Samstag, 23. September 2017, 21:27 Uhr

Ringo Starr: Ein irres Interview mit der Beatles-Legende

Ringo Starr hat ein neues Album. „Give More Love“ heißt es, und der berühmte Beatles-Drummer will sogar darüber sprechen. klatsch-tratsch.de-Reporterin Katja Schwemmers traf die Musik-Legende in London – und hatte zum Glück das richtige Schuhwerk an.

Ringo Starr: Ein irres Interview mit der Beatles-Legende
Foto: Universal Music

„Sie wissen, dass er nur den Ellbogen gibt, oder?“, fragt Ringo Starrs Sprecherin Elizabeth Freund, als ich zum Interview in der Suite eines Luxushotels in London-Kensington Platz nehme. Ich hatte davon gelesen: Der legendäre Drummer der Beatles hat eine waschechte Bakterienphobie! Sollte ich meinen Ellbogen vielleicht besser freimachen? Ist es gar unhöflich, dies zur Begrüßung nicht zu tun?

Bitte nur Fragen zum neuen Album!

Während ich noch darüber grübele, fährt die Dame freundlich fort: „Und bitte nur Fragen zum neuen Album. Danke!“ Spätestens jetzt habe ich Zweifel, warum ich mich überhaupt auf den mit zehn Minuten ausgesprochen kurzen Termin im fernen London eingelassen habe. Doch dann erinnere ich mich wieder: Es ging darum, einen Beatle zu treffen. Neben Paul McCartney der einzige Lebende.

Viele Möglichkeiten wird es dafür wohl nicht mehr geben, Starr zählt mittlerweile 77 Lenze. Und vielleicht kommt ja doch Interessantes dabei rüber.

Ringo Starr: Ein irres Interview mit der Beatles-Legende
Katja mit Ringo in London. Foto: privat

Gemurmel ist vom Hotelflur zu vernehmen. Dann geht es auch schon los. Ringo Starr steckt erst nur seinen Kopf durch die Zimmertür – was lustig aussieht und ein bisschen nach den Verrenkungen vom „Help!“-Artwork der Beatles. Schon früher war er als Spaßvogel bekannt. Ich muss jedenfalls lachen. Dann kommt es anders als erwartet: „Gib mir eine Umarmung, Baby!“, fordert Ringo auf. Offenbar traut er mir keine bösen Bakterien zu. Vital und drahtig fühlt er sich an.

77 Jahre soll der Mann sein? Das sieht man ihm wirklich nicht an. Oder verschleiern die runde Sonnenbrille und der Bart das Alter? Vermutlich liegt’s eher an der vegetarischen Ernährung. Auch dem Trinken und Rauchen hat Starr vor langer Zeit abgeschworen. Das scheint in der Beatles-Familie zu liegen: Sein Kumpel McCartney hält es genauso.

Ringo Starr will einfach nur Frieden und Liebe verbreiten

„Ich brauch erst mal einen Schluck Wasser“, meint Ringo und blickt durch die große Fensterfront hinaus in den Hotelgarten. „Ich schätze eine schöne Aussicht. Ich mag es, etwas zu sehen“, erklärt er. Dann setzt er sich zu mir und jault begeistert auf: „Oh, schau deine Schuhe, Baby!“ Wir blicken auf graue Stiefeletten mit goldenen Sternen. „Echte Starr-Schuhe!“, entgegne ich. „Bist du bereit für mich?“, fragt Ringo. Die erste Minute ist zwar schon vorüber, aber immerhin ist die Stimmung gut.

Starrs neue Platte heißt „Give More Love“. Ob es für einen Typen, der „Peace & Love“ zu seinem Lebensmotto erklärt hat, nicht derzeit ganz schön frustrierend ist auf der Welt, will ich von ihm wissen. Der Albumtitel sei nicht als Statement über das derzeitige gesellschaftliche Klima zu verstehen, entgegnet Ringo. „Ich bin Musiker. Ich will einfach nur Frieden und Liebe verbreiten – das ist meine Attitüde zum Leben. Ich denke, wir können alle mehr Liebe geben.“ Seine jüngste Äußerung, er hätte – wenn er denn nicht gerade an seinem sonnigen Wohnsitz in Los Angeles verweilt hätte – für einen Brexit gestimmt, weil er ein unabhängiges Großbritannien gut findet, will er nicht wiederholen. Das wäre auch recht dämlich für einen Engländer, der Hamburg seine Karriere zu verdanken hat. Wie gut, dass es einen Song dazu gibt – denn wir sollen ja über das Album sprechen.

Wie Ringo zu den Beatles kam

In „Electricity“ erwähnt Starr einen gewissen Johnny Guitar, mit dem er Anfang der Sechziger in der Gruppe Rory Storm & The Hurricanes in der Elbmetropole spielte. „Ohne diese Band hätte es nie einen Ringo in den Beatles gegeben!“, unterstreicht er. „Wir waren damals die Nummer-Eins-Band aus Liverpool. Die Beatles kannte indes kaum jemand. Das änderte sich dann schlagartig.“ Beide Gruppen traten jeden Abend im „Kaiserkeller“ auf. „Das waren großartige Konzerte, die sich wie Schlachten anfühlten. Wir spielten hart und lange, ganz nach dem Motto: Unsere Band gegen eure Band!“ An einem Abend passierte es dann: Ringo sprang bei den Beatles für ihren erkrankten Drummer Pete Best ein. „Ich wechselte also in Hamburg von der einen Nummer-Eins-Band zur nächsten!“ Ringo lacht.

Ringo Starr: Ein irres Interview mit der Beatles-Legende
Foto: Universal Music

Im Gegensatz zu den Beatles-Amateuren war der ehemalige Fabrik-Arbeiter Richard Starkey damals schon gut an seinem Instrument. „Zurück in England fragten mich John, Paul und George 1962, ob ich ganz bei ihnen einsteigen würde. Und ich sagte: ‚Sicher!’ Denn lieben gelernt hatte ich sie bereits in Deutschland.“ Starr erinnert sich gern an die Zeit. „Hamburg war eine Weile das Zentrum des Rock’n’Roll und die erste Stadt, die englische Bands importierte. Wir alle konnten dank Deutschland überhaupt überleben.“ Wer braucht da noch den Brexit, Mr. Starr?

„Paul und ich sind Freunde“

Und was sagt eigentlich Paul McCartney dazu, der auf zwei Stücken des Albums seinen Höfner-Bass zum Besten gibt? „Paul und ich sind Freunde. Er gab mir für mein Album, was ich brauchte, und hat nicht mal eine Rechnung dafür geschrieben.“ Ringo lacht wieder. Werden die reifen Herren schon mal sentimental, wenn sie zusammen abhängen? „Manchmal sprechen wir über John und George, weil uns irgendein Song oder eine Anekdote in den Kopf kommt. Wir lieben sie, und das wird immer so bleiben. Aber es gibt schon genügend Leute, die in der Vergangenheit leben, da müssen wir es nicht auch noch tun. Denn wir Zwei waren dabei, als die Geschichte geschrieben wurde.“

Bei den Beatles übernahm Ringo u.a. für „Yellow Submarine“ und „With A Little Help From My Friends“ die Leadvocals und schrieb den wunderschönen Hit „Octopus’s Garden“, der es bis in die „Sesamstraße“ schaffte. Zu Zeiten der Beatlemania soll Ringo in den USA sogar die meiste Fanpost bekommen haben – er galt als Seele der Fab Four. In die Rock And Roll Hall Of Fame wurde er 2015 auch als Solist aufgenommen. „Und ich denke noch gar nicht ans Aufhören“, bekräftigt er. Ich allerdings schon! Denn die strenge Elizabeth gibt das „Noch eine Frage“-Zeichen.

… und dann war da noch eine Beatles-Reunion

Ob bei ihm etwas Neid aufkommt, dass die betagten Rolling Stones immer noch Stadien füllen, interessiert mich. „Wenn uns nicht zwei Bandmitglieder frühzeitig und auf tragische Weise abhanden gekommen wären, hätte ich keinen Grund gesehen, warum die Beatles nicht auch wieder als Band zusammen aufgetreten wären. Aber das ist leider nur eine Fantasie.“

Wow: Ringo Starr verkündet eine Fast-Reunion der Beatles. Immerhin. Weil er so gerne und reichlich bunt twittert, frage ich noch rasch nach seinem Lieblings-Emoji. „Das ist mein eigener – der Ringo-Starr-Emoji“, platzt es aus ihm heraus. Wir machen noch ein Erinnerungsfoto – natürlich mit doppeltem Peace-Zeichen. „Streck die Starr-Schuhe ins Bild“, witzelt die Legende. Ich kann mich gerade noch beherrschen.