Freitag, 15. September 2017, 17:36 Uhr

Was macht eigentlich Connie Francis (mit diesem ganzen Zeug)?

Erfolgreiche Musiker vergangener Jahrzehnte leben oft durch ihre Hits weiter – und durch öffentlich versteigerte Erinnerungsstücke. Connie Francis nimmt die sonst oft postum veranstaltete Auktion selbst in die Hand. Sogar Objekte aus Deutschland sind Teil ihrer Sammlung.

Wenn Goldene Schallplatten, Abendkleider und Briefe berühmter Musiker versteigert werden, leben die Stars selbst oft nicht mehr. Bei Connie Francis ist das anders. Die amerikanische Schlagersängerin, deren Hit „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ das Deutschland der 60er Jahre aufwirbelte, wirkt quicklebendig. Nächstes Jahr steht ihr 80. Geburtstag an und arbeitet derzeit an einem neuen Buch. Die Auktion ihrer Erinnerungsstücke hat sie selbst angeleiert.

Sie wollte es noch selbst erleben

„Ich wollte, dass meine Fans diese Stücke haben, wenn ich noch am Leben bin“, sagt Francis der Deutschen Presse-Agentur. Sie lebt im Sonnenschein-Staat Florida in der Nähe von Fort Lauderdale und irgendwie schien es, als sei jetzt ein guter Zeitpunkt. „Ich will, dass die Leute sie tragen“, sagt sie etwa über die rund 70 Abendkleider in der Sammlung. Francis hat eigener Aussage zufolge heute viele schwule Fans und hofft, das auch sie Stücke ergattern.

Mehr als 1000 Objekte sind es insgesamt, die am 1. Oktober bei Heritage Auctions in Beverly Hills unter den Hammer kommen. Francis‘ Lieblingsstück ist die khakifarbene Bomberjacke, die sie bei Auftritten vor der US-Armee im Vietnamkrieg (1955-75) trug. Aufnäher von 16 Militärbasen passten auf die Jacke. „Wir besuchten mehr, aber sie passten nicht mehr drauf“, sagt Francis. Während die Deutschen Hits wie „Schöner fremder Mann“ und „Barcarole in der Nacht“ feierten, besang die sprachgewandte „Queenie“ die Truppen in ihrer Muttersprache Englisch.

Einige Erinnerungsstücke sind dann doch zu wertvoll, als dass die 1938 als Concetta Rosa Maria Franconero in New Jersey geborene Tochter italienischer Einwanderer diese Dinge einfach abgeben möchte.

Briefe von der Liebe ihres Lebens

Die Briefe von Sänger und Songschreiber Bobby Darin zum Beispiel, den sie als die große Liebe ihres Lebens bezeichnete (ihre Ehen mit vier anderen Männern scheiterten). Nur einen Brief Darins hat Francis für die Auktion hergegeben. „Ich bin so verdammt unglücklich und elend ohne dich, dass ich den Knoten in meinem Hals spüre, wie wenn man weinen muss“, schrieb Darin ihr im Jahr 1956.

Fans mag oft nicht bewusst sein, welch emotionaler Ballast an zu versteigernden Objekten noch geknüpft sein mag – man vermutet, der Star sei mit dem Verkauf einverstanden. Popstar Madonna aber zum Beispiel ließ eine Auktion persönlicher Gegenstände im Juli gerichtlich stoppen, darunter ein Brief des 1996 gestorbenen Rappers Tupac Shakur, mit dem sie einige Zeit liiert war. Madonna erklärte, den Brief niemals verkauft, verschenkt oder irgendwem das Recht zum Verkauf gegeben zu haben.

Ähnlich ging es Francis, als beim Online-Auktionshaus Ebay ihre Briefe an Darin auftauchten. Der Bruder des 1973 gestorbenen Musikers hatte sie angeboten. „Ich bot mit und bekam sie nicht“, sagt Francis, stattdessen gewann eine „verdammte Fanatikerin“ die Auktion. Als Francis über Ebay den Kontakt mit ihr herstellte, bekam sie die Originale zurück. „Wenn ich gewusst hätte, dass du auch bietest, hätte ich niemals mitgeboten“, habe die Frau zu Francis gesagt.

Abendkleider aus der Reinigung

Vielleicht schaffen es einige Gegenstände sogar nach Deutschland zurück. Zum Beispiel der goldene Otto, mit dem Leser der Musikzeitschrift „Bravo“ Francis gleich drei Jahre in Folge zur besten Sängerin kürten. Oder ein Preis von Radio Schleswig-Holstein (RSH). Der Sender kürte das Medley „Jive Connie“ 1993 zum Comeback des Jahres. Es sei ein „wunderschöner Preis“, sagt Francis, eine „schwere, goldene Auszeichnung“.

An anderen Objekten dürften die Jahre schon etwas geknabbert haben. Ihre Abendkleider wollte sie für die Auktion etwa in die Reinigung bringen, sagt Francis. Aber Heritage Auctions habe sie gebeten, alle Gegenstände im Originalzustand zu lassen und auch nicht reinigen zu lassen. Der Verschleiß macht sie eben auch zu Sammlerstücken. Francis sagt: „Jeder kleine Fleck auf ihnen ist wichtig.“ (Johannes Schmitt-Tegge, dpa)