Sonntag, 10. September 2017, 13:14 Uhr

Lollapalooza: Giga-Chaos in Berlin

Dritte Ausgabe, dritter Standort: 85 000 Menschen strömen zum Festival Lollapalooza in Hoppegarten bei Berlin. Doch nach dem ersten Tag gibt es Chaos.

Lollapalooza: Giga-Chaos in Berlin
Menschenmassen am S-Bahnhof Hoppegarten bei Berlin. Foto: Martha Richards

Das Lollapalooza-Festival bietet an seinem ersten Tag ein buntes Musikprogramm auf der Rennbahn Hoppegarten bei Berlin: Die Beatsteaks, Marteria, Mumford and Sons (siehe Video). Und neben den Auftritten der Musiker wandeln Artisten über das Gelände, tragen einen Hauch von Zirkus aufs Fest, es gibt auch eine Bühne für Kinder. Das Wetter ist mäßig, aber nicht schlecht genug, um die Stimmung zu vermiesen. Die Probleme werden am Ende des Tages deutlich. Denn die Abfahrt gerät zum Chaos.

Es ist Samstag kurz vor Mitternacht, als die Band Two Door Cinema Club ihren Auftritt beendet. Zehntausende Gäste wollen nach Hause, viele von ihnen per S-Bahn. Sie drängeln sich auf dem Weg zur Station. Die Polizei hat entschieden, die Menschen nur nach und nach durchzulassen.

Und so stehen etwa 3000 Leute vor der Station Hoppegarten – und warten. Als knapp eine Stunde lang keine S-Bahn nach Berlin einfährt, kippt die Stimmung langsam. Viele sind genervt, immer mehr sind angespannt. Einige bitten die Polizei um Wasser, mehrere Menschen kollabieren im Gedränge. Man hört Sirenen, Rettungskräfte sind im Einsatz.

Auch ihnen ist die Anspannung anzumerken. Gemeinsam mit der Polizei fordern sie die Masse auf, zurück zu gehen. Es gebe mehrere Verletzte, der Rettungsdienst komme nicht an die verletzten Personen heran, wird per Lautsprecher durchgesagt. Zu diesem Zeitpunkt stehen die Menschen dicht gedrängt, sie sind ungeduldig und hoffen weiterhin auf eine schnelle Heimfahrt.

Spät machen die Einsatzkräfte deutlich, dass man mit der S-Bahn nicht mehr nach Berlin kommen wird. Die Shuttle-Busse seien das einzig sinnvolle Verkehrsmittel. Sie bringen die Zuschauer zu einer näher an Berlin gelegenen U-Bahn-Station. Bis zu dieser Info vergehen gut zwei Stunden.

Durchdacht wirkt dieses Konzept nicht, eher chaotisch und improvisiert. Die Bedeutung der Shuttle-Busse war zumindest einigen Gästen nicht bewusst, auf der Homepage wurden sie als ausverkauft angezeigt. Die S-Bahn fuhr nach Regelfahrplan, wie ein Bahnsprecher sagte. Trotz der Massen. 85 000 Menschen waren erwartet worden, ähnlich viele wie beim Konzert der Rolling Stones in Hamburg am selben Tag.

Das Lollapalooza und Berlin scheinen auch im dritten Jahr nicht zusammen zu finden. Nachdem es 2016 viele Proteste von Anwohnern des Treptower Parks gab, scheitert es nun in Hoppegarten am Verkehr. An der Zuschauerzahl sollte das nicht liegen: Nach Fußballspielen ähnlicher Größenordnung wie in Dortmund, Gelsenkirchen oder München werden regelmäßig mehr als 60 000 Menschen mit dem öffentlichen Nahverkehr transportiert, ohne größere Probleme.

Es stellt sich die Frage: Ist es sinnvoll, ein großes Festival am Berliner Stadtrand zu veranstalten? Die meisten Festivals mit so vielen Zuschauern finden irgendwo in der Pampa statt, haben einen Campingplatz und die Menschen reisen nicht alle gleichzeitig ab. Trotz kühler Septembernacht wäre am Samstag ein Zelt angenehmer gewesen als langes Warten.

Das Chaos am Ende des Tages hat daher bei vielen die Stimmung gedrückt. Und das, obwohl der Tag auf dem Gelände eigentlich überzeugend war – und auch der zweite Tag einige Highlights versprach. Vor allem auf die Foo Fighters, Westbam und Cro freuten sich viele Fans. (Antje Müller und Fabian Nitschmann, dpa)