Freitag, 22. September 2017, 20:09 Uhr

Was für ein Theater! Berliner Volksbühne besetzt

Ein Künstlerkollektiv hat seit heute die Berliner Volksbühne besetzt. Mit dem neuen umstrittenen Intendanten des Hauses hat die Aktion angeblich nichts zu tun.

Was für ein Theater! Berliner Volksbühne besetzt
Ein Aktivist mit Maske im Foyer der Volksbühne. Foto: Paul Zinken

Der Streit um die legendäre, weil avantgardistische Volksbühne und ihren neuen Intendanten Chris Dercon eskaliert: Aktivisten haben am Freitagnachmittag das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt. Sie wollten dort für zunächst drei Monate bleiben und ein eigenes Programm erstellen. Vor das Theater hängten sie ein Transparent mit dem Schriftzug „Doch Kunst“ und verschlossen einige Türen des Gebäudes mit Ketten und Schlössern.

Am Theater schwelt seit Monaten ein Streit um den Kurs des neuen Intendanten Chris Dercon, der als Nachfolger des langjährigen Chefs Frank Castorf im August das Haus übernahm. Kritiker befürchten, dass die Volksbühne zu einem kommerzialisierten Eventtheater umgestaltet werden könnte.

Was für ein Theater! Berliner Volksbühne besetzt
„Attacke“ – Aktivisten haben das Gebäude am Nachmittag besetzt. Foto: Paul Zinken

„Parlament der Wohnungslosen“ soll ins Haus

In dem Haus solle ein neues „Anti-Gentrifizierungszentrum“ entstehen, kündigte eine Sprecherin der Besetzer an. Die Aktivisten riefen ehemalige Mitglieder der Volksbühne zum Mitmachen auf. Berlin sei in den vergangenen Jahren der „Verwertung des Kapitals“ ausgesetzt worden.

Mehrere Hundert Menschen verfolgten das Statement im Foyer vor Ort. Es gehe dabei angeblich nicht um die Personalie Chris Dercon. Der könne ja schließlich in der zweiten Spielstätte der Volksbühne am Tempelhofer Flughafen bleiben. Im Gebäude der Volksbühne solle hingegen ein „Parlament der Wohnungslosen“ entstehen.

Auf einem Flugblatt bezeichneten sich die Besetzer als Künstlerkollektiv „Staub zu Glitzer“ und kündigten die „dauerhafte Übernahme des Hauses als eine darstellende Theaterperformance“ an. In den kommenden drei Monaten sei ein Programm unter anderem aus Gastspielen, Festivals und Tagungen geplant. Zur Umsetzung ihrer Ziele hätten die Besetzer einen Verein und eine Stiftung gegründet. 48 Menschen hätten die offenbar ernstzunehmende Aktion seit Monaten geplant.

Die Polizei und Vertreter der Berliner Kulturverwaltung waren an Ort und Stelle. Ein Sprecher der Volksbühne war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Eine reguläre Vorstellung war am Abend an der Bühne nicht geplant. (dpa/KT)

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Die Berliner Volksbühne. Foto: Paul Zinken