Sonntag, 17. September 2017, 19:05 Uhr

Dave Grohl exklusiv: „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“

Nachdem Foo-Fighter-Sänger Dave Grohl sich 2015 bei einem Sturz von der Bühne das Bein gebrochen hatte und den Rest der Tour mit Gips spielen musste, wollte die Band eigentlich eine längere Pause einlegen.

Dave Grohl exklusiv: „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“
Foto: SonyMusic

Doch weil Grohl nicht gut im Nichtstun ist, erscheint mit „Concrete And Gold“ nun das neunte Album der amerikanischen Band. Im Interview spricht der 48-Jährige, der in den Neunzigern als Schlagzeuger von Nirvana bekannt wurde, über sein Image, Politik und seinen Thron.

Herr Grohl, Sie werden immer wieder als „nicest guy in Rock“ bezeichnet. Mal ehrlich: Machen Sie auch mal Fehler?
Dave Grohl: Aber hallo! Musikalisch gab es im Laufe der Jahre Dinge, von denen ich wünschte, ich hätte sie anders gemacht. Und persönlich fallen mir Millionen Sachen ein, die ich bereue oder besser hätte machen können. Ich war ein paar Mal in der Situation, das letzte Mal mit einem Menschen zu sprechen, ohne es zu wissen. Es gibt Vieles, das ich gerne noch gesagt hätte. Dinge, von denen ich wünschte ich hätte sie tun können. Aber so ist das Leben.

Viele Grillparties in der Auszeit

Wie schafft man es als Rockstar, Skandale und Drogenexzesse zu umgehen?
Ich hatte immer ein sehr enges Umfeld: Ich wuchs mit meiner Mutter und meiner Schwester auf, hatte nur zwei Freunde. Meine Mutter war Lehrerin, wir hatten also nie viel Geld und lebten in einem wirklich kleinen Haus. Wir führten ein einfaches Leben, aber ich wollte auch nie mehr. Ich war glücklich mit dem, was wir hatten. Wenn mich der Erfolg, den wir mit Nirvana hatten, überwältigte, ging ich einfach wieder nach Virginia. So handhabe ich das noch heute. Ich habe echt Glück, dass ich Stadien spielen darf – aber wenn ich nach Hause komme, mache ich Lunch für meine Kids, bringe sie zur Schule und kümmere mich um den Garten. Das ist eine gute Balance.

Die letzte Foo-Fighters-Tour absolvierten Sie wegen Ihres Gipsbeins im Sitzen, auf einem selbst entworfenen Thron. Was ist eigentlich danach aus Ihrem Thron geworden?
Der steht in unserem Lager, aber zwischenzeitlich hatte Axl Rose ihn sich ausgeliehen. Mein Thron war also erst mit Guns N‘ Roses und dann mit AC/DC auf der Bühne – wie cool ist dass bitte?! Ich sah mir übrigens eine Show von Guns N‘ Roses an und muss sagen: Es ist unglaublich, dass ich auf diesem albernen Ding eine ganze Tour gespielt habe (lacht).

Eigentlich hatten Sie danach eine längere Auszeit angekündigt. Warum gibt es nun doch schon wieder ein neues Foo-Fighters-Album?
Nach unserer letzten Tour war ich mental, emotional und körperlich erschöpft. Ich brauchte eine Pause. Am Anfang habe verdammt viele BBQs gemacht. Man kann nie genug grillen! Aber ich bin nun mal mit den Jungs aus der Band aufgewachsen, sie sind auch jenseits der Musik und dem ganzen Drumherum meine besten Freunde. Ein Jahr mit etwas zu Pausieren, das ein so großer Teil deines Lebens ist, ist gar nicht so einfach. Nach sechs Monaten habe ich es einfach vermisst.

Kollabo mit Adeles Hitproduzent

„Concrete And Gold“ haben Sie mit Greg Kurstin, der unter anderem für seine Arbeit mit Adele bekannt ist, aufgenommen. Eine ungewöhnliche Paarung, oder?
Greg hat zwar mit Adele, Beyoncé oder Pink gearbeitet, aber er hat auch eine eigene Band namens The Bird and the Bee, die ich liebe. Sein Sinn für Melodien, Harmonien, Komposition, Arrangements ist unglaublich. Auf unserer letzten Platte waren die Songs sehr simpel, dieses Mal wollten wir das Gegenteil: Sie sollten so groß klingen, wie es nur geht.

Dave Grohl exklusiv: „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“
Foto: WENN.com

In den Texten geht es um Sorgen, Zweifel und Ängste, die der politische und gesellschaftliche Ist-Zustand in Ihnen weckt. Wie wichtig ist es, als Künstler in Zeiten wie diesen seinen Mund aufzumachen?
Wir waren nie eine total politische Band und ich halte es nicht für unsere Verpflichtung – aber bei diesem Album konnte ich einfach nicht anders. Als ich mich mit den Texten befasste, fing es hier im Land an sich politisch richtig aufzuheizen, und das wirkte sich auch auf mich und meine Familie aus. Ich habe drei kleine Töchter, natürlich mache ich mir Gedanken, in was für einer Welt sie aufwachsen müssen.

Der Song „Run“ handelt davon, an einen perfekten Ort zu flüchten. Ist Ihnen manchmal danach, einfach wegzulaufen?
Ständig! Der Song beschreibt das Gefühl, diese beklemmende dunkle Wolke über unserer Welt zu spüren und sich zu fragen: Wenn ich rennen müsste, wohin könnte ich gehen? Wo kann ich meine eigene Welt schaffen? Das habe ich mich schon als Teenager gefragt. Als kleiner Punk-Rocker in einem wirklich konservativen Teil im Norden von Virginia fühlte ich mich missverstanden und einsam, und dieses Gefühl habe ich noch heute manchmal. Aber es muss doch einen Ort geben, an dem Liebe und Mitgefühl regieren. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

„Concrete And Gold“ erschien am 15. September. Interview: Nadine Wenzlick