Sonntag, 24. September 2017, 18:13 Uhr

Preview "God's Own Country": Das neue "Brokeback Mountain"?

Am 26. Oktober kommt mit ‚God’s Own Country‘ das raues Regiedebüt des Briten Francis Lee in die Kinos. Er hat in der eigenen Heimat gedreht: der ehemaligen Grafschaft Yorkshire, die Engländer aufgrund ihrer archaischen Landschaft auch „God’s Own Country“ nennen.

Preview "God's Own Country": Das neue "Brokeback Mountain"?
Foto: Agatha A. Nitecka

Inmitten einer unwirtlichen Natur, die als Abbild der anfänglichen Isolation seiner Figuren dient, erzählt Lee in realistischen Bildern von harscherSchönheit die packende Geschichte einer sexuellen und emotionalen Erweckung – und die Geschichte einer gewaltigen Liebe.

Der Film hatte seine Weltpremiere in Sundance, wo der Film mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Es folgten zahlreiche
weitere Festivalauftritte und Auszeichnungen, u.a. im Panorama der Berlinale (Preis der „Männer“-Leser-Jury), dem Edinburgh Film Festival (Preis für den Besten Britischen Film) und dem Frameline Film Festival in San Francisco (Publikumspreis).

Suche nach Geborgenheit auf einer Farm

Und darum geht’s: Das Leben des 24-jährigen Johnny ist karg und einsam. Er wohnt und arbeitet auf der abgelegenen Schafsfarm seiner Familie im Norden Englands. Zwischen ihm, seinem kranken Vater und der stoischen Großmutter fallen nur wenige, grobe Worte. Um seine Frustration zu betäuben, betrinkt er sich jeden Abend im nahe gelegenen Pub und hat ab und zu unverbindlichen Sex mit jungen Männern.

Als im Frühjahr der gleichaltrige Saisonarbeiter Gheorghe aus Rumänien auf die Farm kommt, ist Johnny zunächst misstrauisch und mürrisch. Doch je mehr Zeit die beiden jungen Männer während der harten Farmarbeit miteinander verbringen, desto intensiver wird ihre Beziehung. Aus flüchtigen Blicken und Gesten werden Berührungen, bis sie in der Abgeschiedenheit eines Camps in den Hochmooren das erste Mal Sex miteinander haben. Johnny begehrt Gheorghe nicht nur körperlich, er fühlt bei ihm auch eine Geborgenheit, die er zuvor nicht kannte. Doch was passiert, wenn die Saison zu Ende ist und Gheorghe zurück nach Rumänien muss?

Ist so ein gemeinsames Leben möglich?

Für Fans des Klassikers ‚Brokeback Mountain‘ mit Jake Gyllenhaal und Heath Ledger aus dem Jahr 2005 ist die Geschichte aus einer Welt voller Tabus genau richtig. Dazu sagte der Regisseur: „Im Zentrum von ‚God’s Own Country‘ steht Johnny, der seine Gefühle zu großen Teilen unterdrücken muss, um das Weiterbestehen der Farm seiner Familie nicht zu gefährden. Seine geordnete Welt gerät aus dem Fugen, als der rumänische Gastarbeiter Gheorghe auf die Farm kommt, um während der Lamm-Saison auszuhelfen. Ich wollte eine innige, aber zugleich schroffe Liebesgeschichte erzählen und die unterschiedlichen Gefühlslagen der Erschütterung und Freude einfangen, die einem neuen Anfang innewohnen.“

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Foto: Salzgeber

Francis Lee sagte weiter: „Ich wollte zeigen, was eine solche Begegnung für jemanden bedeutet, der in seinem bisherigen Leben nicht nur geographisch und sozial isoliert war, sondern der sich auch emotional weitgehend verschließen musste. Johnny lebt in einer traditionsverbundenen Gemeinschaft von Arbeitern, in der man am Ende eines körperlich anstrengenden Tages vielleicht
schlicht keine Ressourcen mehr hat, um herauszufinden, wer man eigentlich ist; in der die Verpflichtungen gegenüber Familie über den individuellen Interessen stehen; in der sich niemand darum schert, mit wem man schläft, solange man am Ende des Tages die Tiere gefüttert und sich um die Äcker gekümmert hat. Ist Johnny in diesem Umfeld in der Lage, sich seinen Gefühlen gegenüber Gheorghe klar zu werden und sich ihnen hinzugeben? Wird Gheorghe die Geduld und die Empathie haben, Johnny auf seiner emotionalen Reise zu unterstützen? Ist für die beiden ein gemeinsames Leben im harschen Umfeld des Farmlebens möglich? Wird Johnny endlich Glück finden? In ‚God’s Own Country‘ wollte ich all diese Themen erkunden: die erste große Liebe, das Leben in Isolation, die Bedeutung von Familie und Pflichterfüllung, die bindende Kraft der Landschaft und das Gefühl, zu einem ganz bestimmten Ort zu gehören.“