Freitag, 15. September 2017, 22:07 Uhr

"The Square": Wie den Reichen der Alltag um die Ohren fliegt

Prämiert mit der Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes begibt sich „The Square“ in die schillernde Welt der modernen Kunst und öffnet ihre moralischen Falltüren.

The Square": Wie den Reichen der Alltag um die Ohren fliegt
Foto: Alamode

In seiner klug inszenierten und äußerst unterhaltsamen Satire wirft Regisseur Ruben Östlund (Höhere Gewalt) brisante Fragen zum Zustand der heutigen Gesellschaft auf. Neben Hauptdarsteller Claes Bang (Die Brücke) vereint Östlund die Schauspiel-Stars Elisabeth Moss (Mad Men) und Dominic West (The Wire) in seinem Ensemble.

Und darum geht’s: Christian (Claes Bang) ist der smarte Kurator eines großen Museums in Stockholm. Die nächste spektakuläre Ausstellung, die er vorbereitet, ist „The Square“. Es handelt sich um einen Platz, der als moralische Schutzzone fungieren und das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft hinterfragen soll.

Doch wie bei den meisten modernen Menschen reicht auch bei Christian das Vertrauen nicht weit – er wohnt abgeschottet in einem stylischen Apartment und würde seinen Tesla nicht unbeaufsichtigt in einer zwielichtigen Gegend parken. Als Christian ausgeraubt wird und ihm kurz darauf die provokante Mediakampagne zu „The Square“geraten sein Selbstverständnis wie auch sein Gesellschaftsbild schwer ins Wanken.

Die Schere zwischen Arm und Reich wächst

Regisseur Ruben Östlund sagte zu den Hintergründen seines Filmes: „2008 wurde in Schweden die erste geschlossene Wohnanlage eröffnet, also eine Siedlung, zu der nur ihre Bewohner Zugang haben. Es gibt kaum ein extremeres Beispiel dafür, wie sich privilegierte gesellschaftliche Gruppen von ihrer Umgebung abschotten. Darüber hinaus ist diese Wohnform eines von vielen Zeichen dafür, dass europäische Gesellschaften individualistischer werden, je weiter sich seit 30 Jahren die Regierungen verschulden, die Sozialleistungen schrumpfen und die Schere zwischen Arm und Reich wächst.“

The Square": Wie den Reichen der Alltag um die Ohren fliegt
Foto: Alamode

„Sogar in Schweden, einer der egalitärsten Gesellschaften der Welt, haben wachsende Arbeitslosigkeit und die Angst vor Statusverlust dazu geführt, dass sich immer mehr Individuen gegenseitig sowie der Gesellschaft als solcher misstrauen. Ein vorherrschendes Gefühl von Machtlosigkeit hat unser Vertrauen in den Staat unterminiert und dazu gefu?hrt, dass wir uns immer weiter in uns selbst zurückziehen.“

Das tägliche Dilemma ist offensichtlich

Der Film konfrontiert uns mit einer Schwäche der menschlichen Natur, so weiter. „Wenn man versucht, das Richtige zu tun, ist das Schwierige nicht, den gebräuchlichen Werten zuzustimmen, sondern tatsächlich nach ihnen zu handeln. Wie behandle ich beispielsweise Bettler, wenn ich mich für eine faire und gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen will, in der die Kluft zwischen Reich und Arm verschwindet? Soll ich meinen privilegierten Lebensstil aufrechterhalten, der es mir ermöglicht, ihnen jeden Tag etwas zu geben und damit ihre Situation nur ein klein wenig verbessert? Oder sollte ich meinen eigenen Lebensstil radikal verändern, um die Balance zwischen uns wiederherzustellen?

The Square": Wie den Reichen der Alltag um die Ohren fliegt
Foto: Alamode

Die ständig wachsende, extreme Armut und das Ansteigen der Obdachlosigkeit in den Städten der reichen Industrienationen stellen uns mittlerweile jeden Tag vor ein solches Dilemma.“