Mittwoch, 13. September 2017, 18:52 Uhr

Romano über seine Mutti und das neue Album

Romano ist ein echtes Chamäleon in der Rap-Szene. Der Mann aus Berlin-Köpenick passt in keine klassische Musik-Kategorie. Er trägt zwei Zöpfe, macht sich über sich selbst lustig – und meint es dabei aber auch unglaublich ernst.

Romano über seine Mutti und das neue Album
Foto: Fabien Prauss

Im Interview mit klatsch-tratsch.de plauderte der 39-jährige Musiker, der mal in einem Copyshop gejobbt hat und Roman Geike heißt, über sein Album „Copyshop“ und darüber, welche Message er mit seiner Musik eigentlich vertritt.

Hi Romano. Gerade kam dein neues Album raus. Wie ist der Sound der Platte?
Das Album ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Themen. Es fängt an beim Copyshop, geht weiter über meine Vergangenheit in der Wendezeit hin zu meiner Mutti, bis hin zur Champagner-Bar als alter Opa.

Dann lass uns mal konkret auf ein paar Songs eingehen, angefangen mit „Mutti“.
Ich sag mal so, es sind viel Ähnlichkeiten zu meiner Mutti. Mutti spielt auch Geige und wenn sie an Weihnachten ein Solo eingelegt, dann muss die Hälfte der Verwandtschaft plötzlich auf Toilette oder geht auf den Balkon eine rauchen. Mutti zwitschert auch gerne mal einen. Sie war auch schon mal einkaufen ohne Portemonnaie. Es sind viele Parallelen, aber es ist natürlich alles mit einem Augenzwinkern und viel Liebe gemeint.

Hat sie den Track denn schon gehört?
Ja, mir war wichtig, dass sie ihn freigibt. Ich war glücklich, dass sie auch okay mit den Lyrics war. Nur eine Zeile hat ihr nicht gefallen, und zwar „Wer hat die dicksten Eier, vamos a la playa?“. Das fand sie ein bisschen blöd, weil sie meinte, sie hat keine Eier. Da hab ich gesagt: „Mutti, das heißt doch, wer hat die Hosen an!“ Das hat sie dann verstanden. Sie war auch letztens beim Konzert dabei und hat das Ding mit uns allen gefeiert.

Nun zum Song „Ja, ich will“ – der klingt wie eine Hommage an deine Ur-Fanbase. Liege ich da richtig?
Es ist eine Hommage an alle Menschen. „Ich liebe dich, auch wenn du anti-alles bist. Du sagst, du magst mich nicht und trotzdem liebe ich dich.“ Es ist die Message nicht auf Ellenbogen zu gehen, nicht auf Mittelfinger zu gehen, sondern auf Ringfinger zu gehen. Den anderen Menschen Raum zu geben und nicht zu versuchen alles immer gleich zu werten und Menschen in Schubladen zu stecken. Sondern zu probieren die Situation freier zu betrachten.

Romano über seine Mutti und das neue Album
Foto: Robert Eikelpoth

Ist das auch die Message deiner gesamten Kunstfigur Romano?
Manche sehen mich als Kunstfigur. Doch was ist Kunst? Kunst ist, was man nicht in eine Schublade stecken kann. Und das kann man mich ja nicht. Ich sage mal, der Ansatz von mir ist, Menschen näher zusammenzuführen und Nähe herzustellen. Es ist wichtig miteinander zu sprechen, im Kleinen und im Großen.

Nächster Song „Anwalt“. Auf dem rappst du komplett anders als auf allen anderen Song, viel schneller und härter!
Ja, ich hatte Bock drauf. Ich bin ein großer Grime-Fan. Also dem Hip Hop-Genre aus UK. Ich mag deren abgehackte Rhythmiken. Und ich hatte Bock, das aufs Deutsche zu übertragen.

Und dann noch „Nur in meinem Kopf“ – der Song sticht sowohl vom Sound, als auch von der Thematik sehr stark raus.
Und wie. Mein Ziel war es hier, mit dem Sound einen klaustrophobischen Zustand zu vermitteln. Wenn man bei sich ganz alleine ist und das Kopfkino losgeht. Das ist der Moment, in dem man nicht im Hier und Jetzt ist, sondern in so einer Welt aus Angst und Bedrohungen.

Romano über seine Mutti und das neue Album
Foto: Universal Music