Dienstag, 19. September 2017, 22:20 Uhr

Filmkritik: "Kingsman - The Golden Circle" mit jeder Menge Stars

Regisseur Matthew Vaughn hat für das Action-Spektakel „Kingsman: The Golden Circle“ zahlreiche Hollywood-Stars wie Channing Tatum und Halle Berry vor die Kamera geholt – und einen ganz besonderen Gaststar. Die überdrehte Fortsetzung kann in Sachen Action und Humor fast mit dem ersten Film mithalten.

Filmkritik: "Kingsman - The Golden Circle" mit jeder Menge Stars
Taron Egerton (Eggsy). Foto: Twentieth Century Fox

Ein klassisches schwarzes Londoner Taxi rast in halsbrecherischer Geschwindigkeit und mit offener Tür durch die britische Hauptstadt, während zwei Männer auf Leben und Tod darin miteinander kämpfen.

Aus den Lautsprechern des aufgemotzten Taxis, das in Wirklichkeit ein Fahrzeug der Geheimorganisation „Kingsman“ ist, dröhnt der Prince-Hit „Let’s Go Crazy“. Der Song könnte auch als Motto für das Actionspektakel „Kingsman: The Golden Circle“ gelten, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Matthew Vaughn („X-Men: Erste Entscheidung“) den Überraschungserfolg „Kingsman: The Secret Service“ von 2015 zu toppen versucht.

Fortsetzung wieder völlig überdreht

In der ähnlich verrückten und überdrehten Fortsetzung überleben Eggsy (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) als einzige Kingsman-Agenten einen Anschlag auf die Geheimorganisation, die sich hinter der Fassade eines Londoner Edelschneiders versteckt. Hinter dem tödlichen Angriff steckt die psychopathische Drogenbaronin Poppy Adams (Julianne Moore), die in ihrer selbst erschaffenen Nachbildung einer amerikanischen Kleinstadt der 60er Jahre im Dschungel wohnt und von dort die ganze Welt erpresst.

Eggsy und Merlin finden bei der Befolgung ihres Notfallsplans eine Flasche Whiskey, die sie zum amerikanischen Kingsman-Äquivalent führt. Der Geheimbund Statesman unter der Leitung von Champ (Jeff Bridges) nutzt als Tarnung eine Whiskey-Destillerie in Kentucky. Die überlebenden Kingsman-Mitglieder verbünden sich mit den Statesman-Agenten. Zusammen wollen sie Poppy und ihrem Drogenring „Golden Circle“ das Handwerk legen. Zudem stellen sie fest, dass ihr vermeintlich toter Kingsman-Kollege Galahad (Colin Firth) noch lebt, sich nach einem Kopfschuss aber an nichts erinnern kann.

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Agent Tequila (Channing Tatum) und Agent Ginger (Halle Berry). Foto: Twentieth Century Fox

Elton John wird entführt

Vaughn und Drehbuch-Co-Autorin Jane Goldman standen bei „Kingsman: The Golden Circle“ vor der Herausforderung, die überdrehte Action und den originellen Humor des ersten Films fortzuführen, ohne sich zu wiederholen. Mitunter ist das auch gelungen, etwa bei der spektakulären Taxifahrt zu Beginn des Films oder, wenn Eggsy auf dem berühmten Glastonbury Festival intimen Kontakt mit der Freundin eines Golden-Circle-Killers haben muss, um einen Peilsender in (sic!) ihr zu platzieren, er vorher aber wegen seines Gewissenskonflikts seine Freundin anruft.

Prinzessin Tilde, der Eggsy in „Kingsman: The Secret Service“ das Leben rettete und dafür pikant belohnt wurde, ist inzwischen seine feste Freundin.

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Colin Firth (Harry Hart/Galahad). Foto: Twentieth Century Fox

Ein echter Geniestreich des Films ist die Entführung von Popstar Sir Elton John. Superschurkin Poppy zwingt ihn, in ihrem Hauptquartier für sie aufzutreten. Sir Elton spielt sich selbst dabei mit so viel Witz und Selbstironie, dass es eine wahre Freude ist, ihm dabei zuzusehen. Der Sänger ist der heimliche Star des Films. Aber auch Moore ist als irre Kriminelle mit Dauerlächeln und diabolischen Methoden großartig. Ihre Mitarbeiter verarbeitet sie zur Strafe schon mal zu Hamburgern. Natürlich im eigenen 60er-Jahre-Diner. Dass einer ihrer Roboter wie Claudia Schiffer aussieht, ist sicher kein Zufall. Das ehemalige deutsche Topmodel ist Vaughns Ehefrau.

Starbesetzes Ensemble – Grenzwertige Gewalt

Die stargespickte Besetzung, zu der auch Halle Berry als US-Agentin Ginger gehört, hatte bei den Dreharbeiten ganz offensichtlich ihren Spaß und hat sich untereinander prächtig verstanden. Das merkt man auch auf der Leinwand. Nebendarsteller Channing Tatum, der momentan einen Blockbuster-Film nach dem anderen dreht, überzeugt genauso als moderner Cowboy und Agent Tequila wie sein Kollege Pedro Pascal, der dem deutschen Publikum vor allem durch die Netflix-Serie „Narcos“ bekannt sein dürfte, in der Rolle des zwielichtigen Machos Whiskey.

Etwas grenzwertig sind allerdings die Gewaltdarstellungen. Wie im ersten Teil, wo in einer Szene zur Musik von Sir Edward Elgars „Pomp And Circumstance“ die Köpfe zahlreicher Bösewichte explodierten, geizt auch „Kingsman: The Golden Circle“ nicht mit visueller Brutalität. Kopfschüsse sind an der Tagesordnung und werden mitunter musikalisch und optisch so feierlich in Szene gesetzt, dass man es zumindest fragwürdig finden darf. Zartbesaitete sollten die Gewaltorgie meiden.

„Kingsman: The Golden Circle“ hat zwar auch ein paar zähe Passagen, ist aber trotz seiner langen Laufzeit von 141 Minuten überraschend kurzweilig. Der Film hat viele Lacher und einige sehr originelle Actionszenen. Bei manchen werden sich die James-Bond-Macher fragen, warum sie nicht darauf gekommen sind. Seinem Vorgänger steht das unterhaltsame Sequel „Kingsman: The Golden Circle“ damit kaum nach. Und der dritte Teil ist vermutlich schon in Planung. (Philip Dethlefs, dpa)

Kingsman: The Golden Circle, UK/USA 2017, 140 Min., FSK ab 16, mit Colin Firth, Taron Egerton, Julianne Moore, Channing Tatum