Freitag, 15. September 2017, 18:58 Uhr

TV-Kritik "Schuld": Ab heute vier neue Folgen

Neben Moritz Bleibtreu als Anwalt Kronberg treten in der neuen „Schuld“-Staffel Größen wie Lars Eidinger, Jürgen Vogel und Iris Berben auf. Dennoch bleiben die Fernseh-Kriminalfälle nach Geschichten von Ferdinand von Schirach recht schablonenhaft.

TV-Kritik "Schuld": Ab heute vier neue Folgen
Holbrecht (Marcus Mittermeier, l.) bedroht Helena (Maria Dragus, M.) im Kino. Foto: ZDF/Julia Terjung

Im Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Recht und empfundener Moral bewegt sich der Anwalt Friedrich Kronberg nun schon in einer zweiten ZDF-Staffel mit dem Obertitel „Schuld“.

Ab heute 21.15 Uhr, verkörpert Moritz Bleibtreu den sensiblen Juristen in vier weiteren Folgen nach dem gleichnamigen, auf wahren Ereignissen beruhenden Erzählband des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach („Terror“). Die erste Staffel der von Oliver Berbens Firma Moovie für das ZDF produzierten Miniserie war im Februar 2015 gestartet und hatte jeweils zwischen 3,5 bis 5 Millionen Zuschauer.

Schablonenhafte Geschichten

Hoch ist der Anspruch des Senders an das Projekt des seit einigen Jahren teils gehypten, teils geschmähten Verfassers von Schirach, der selbst Strafverteidiger ist. So fragt sich Günther van Endert, Leiter der ZDF-Redaktion Fernsehfilm II: „Wie ist Schuld zu bewerten, wenn man das Falsche aus den richtigen Gründen tut? Oder kann man, wenn durch eine Tat Schlimmeres verhindert wird, Schuld aufwiegen? Ab wann ist Rache moralisch nachvollziehbar?“

TV-Kritik "Schuld": Ab heute vier neue Folgen
Holbrecht wird bei der Gerichtsverhandlung von Kronberg (Moritz Bleibtreu) vertreten. Foto: ZDF/Julia Terjung

All das seien Fragen, die in der zweiten Staffel von „Schuld“ thematisiert würden. Allerdings: Trotz solcher Überlegungen auf der Metaebene fallen die Fernsehgeschichten ziemlich schablonenhaft aus.

Vielleicht liegt es an der Kürze der Episoden, die in 45 Minuten selten mehr erlauben als die vereinfachte Darstellung eines Falls samt seiner Beteiligten mit ihren jeweiligen Motiven. Der man überdies das pädagogische Anliegen der Macher deutlich anmerkt, die Zuschauer möchten sich bitte mit den Grundproblemen von Recht und Moral auseinandersetzen, die mit den Geschichten verbunden sind.

Starbesetzte Miniserie

Dabei sind neben dem zurückhaltend agierenden Schauspielstar Moritz Bleibtreu („Lommbock“) Größen wie Jürgen Vogel, Iris Berben und Lars Eidinger mit von der Partie. Gedreht wurde unter der Regie von Hannu Salonen diesmal nicht nur in Berlin, sondern auch in der Uckermark, in Portugal und in Brasilien.

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Holbrecht (Marcus Mittermeier, l.) ist im Gefängnis den körperlichen Attacken der anderen Insassen ausgesetzt. Foto: ZDF/Julia Terjung

In der ersten Folge „Kinder“ verkörpert Marcus Mittermeier einen Mann, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt wird (siehe unsere Fotos). Er beteuert seine Unschuld, doch der Richter glaubt dem Mädchen, das ihn beschuldigt. Aus dem Gefängnis entlassen, erwacht sein Wunsch nach Rache. In „Anatomie“ (22. September) geht es um einen Fall fahrlässiger Tötung bei einem Autounfall. Alles scheint klar – doch dann deutet alles darauf hin, dass der Getötete ein Sadist unvorstellbaren Ausmaßes war. Den nur sein Tod an einem grausamen Verbrechen gehindert hat.

„Das Cello“ (29. September) verhandelt eine Tragödie, bei der zwei Geschwister in einer symbiotischen Beziehung leben – bis die Schwester (Josefine Preuß) den Bruder (Louis Hofmann) aus Mitleid tötet. In „Familie“ (6. Oktober) schließlich geben Jürgen Vogel und Lars Eidinger zwei ungleiche Halbbrüder einer Sippe mit krimineller Vergangenheit, die über Generationen zurückreicht. Alle vier „Schuld“-Folgen sind ab 15. September auch in der ZDF-Mediathek im Internet zu sehen. (Ulrike Cordes, dpa)