgendwie habe ich das Gefühl, es geht jetzt erst richtig los. Alles, was bisher passiert ist, war nur ein Starten der Raketen. Wir sind losgedonnert ins Weltall, aber jetzt sind wir schwerelos und brauchen nur noch diese kleinen Antriebe. Jetzt geht’s richtig los.

Tatsächlich lief deine Karriere bisher wie in Zeitraffer und war von Erfolgen gekrönt – bis letztes Jahr, als deinen Film „Unsere Zeit ist jetzt“, der mit Til Schweiger entstand, nur 40.000 Leute sehen wollten. Wie bist du damit umgegangen, zum ersten Mal keinen Erfolg zu haben?
Als die Zahlen kamen, war ich schon kurz geschockt. Eine Doku über einen tropfenden Wasserhahn hat mehr Zuschauer. Natürlich habe ich mir danach Gedanken darüber gemacht, dass der Erfolg auch ganz schnell zu Ende sein oder auslaufen kann. Aber dann habe ich diesen Gedanken sofort verworfen, weitergemacht und alle anderen motiviert. Es geht irgendwie immer weiter.

Cro im Interview: "Ich bin viel zu nett"
Foto: Saeed Kakavand

Bereust du, dass du den Film gemacht hast?
Ich bereue gar nichts. Der Film war wichtig, weil ich Erkenntnisse daraus gezogen habe.

Nämlich?
Schrauben von vorne herein fester anzuziehen und besser zu briefen. Und auch mal ein bisschen mehr der Arsch zu sein. Ich bin viel zu nett und lasse nie die Sau raus. Die ganz großen, die ihre Visionen durchboxen, sind glaube ich Arschlöcher. Zu sehr Arschloch will man natürlich auch nicht sein, aber man kann auch mal auf den Tisch hauen.

Auf deinem Album heißt es nun „Ich war noch nie aus ausgeglichen, nichts und niemand bringt mich aus der Mitte“. Wie kommt’s?
Wahrscheinlich, weil ich vorher ein großes Unausgeglichenheitsgefühl hatte, das mich kurz aus der Bahn geworfen hat. Wenn immer alles super läuft, weiß man es nicht zu schätzen. Zum Beispiel in einer Beziehung. Man muss einmal verlassen haben und einmal verlassen werden, um zu wissen, wann es perfekt ist. Ich habe bei diesem Album viel nachgedacht: Wo ich hin will, wo ich herkomme, was ich habe und was ich brauche. Das klingt so Glückskeks-Kalenderspruch-mäßig, aber ich habe echt zu mir gefunden. Ich war viel alleine und habe gemerkt ich bin down mit mir.

Cro im Interview: "Ich bin viel zu nett"
Foto: Saeed Kakavand

Klingt zwischen den Zeilen als wärst du verlassen worden.
(Lacht) Wurde nicht jeder Mal verlassen? Aber stimmt schon, das steckt da auch drin. Ich habe es allerdings positiv umgewandelt in Musik. Ich habe lange überlegt, was für Themen es so gibt und was ich auf diesem Album erzählen kann. Und dann wurde mir klar, dass ich nicht mehr erzählen kann als über mich. Mein Leben. Das ist dieses Album: Meine Freunde, meine Familie, wie ich Dinge erlebe. Mit Maske, ohne Maske. Was kommt echt an mich heran, was ist fake? Und das spiegelt dann irgendwie auch die Gesellschaft wider.

Interview: Nadine Wenzlick